2Raumwohnung - Lasso-Remixe - Cover
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2Raumwohnung Lasso-Remixe


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 75 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Remix hat sich in der 2Raumwohnung mittlerweile als unverwüstliches Mobiliar eingerichtet und verschaffte der schäfchenwolkigen Eleganz des einen oder anderen Songs schon mal einen saftig brummenden Bass, was immerhin wunderbar zu der musikalischen Dualität des Berliner Duos passt, das seit jeher träumerischen Eskapismus in mal mehr, mal weniger geglückte, elektronische Bausteine presst. Einziger Nachteil, der jedes der beiden bislang erhältlichen Remix-Alben („Kommt zusammen: Remix Album“ (08/2002), „36 Grad: Remixe“ (06/2007)) durchzieht, ist der bunt zusammengewürfelte Haufen an DJs, der die Songs in den eigenen Kontext setzen will und selbstverständlich auf einen roten Faden innerhalb der kompletten Platte verzichtet. In diesem Sinne können schon mal fünf Minuten lang besinnliche Trance-Sounds aus den Boxen perlen, während der anschließende Remix mit der Basskeule um sich schlägt, bis dieser wiederum von dezent-pluckernden House-Beats abgelöst wird.

Bei „Lasso: Remixe“ wird dieser Weg weiterhin beschritten, wer elektronischer Musik aber auch nur halbwegs aufgeschlossen ist, dürfte wie schon bei beiden Vorgängern seine Favoriten finden, die einen Kauf durchaus rechtfertigen, denn bereits „Wir werden sehen“ in der Hand von Paul Kalkbrenner liefert einen grandiosen Einstand und verzaubert das Gehör mit langsam ausrollender Perkussion, einer simplen, wie packenden Synthie-Melodie und eingestreuter Lyrik aus dem Original. Etwas weniger subtil packt Blake Baxter „Rette mich später“ an und verwandelt seinen „Poetry and rhythm Remix“ in einen stampfenden Elefant im Porzellanladen, der mit technoider Tiefenlastigkeit das Wohnzimmer beben lässt. Perfekte Zutaten für einen gelungenen Minimal Electro-Track offeriert uns danach Thomas Schumacher in seiner Version von „Der letzte Abend auf der Welt“, „Angel of Germany“ verschreibt sich als „Abe Duque Dub Remix“ erneut dem Techno, bleibt aber etwas blass, „Body is Boss“ in „Westbam´s female trouble Mix“ peitscht die müden Knochen als tanzbarer „Knock on wood“-Mashup auf den Dancefloor und „Lasso“ generiert einen minimalistischen Sog aus Bass, Samples und Synthies, dem es lediglich an Entwicklung fehlt.

Bis zu diesem Punkt mag „Lasso: Remixe“ für den cluborientierten Musikhörer im Vergleich zu den originalen Songs sogar die bessere Variante sein und gerade bei voll aufgedrehter Anlage entfalten die perfekt abgemischten Remix-Boliden ihre wahre Wirkung, aber einen ähnlich gewagten Zugang wie der „Fetish SM Remix“ von „Kommt zusammen“ im schwülen Saxophon-Gewand oder ein wütendes und um sich schlagendes „Ja“ wie in „Hanno´s Poppersmonstermix“ sucht man dieses Jahr vergebens. Stattdessen beschließt Robert Babicz den Remix-Reigen mit einem detailarmen, auf einer Acid-Wolke schwebenden „Rette mich später“, Streicher aus dem PC, Trance- und Oldschool Techno-Elemente geben sich in „Wir werden sehen“ die Klinke in Hand, „Und ich dreh“ stolpert orientierungslos im Acid-Rausch umher und „Ich bin der Regen“ setzt voll und ganz auf einen beruhigenden und einschläfernden Schlusspunkt im Minimal-Korpus.

Dennoch hat „Lasso: Remixe“ seine Vorzüge gegenüber den normalen Fassungen: Die stellenweise sinnlosen Nonsenstexte treten fast völlig in den Hintergrund und abgesehen vom einen oder anderen schwachen Remix nutzen sich die alternativen Fassungen der 2Raumwohnung-Kompositionen kaum bis gar nicht ab und werden auch in den nächsten Monaten taufrisch bleiben.

Anspieltipps:

  • Lasso (Good Groove & Yapacc Remix)
  • Wir werden sehen (Paul Kalkbrenner Remix)
  • Body Is Boss (Westbam´s Female Trouble Mix)
  • Der letzte Abend auf der Welt (Thomas Schumacher Remix)

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