Limp Bizkit - Gold Cobra - Cover
Große Ansicht

Limp Bizkit Gold Cobra


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Hätte man das noch für möglich gehalten? Limp Bizkit veröffentlichen ein neues Album in Originalbesetzung, das nicht versucht sämtliche Trademarks über den Haufen zu werfen um Kreativität zu demonstrieren. „The Unquestionable Truth: Part 1“ (05/2005) ist schließlich noch immer für viele Fans der größte Unfug, den Fred Durst (Gesang), Wes Borland (Gitarre), DJ Lethal (Keyboard, Samples, Turntables), Sam Rivers (Bass) und John Otto (Schlagzeug) je getrieben haben und das softe „Results May Vary“ (09/2003) hatte schon einen schweren Stand. Über 10 Jahre hat es nun also letztendlich gedauert, bis die rechtmäßige Antwort auf den sensationellen Erfolg von „Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water“ (10/2000) gegeben und in Form von „Gold Cobra“ auf die Menschheit losgelassen wird. Doch will das eigentlich noch irgendjemand hören? Oh, fuckin´ yeah!

Nach der Einleitung „Introbra“ packen Durst & Co. den Hörer mit „Bring it back“ nämlich sofort bei den Eiern und servieren eine deftige Melange aus Hip Hop-Beats und harten Rockriffs, die anschließend vom fett groovenden Titeltrack in bester LP-Manier umgehend in den Boden gestampft werden. Die Erfinder der Dicke-Hose-Produktion geizen 2011 jedenfalls nicht mit saftigen Basstönen und lassen jedes Wohnzimmer im Kopfnickertakt erbeben, was besonders in Kombination mit Dursts aggressiven Ausbrüchen wie z.B. im durchgeknallten „Get a life“, der kompakten Stressabbautherapie „Why try“ oder dem zukünftigen Livekiller „Shotgun“ dazu animiert die mittlerweile mottenzerfressenen Baggy Pants aus dem Schrank zu kramen und die Löcher zu stopfen. Weniger inspirierend sind hingegen Tracks wie die „Break stuff“-Kopie „Shark attack“, das schwache „Douche Bag“, das lediglich die wiederkehrende „I´ma fuck you up“-Zeile rechtfertigt, seltsame Klangexperimente, denen die Sinnhaftigkeit abhanden gekommen ist („Killer in you“) oder Füllmaterial, das auf dem Reißbrett entworfen einfach nur vor sich hin vegetiert („Loser“, „90.2.10“).

Auf der Grenze zwischen Lieben und Hassen taumelt stattdessen der im Outro zu „Loser“ angekündigte Autotune-Bash „Autotunage“ umher, der angesichts des Ausspruchs „How do they make songs with this?“ erstaunlicherweise recht gefällig ausfällt und keine zerfleischenden Rockriffs und derbe Raps beinhaltet, sondern eine „Hebt die Hände in die Höh´“-Mentalität vertritt. Für viele dürfte das einer vergebenen Chance für einen ordentlichen Autotune-Arschtritt gleich kommen. Die auffälligste Nummer bleibt jedoch „Walking away“, die nicht nur wegen ihrer gedrosselten Ader und einer damit einhergehenden Parallele zu den Songs „It´ll be ok“ und „Boiler“ von „Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water“ aus den restlichen Aggro-Tracks hervorsticht, sondern auch wegen seines Tool-Gedenkriffs und dem packenden Songwriting zum heimlichen Favorit des Albums avanciert.

Limp Bizkit werfen mit „Gold Cobra“ die Zeitmaschine an und versetzen den Hörer zurück ins Jahr 2000, als „Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water“ rund um den Globus eine Platin-Auszeichnung nach der anderen erhielt und transportieren ihren wuchtigen Rap/Rock/Metal-Crossover stets frisch und ohne peinlich zu werden ins neue Jahrzehnt. Dabei erinnern viele Tracks mal mehr, mal weniger an die unverwüstlichen Vorbilder „Nookie“ („Shotgun“), „Break stuff“ („Shark attack“) oder „My way“ („Get a life“) und das komplette Album besteht prinzipiell nur aus drei Zutaten, nämlich der Aggressivität und Härte eines „Three Dollar Bill Y´All“ (07/1997) und „Significant Other“ (06/1999), sowie der modernen Produktion eines „Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water“, doch mit diesem aufgewärmten Cheeseburger werden die Fans ohnehin mehr Freude haben als mit einem überladenen All you can eat-Buffet oder einem exotischen 5-Sterne-Menü. „Gold Cobra“ kann man, den vereinzelten, positiven Aspekten zum Trotz, dennoch nicht als das Album anpreisen, auf das man über 10 Jahre lang gewartet hat. Allerdings kann man froh sein, dass Durst & Co. keinen lahmarschigen Totalausfall fabriziert, sondern eine solide Scheibe abgeliefert haben.

Anspieltipps:

  • Shotgun
  • Get A Life
  • Gold Cobra
  • Walking Away

Neue Kritiken im Genre „Nu-Rock“
Diskutiere über „Limp Bizkit“
comments powered by Disqus