American Hi-Fi - Fight The Frequency - Cover
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American Hi-Fi Fight The Frequency


  • Label: Megaforce Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Coldplay, Muse, Radiohead, Green Day und viele andere kennen das übliche Problem: Je länger ein brandneuer Silberling auf sich warten lässt, desto höher sind die Erwartungshaltungen. Wenn dieses Problem eine Regel darstellt, haben sich American Hi-Fi mit ihren ewigen Label-Wechseln keinen Gefallen getan. Diese sind nämlich der Hauptgrund für eine Zwangspause von fünf Jahren zwischen ihrem letzten Album und der neuen Platte „Fight The Frequency“. Der schwierige Stand der neuen LP ergibt sich von selbst. Erinnern sich die Fans nach fünf Jahren noch an American Hi-Fi, bei all dem neuen Material anderer Bands in den letzten Jahren und hat die Band es geschafft, ein neues Level zu erklimmen? Allein eine Fortsetzung des soliden Vorgängers zu bieten wäre alleine schon aufgrund der vergangenen Zeit eine Enttäuschung. Das mag nicht gerecht und nicht objektiv erscheinen, aber warum sollen sich nur große Gruppen mit Ansprüchen der Fans auseinandersetzen?

Natürlich soll kein Groll gegen die Band gehegt werden, denn man hat es sich ja nicht ausgesucht, „Fight The Frequency“ so lange herauszuzögern. Diesem Fakt ist sich der Hörer auch gleich bei hören des gleichnamigen Openers bewusst, denn hier wird eine Mischung aus Alternative und Punk à la Green Day , die vor „21st Century Breakdown“ durchaus eine gute Rolle hätte spielen können. So ist es ein netter Song, der nicht umhaut, aber zumindest daran erinnert: Rock ist nicht tot! Zu schade ist nur, dass eine ganze Reihe von Bands dieses Statement glaubwürdiger und besser inszenieren. American Hi-Fi bieten dahingegen nur, was man von althergebrachtem Alternativ-Rock erwartet. Ähnlich wie Daughtry oder Nickelback suhlt man sich in massenkompatiblen Arrangements und versucht es allen recht zu machen. Dass nicht jeder in der Familie dasselbe will, sollte inzwischen jedoch hinlänglich bekannt sein. „This Is A Low“ verliert sich beinahe in College-Rock und auch „Where Love Is A Lie“ erinnert an schmachtende Jugendromanzen. Dieser Tick Erwachsensein, damit auch Mama mitsummt und hier und da ein fetter Riff für den feschen Papa. Das Hauptprogramm ist für die Jugend und Junggebliebenen gedacht und fertig ist der koffeinfreie Musikmix mit viel Zuckergehalt.

Zu Anfang des Jahrtausends hätte man mit diesen leichtmütigen Liedern bestimmt noch den ein oder anderen Blumentopf gewonnen und bei der richtigen Promotion werden sich auch heute noch genug Käufer finden (Daughtry machte es bereits vor), doch qualitativ gesehen liefern die Jungs aus Boston nichts Neues. Streicher und Pathos wenn es langsame Akkorde zulassen, dass ein Pat Monahan stolz auf sie wäre und ansonsten schnörkelloser Rock ohne wirklichen Wiedererkennungswert. Alle Immer-Noch-Fans von Blink 182, +44, den frühen Green Day und weiteren Punkrockern, die es weniger mit der Gesellschaftskritik als mit leichten Melodien haben, werden unter Umständen auch Tracks wie das geladene „Kept It Like A Secret“ oder „Frat Clump“ in ihr Herz schließen. Wer es sowieso lieber mit lauten, aber dennoch zahmen Balladen hält, die noch dazu gut produziert sind, wird sich am Büffet „Fight The Frequency“ kaum satt essen können. Es darf nur nicht stören, wenn alles irgendwie gleich klingt und ein vor Pathos triefendes Riff den nächsten Herzschmerz-Gefühl-Chorus jagt. Wirklich mitfeiern wie bei Green Days „Last Of The American Girl“ und noch dazu über den Text schmunzeln wird man hier nur selten. Wer auch heute noch Ausschau nach alternativem Rock der Marke Collge-Rock mit Punkeinflüssen Ausschau hält, der wird hier zwar zur Genüge bedient, doch bei der Wartezeit von fünf Jahren ist American Hi-Fi allenfalls eine Ergänzung im CD-Schrank und keine ernsthafte Alternative.

Anspieltipps:

  • Fight The Frequency
  • Kept It Like A Secret
  • Tiny Spark

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