Janelle Monáe - The ArchAndroid - Cover
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Janelle Monáe The ArchAndroid


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 78 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„The ArchAndroid” führt das Konzept der „Metropolis“-EP fort, die ursprünglich aus vier einzelnen Veröffentlichungen bestehen sollte.

Die Karriere Janelle Monáes ist bereits jetzt beeindruckend: Nachdem sie ihre erste EP „Metropolis: Suite I (The Chase)“ über ihre Website veröffentlicht hatte, wurde sie von Sean Combs Label Bad Boy Records gesigned, auf welchem ihre EP neu herausgebracht wurde. Sie hat zudem die Wondaland Arts Society gegründet, welche eine Plattform für gleichgesinnte Künstler und Künstlerinnen bieten soll. So ist es auch nicht verwunderlich, dass zur Produktion ihres Debütalbums „The ArchAndroid (Suites II and III)” die ganz Großen des Genres ihre Namen hergeben: Da wären Sean „Diddy“ Combs und Antwan „Big Boi“ Patton, für den Monáe in der Vergangenheit, z.B. auf Outkasts „Idlewild“, Gesangsparts beisteuerte. Aufgenommen wurde das Album von Nate Wonder und Chuck Lightning, mit welchen Monáe bereits für ihre EP zusammenarbeitete. „The ArchAndroid” führt nun das inhaltliche Konzept von „Metropolis“ fort, welches ursprünglich aus vier einzelnen Suites bestehen sollte.

Der Sidekick auf Fritz Langs Science-Fiction Klassiker „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 zeigt sich bereits beim Artwork des Albums, auf dessen Cover Monáe eine Krone trägt, die an das Design jener Stadt erinnert. Auch geht es inhaltlich um einen Ort namens Metropolis im Jahr 2719, aus welchem Monáe – will man dem Klapptext des Booklets glauben schenken – gekidnappt und ins 21. Jahrhundert verschleppt wurde. Im Jahr 2719 wurde aus ihrer DNA ein Android namens Cindi Mayweather geschaffen, welche die Bürger und Bürgerinnen von Metropolis von der Unterdrückung durch eine geheime Organisation namens The Great Divide, die Freiheit und Liebe verbietet, befreien soll. Ob diese Geschichte nun geistiger Unfug ist, wird bereits Booklet hinterfragt, aber sie bietet dem Projekt ein weiträumiges Feld an Experimenten und Geschichten, wodurch das Album eine ganz eigene Identität bekommt.

Monáe zeigt auf ihrem Debütalbum nicht nur eine unglaublich stilreiche Bandbreite an Musik, sondern legt auch auch eine gesangliche Blaupause vor: Ihre soulige Stimme bietet schon jetzt außerordentlich facettenreiche Stimmlagen, auch mit Sprechgesang („Dance Or Die“) oder schreien hat sie keine Probleme („Come Alive (The War Of The Roses)“). Sie hat es nicht mal ansatzweise nötig – anders als so viele Vertreterinnen ihres Genres, wie zum Beispiel die stimmlich verwandte Beynocé – tumbe Arschwackel-Nummern zu schreiben, sondern bewegt sich auf einem ganz anderen musikalischem Niveau, welches den Einsatz von möglichst viel nackter Haut gar nicht nötig hat.

Hin und wieder nimmt „The ArchAndroid“ orchestrale Ausmaße an, wie im Intro „Suite II Overture“ oder dem großen epischen Finale „BabopbyeYa“, dann wiederum werden moderne R’n’B-Rhythmen mit Soul vermischt („Cold War“), elektronische Spielerein mit Synthesizern und Drumcomputer schaffen eine Bindung zwischen den alten und neuen Klängen („Make The Bus“), dann wiederum fügt Monáe ihrem Repertoire mit hüpfendem Gitarren („Faster“) und opulenten Bläsereinsätzen („Tightrope”) auch noch Funk hinzu. Somit gehört die Zeitreise nicht nur zum inhaltlichen, sondern auch musikalischem Konzept, das einem in seiner Vielfalt den Boden unter den Füßen wegreißt und eine Symbiose aus zahlreichen Musikstilen ergibt. Dennoch wirkt „The ArchAndroid“ zu keinem Zeitpunkt überladen oder protzig, obwohl man die Anzahl der verwendeten Instrumente wahrscheinlich gar nicht zählen kann.

Woher nimmt man nur diese überbordende kreative Kraft, die verschiedenste Stile zu einem großem Gesamtbild verbindet und dabei selbst den Kontakt mit Indie-Rock-Vertretern wie Of Montreal nicht scheut? Monáe beantwortet dies im Booklet, in welchem es zu jedem Song nicht nur die Credits, sondern auch die Sparte „inspired by“ zu lesen gibt. Natürlich erklärt dies nicht das Talent, das die letzten Jahre in der gerade mal 24-jährigen geschlummert hat, um sich jetzt in voller Pracht in Form von „The ArchAndroid“ zu zeigen. Eine Stimme, wie es sie im Popbusiness viel zu selten gibt, gepaart mit einem scheinbar unendlich großem Verständnis für die Bandbreite moderner Popmusik, dem nötigen Können und den richtigen Produzenten im Hintergrund, ist dieses Album 2010 die Referenz für alle weiteren Künstler und Künstlerinnen des Genres, an dem sie sich messen werden müssen.

Anspieltipps:

  • Dance Or Die (featuring Saul Williams)
  • Locked Inside
  • Tightrope (featuring Big Boi)
  • Come Alive (The War Of The Roses)
  • Make The Bus (featuring of Montreal)
  • BabopbyeYa

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