Iron Maiden - The Final Frontier - Cover
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Iron Maiden The Final Frontier


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 77 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Final Frontier” ist das 15. Maiden-Studioalbum und Anlass genug für ein großes deutsches Metal-Print-Magazin, extra ein Iron-Maiden-Sonderheft (von Fans für Fans) auf den Markt zu bringen, in dem auf 130 Seiten die Kernaussage im Raum steht, dass „The Number Of The Beast“ (03/1982) das beste Maiden-Werk aller Zeiten ist. Infolge dessen wird jede neue Veröffentlichung seit fast drei Dekaden an dem Meisterwerk in Hintergrundberichten und ausführlichen Reviews gemessen und anschließend mit den Bandmitgliedern durchdiskutiert.

Allein an der Herausgabe so eines Sonderhefts lässt sich die Wichtigkeit dieser Band für den gesamten Heavy-Metal-Bereich erkennen. Doch es werden auch gefährliche Hürden aufgebaut. Denn setzen wir den qualitativen Maßstab von „The Number Of The Beast“ auch bei „The Final Frontier“ an, ergibt sich mit der 15. Jungfrauenplatte durchaus ein Problem. Aber dazu später mehr.

Das Album wurde diesmal nicht auf dem Anwesen von Bassist und Bandchef Steve Harris eingespielt, sondern in den Compass Point Studios auf den Bahamas, wo bereits die Werke „Piece Of Mind“ (1983), „Powerslave“ (1984) und „Somewhere In Time“ (1986) entstanden sind. Die Songs mit der rekordverdächtigen Spielzeit von knapp 80 Minuten wurden während der Sessions noch überarbeitet und ergänzt, was eher nicht der üblichen Arbeitsweise bei Iron Maiden entspricht – die in der Vergangenheit lieber mit komplett fertigen Liedern ins Studio gegangen sind – und wurden wie gewohnt von Kevin Shirley (u.a. Aerosmith, Silverchair, H.I.M., The Black Crowes) produziert und abgemischt.

Der Opener „Satellite 15... The final frontier“ ist mit 8:40 Minuten der viertlängste Song des Albums, wobei allein 2½ Minuten zulasten eines düsteren Intros gehen, das man sich, wie so häufig bei Intros, auch hätte sparen können. Musikalisch gibt es bis auf den mechanisch-künstlichen Sound jedenfalls nichts zu entdeckten. Der Moment, indem der Gesang einsetzt ist nämlich Intro genug, zumal der Song auch danach nicht aus dem Quark kommt und weitere zwei Minuten herumirrt, bis endlich der gewohnt „warme“ Maiden-Klang aus den Boxen schießt, der dann noch drei Minuten hat, um sich im Gehör festzusetzen. Mit dem simplen Refrain klappt dies ganz gut, doch echtes Potenzial besitzt dieser Song nicht wirklich, wenn man ehrlich ist. Allerdings fällt bereits hier auf, dass die Produktion von Kevin Shirley erneut sehr ungehobelt und undifferenziert ist und bestenfalls auf absoluten High-End-Anlagen funktionieren mag.

„El Dorado“ ist die erste Singleauskopplung, die mit knapp sieben Minuten Spielzeit etwas, ähem, knackiger daherkommt und ein paar schöne Riffs und Gesangseinlagen bereithält. Mehr gibt aber auch diese Nummer nicht her. „Mother of mercy“ beginnt ruhig und balladesk mit Maiden-typischen Gitarren-Licks, steigert sich dann in einen marschierenden Rhythmus, gepaart mit einem dramatischen Refrain. Hier zeigt sich, dass man einen gut strukturierten Song auch in fünf Minuten Spielzeit unterbekommt. Nur auf eine richtig starke Melodie warten wir noch immer, um sie in „Coming home“ mit Abstrichen geliefert zu bekommen. Bei einer melodischen Halbballade wie dieser wäre alles andere aber auch ziemlich albern.

Mit „The alchemist“ dürfen wir einen angenehm kurzen (4½ Minuten) Temposong in bester Maiden-Tradition erleben, bevor das Sextett in „Isle of Avalon“ wieder mächtig ausholt und einen epischen Songaufbau präsentiert. Doof ist nur, dass das Stück keinen Höhepunkt findet und im Prinzip nur vor sich hin dudelt. Und wenn man nicht aufpasst, befindet man sich bereits im nächsten Song („Starblind“), indem auch nur unwesentlich mehr passiert. Wenigstens macht der hymnische Refrain etwas mehr her.

„The talisman“ beginnt als verspielte Folknummer, bevor das Stück nach zwei Minuten richtig explodiert und sich zu dem bis dato besten Track des Albums entwickelt – und das, obwohl „The talisman“ beileibe keine hitverdächtige Hookline hat. Hier punkten die progressiven Strukturen, der engagierte Gesang und die intensive Geschichte im Text. Und weil es gerade so schön ist, setzt „The man who would be king“ genau an dieser Stelle an und macht es „The talisman“ weitgehend nach.

Den mit elf Minuten längsten Song haben sich Iron Maiden für den Schluss aufgehoben. „When the wild wind blows“ beginnt mit einer schönen Gitarrenmelodie, die erneut folkloristische Züge aufweist, es gibt diverse Breaks und viel Zeit für die drei Gitarristen sich auszutoben. Erzählt wird die bekannte Geschichte von Raymond Briggs Comic aus den 80er Jahren „When The Wind Blows“, sodass hier etwas für Auge (Textheft) und Ohr geboten wird und das Album mit einem zweiten, sehr späten Höhepunkt noch einen starken Abschluss erhält. Dieser war auch dringend notwendig, denn die meiste Zeit der fast 80 Minuten von „The Final Frontier“ verschenken Iron Maiden mit (nicht nur für ihre Verhältnisse) mittelmäßigen Songs, die keinen Wiedererkennungswert haben. Klar, es sind durchaus Maiden-typische Stücke, nur nicht auf dem Niveau, wie man es sich gewünscht hatte. Zu beliebig und diesmal sogar komplett frei von großartigen Refrains plätschert „The Final Frontier“ dahin.

Man stelle sich vor, Iron Maiden würden die Hälfte ihrer Konzerte nur mit diesen neuen Songs bestreiten, die Fans verschwänden scharenweise in Richtung Bierstand und kämen erst dann zurück, wenn die Jungfrauen ihre Hits aus den 80er und 90er Jahren auspacken würden. Denn selbst mit fünf bis acht Durchgängen lässt sich „The Final Frontier“ nicht „schönhören“. Welch bittere Erkenntnis.

Anspieltipps:

  • The talisman
  • Coming home
  • When the wild wind blows
  • The man who would be king

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