Mamas Gun - Routes To Riches - Cover
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Mamas Gun Routes To Riches


  • Label: Candelion/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Motown und Funk sind wieder im Kommen! Noch nicht mitbekommen? Kein Vorwurf an den Hörer, denn noch hat man den Mamas Gun keine Chance gegeben. Jetzt kommt ihr Debüt und der Sommer ist gerettet. Letztes Jahr als Vorprogramm von Die Fantastischen Vier und in Japan als erfolgreichste ausländische Band sind Mamas Gun unter Leitung von Sänger Andy Platts langsam aber gewiss mehr als nur ein Geheimtipp. Einen großen Vorteil hat das Genre Funk/Soul schließlich, nämlich dass man nichts neu erfinden muss, sondern nur den bereits erschaffenen Geist richtig einfangen muss.

Mamas Gun schaffen es innerhalb der ersten fünf Sekunden, den Hörer für sich zu gewinnen. So herrlich funkig wie „House On A Hill“ daherkommt. So unendlich bekannt kommt es einem vor und doch klingt es frisch genug, um die Radiostationen aufzumischen. Gleiches gilt für das dezent abgedrehte „Rico“, welches von Jamiroquai sein könnte. Andy trifft den Tonfall der modernen Funkologie perfekt und lässt sich von allem was die Sparte zu bieten hat unterstützen. Bläser, Handclaps, Streicher, Bass und jede Menge gute Laune, ohne dabei billig zu wirken wie Sommer-Pop von Lovestoned. Hier stimm jeder Ton und die Parallelen zu Jamiroquai weiten sich bei „You Are The Music“. Keine schlechte Messlatte, die sich Mamas Gun damit setzen. Erfolg war dem Vorbild schließlich zur Genüge beschieden.

Hier strömt die Musik nur so durch den Körper und wo „House On A Hill“ für Wonnegefühl sorgt, will das peppige „Finger On It“ zum Tanzen animieren und es ist wahrlich nur schwer vorstellbar, dass es bei dieser Mission scheitern könnte. Super Beats, die sich gekonnt bei den Großmeistern des Genres bedienen, eine grandiose Bassline und der Gesang, der sich längst ins Herz des Hörers eingebrannt hat. Da muss man erstmal verschnaufen, um das ruhige „Pots Of Gold“ samt Falsetto richtig zu würdigen und zu verarbeiten. Der Soul, welcher sich dem Funk bis hierhin unterordnete darf dann in „Chasing Down Shadows“ zum Zug kommen. Das ganze Konstrukt klingt wie eine wohldurchdachte Großstadtgeschichte samt Funk-Gitarren inklusive psychedelischer Ader und Bläser-, sowie Streichereinsätzen, die einen in die 60er und 70er zurückversetzen.

Um gleich wieder aus dem Saft zu kommen, dürfen die Gitarren in „Psycho Territory“ dann auch mal kantiger und Platts geht ordentlich aus sich heraus, wenn so was nach bisheriger Leistung überhaupt noch geht. Eine typische Nummer für Funk, Jazz, Blues und eben Soul. Das ist in diesem Fall aber nicht nur gut, sondern famos, wie gekonnt das Beste aus diesen Genres auf eine CD gepackt wird. „Bitch“ bleibt psychedelisch, verabschiedet sich jedoch von Gitarre und begrüßt das Synthie-Keyboard der Vergangenheit. Ob eben diese groovige Verrücktheit oder doch lieber Zuckerpop-Soul („Let’s Find A Way“). Was Mamas Gun auch machen klingt mindestens nach Silber und auch Gold ist an vielen Stellen auszumachen. Wie bei Andersens Märchen vom Feuerzeug fühlt man sich wie der Soldat, der nicht weiß, womit er nun seine Taschen füllen soll.

Das Grande Finale in Form von „Miracle“ – eine weitere meisterhafte Gesangsleistung plus tolle Streicherarrangements – und das herrlich lockere „Big Betty“ sorgen für den unwiderstelichen Drang die Repeattaste zu betätigen. Einen Fehler begeht man damit bestimmt nicht. Mamas Gun sind vorerst das heißeste, was dieser Sommer zu bieten hat, wo die Konkurrenz eher cool zu sein versucht.

Anspieltipps:

  • Miracle
  • House On A Hill
  • Finger On It
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