Soilwork - The Panic Broadcast - Cover
Große Ansicht

Soilwork The Panic Broadcast


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Björn und seine Mitstreiter halten auch mit Album Nummer Acht das hohe Niveau von Soilwork.

Diese Schweden sind nicht kleinzukriegen. Die Melodic-Death-Metal-Altmeister von Soilwork rund um Sänger Björn „Speed“ Strid haben so viele Besetzungswechsel hinter sich, dass es Grund genug gab, die musikalische Qualität in Gefahr zu sehen. Die letzte derartige Aktion ereignete sich 2008. Gleich beide Gitarren-Posten wurden erneuert: Sylvain Coudret begrüßte man als Neuling und Hauptsongschreiber Peter Wichers, der 2005 ausgestiegen war, kehrte in die Band zurück. Mitglieder kommen und gehen, schon seit den Anfängen. Es scheint ein gewisser Trubel hinter den Kulissen zu herrschen. Doch nichtsdestotrotz veranstalten Soilwork immer wieder eine neue Hochzeit von Härte und Melodie, die sich gewaschen hat. Zwar ist der Abstand zum letzten Album diesmal größer als je zuvor – drei Jahre hat es gedauert – doch die Jungs liefern mit „The Panic Broadcast“ im Großen und Ganzen ein Album in der gewohnt starken, allseits beliebten Soilwork-Manier.

Zu Beginn wird jedoch gleich einmal mit dem bewährten Soilwork-Rezept gebrochen. Nach einem kurzen Spannungsaufbau pustet der Opener „Late For The Kill, Early For The Slaughter“ den Hörer mit einem unerwarteten Blastbeat-Gewitter hinfort. Da bleibt einem nur ein überrascht-zufriedenes Grinsen. Erst der zweite Track bietet einen der gewohnt eingängigen Mitsing-Refrains, die Soilwork in den letzten Jahren immer als Eröffnung verwendeten. In ähnlicher Struktur wie „Two Lives Worth Of Reckoning“ geht es auch weiter. „The Thrill“ ist etwas gedrosselter, doch dafür besitzt der Refrain noch mehr Hymnen-Charakter. „Deliverance Is Mine“ kommt dann wieder voll auf die Zwölf. Was bei alledem nie fehlt, ist das obligatorische Gitarrensolo im letzten Drittel. So auch bei „Night Comes Clean“. Das ist zwar eine langsame Nummer, hat durch Speeds hohes Geschrei in den Strophen aber auch ordentlich Pfeffer.

Ist man bei der zweiten Albumhälfte angelangt, lässt sich feststellen, dass „The Panic Broadcast“ in zwei Teile geteilt ist. Los geht es mit der Hochgeschwindigkeits-Dampfwalze „King Of The Treshold“, die durch einen ruhigen Schlusspart fließend in das mit Akustikgitarren versetzte „Let This River Flow“ übergeht. Und von da an verschreiben sich Soilwork fast gänzlich dem Downtempo. Was ist da los? Schon mehrmals wurde das Tempo gedrosselt, doch mit „Epitome“ kommt erst die richtige Ballade – fast ausschließlich clean gesungen. „The Akuma Afterglow“ sollte dann eigentlich wieder die Kurve kriegen, doch selbst dieser Song kommt eher gemächlich daher. Sollten die Jungs diesmal etwa ganz am Ende nochmal Gas geben? Der letzte Song „Enter Dog Of Pavlov“ lässt zunächst die Hoffnung schwinden. Doch nach dem leisen, langsamen Intro entwickelt sich glücklicherweise ein episches Format, das immerhin noch einige Headbang-Passagen enthält.

Die Blütezeit von Soilwork, begründet durch die Alben „Figure Number Five“ (2003) und „Stabbing The Drama“ (2005), ist gelaufen, keine Frage. Doch Soilwork bleiben ihrem Stil treu. Und nachdem „Sworn To A Great Divide“ (2007) aufgrund der fragwürdigen Produktion, die die Instrumente manchmal wie aus der Konservendose klingen lies, zu Recht viele Fans verärgerte, sorgt der zurückgekehrte Gitarrist Peter Wichers jetzt wieder für einen einwandfreien Sound. Der Mann haut nämlich nicht nur in die Saiten und schreibt Songs, sondern ist auch ein fähiger Produzent. So ist mit „The Panic Broadcast“ schon mal eine mehr als zufriedenstellende Klangverbesserung auszumachen. Einzig die erschreckend langsame zweite Albumhälfte fällt unangenehm auf. Mit einer leicht veränderten Reihenfolge der Stücke wäre bestimmt mehr Dynamik heraus zu holen gewesen, ohne den Spannungsbogen zu zerstören.

Björn und seine Mitstreiter halten auch mit Album Nummer Acht das hohe Niveau von Soilwork. Das Gesamtbild der zehnteiligen Zusammenstellung weist Spannungsmäkel auf, dürfte durch die Bonustracks der Special Edition aber wieder ganz ordentlich abgerundet werden. Wie immer jagt ein Ohrwurm-Refrain den nächsten. Besonders gefallen der beeindruckend wuchtige Eröffnungssong „Late For The Kill, Early For The Slaughter“ sowie „Two Lives Worth Of Reckoning“, sozusagen als zweiter, typischerer Opener. Aber auch das ruhige und besonders melodische „Epitome“ besitzt viel Charme. Der epische Abschluss „Enter Dog Of Pavlov“ bildet bei näherer Beschäftigung ebenfalls einen Höhepunkt. Das aktuelle Lineup scheint zu harmonieren, und Sänger Speed brüllt und singt so kraftvoll wie eh und je. „The Panic Broadcast“ ist unterm Strich gute Soilwork-Ware, gerettet allein schon durch die astreine Produktion. Also kein Grund zur Sorge.

Anspieltipps:

  • Late For The Kill, Early For The Slaughter
  • Two Lives Worth Of Reckoning
  • Epitome

Neue Kritiken im Genre „Death Metal“
Diskutiere über „Soilwork“
comments powered by Disqus