Poisonblack - Of Rust And Bones - Cover
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Poisonblack Of Rust And Bones


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Während sich Ville Valo redlich abmüht sein düsteres Flagschiff H.I.M. auf Kurs zu halten und mal mehr („Dark light“ (09/2005) oder der letzte Output „Screamworks: Love in theory and practice“ vom Februar diesen Jahres), mal weniger („Venus doom“ (09/2007) kehrte endlich wieder zur härter rockenden Gangart zurück) enttäuscht, legen die inoffiziellen Nachfolger der 2005 aufgelösten Sentenced ziemlich genau alle zwei Jahre einen neuen Longplayer vor, der ihre Stärken bündelt und den Pegel der melancholischen Kompositionen immer weiter auf den Boden der Tatsachen, soll heißen in Richtung geerdeten Rock, rückt. Diese Entwicklung macht auch vor Album Nummer vier nicht halt, das Ville Laihiala (Gesang, Gitarre), Janne Markus (Gitarre), Antti Remes (Bass), Marco Sneck (Keyboard) und Tarmo Kanerva (Schlagzeug) für die richtige Bindung zu den Songs sogar teilweise völlig nackt im Studio aufgenommen haben sollen.

Diese im wahrsten Sinne des Wortes entblößte Herangehensweise ließ die fünf Herrschaften hörbar die vollen hundert Prozent aus ihrem Material kitzeln, sodass mit „Of rust and bones“ mit leichtem Abstand der schaurig-schönste Longplayer in der Geschichte der Finnen das Licht der Musikläden erblicken darf. Die Grundpfeiler für einen gelungenen Düstersong haben sich 2010 zwar nicht verändert und Poisonblack liefern erneut eine ausgewogene Mischung aus härter rockenden Stücken und emotionalen Balladen, aber der Feinschliff ist dieses Mal besonders gut gelungen. Beginnend beim ersten Höhepunkt „My sun shines black“, der trotz ungestüm-krachenden Metalriffs allein durch die charismatische Stimme Villes sofort im Ohr hängen bleibt, über die etwas schwächeren Uptemposongs „Leech“ und „My world“, bis hin zur vor Melodien strotzenden Nummer „Buried alive“ zeigt das Quintett ehrlichen Gothic Rock mit metallischer Schlagseite, der Gänsehaut verspricht - Und dabei hat die stärkere Hälfte noch gar nicht begonnen.

Eingeläutet durch den ersten von drei (!!) über die 7 ½ Minuten springenden, balladesken Longtracks offenbart „Invisible“ ein betörendes Hauptthema, das Hand in Hand mit dem ekstatischen Refrain geht, welcher beim zweiten Mal in eine auflockernde Solopassage ufert, die die Spielfreude von Poisonblack eindrucksvoll hervorkehrt, was anschließend in ein schwermütiges Finale mündet. Gothic Fanherz, was willst du mehr? Die Antwort liefert nach dem heftig rockenden „Casket case“ „Down the drain“, das seine Beine in die keyboardlastigen 70er steckt und noch trauriger seine Bahnen zieht, allerdings durch eine ähnliche Struktur wie „Invisible“ und einer weniger packenden Dramaturgie leider in einer undankbaren Schleife stecken bleibt. „Alone“ versucht wieder etwas kürzer zu treten, erinnert aber zu stark an „Buried alive“, sodass kein wirklich bleibender Eindruck entsteht, den „The last song“ mit Led Zeppelin-artigem Aufbau („Stairway to heaven“) und ein paar kleineren Reminiszenzen an den Eagles-Klassiker „Hotel California“ jedoch locker zu umgehen weiß und so einen fulminanten Abschluss bietet.

„Das Hauptziel während der Aufnahmen war es, nicht mehr als zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass, Keyboard und Gesang zu haben, ganz simpel und basisch. Wir wollten so klingen, wie wir als Band klingen“ erläutert Ville die einfache Prämisse hinter der Entstehungsphase zu „Of rust and bones“, was ein weiteres Mal unter Beweis stellt das komplexe Arrangements nicht immer zu einem überragenden Ergebnis führen müssen, sondern das mit der richtigen Einstellung auch ohne dreißig Spuren bemerkenswerte Songs geschrieben werden können. Okay, Poisonblack sind natürlich keineswegs die unbestreitbaren Götter des Gothic Rock / Metal, da z.B. „Down the drain“ ruhig etwas mehr Straffung verdient hätte und einige Ideen nicht unbedingt neu sind, aber in Zukunft wissen wir wenigstens, welcher Ville die qualitativ konstantere Truppe aus Finnland anführt.

Anspieltipps:

  • Invisible
  • Buried Alive
  • The Last Song
  • My Sun Shines Black

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