Witchery - Witchkrieg - Cover
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Witchery Witchkrieg


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 34 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Thrash-Album des Jahres? Würde es diesen Preis allein für die beteiligten Musiker an einer Platte geben, „Witchkrieg“ könnte die Auszeichnung aller Voraussicht nach schon jetzt für sich beanspruchen und in das Witchery-Headquarter nach Skandinavien bringen. Ist die Grundausstattung der Truppe mit Legion (Gesang, Ex-Marduk, Devian), Patrik Jensen (Gitarre, The Haunted), Rickard Rimfält (Gitarre, Séance), Sharlee D´Angelo (Bass, Arch Enemy) und Martin Axe (Schlagzeug, Opeth, Bloodbath) schließlich schon mehr als prominent besetzt, gibt es noch ein paar Gastauftritte, die jedem angehenden Riffhexer auf dem Planeten das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Angefangen bei niemandem geringeren als Kerry King (Slayer), über Hank Shermann (Mercyful Fate), Andy LaRocque (King Diamond) und Jim Durkin (Dark Angel), bis hin zum Exodus-Doppelpack Gary Holt und Lee Altus, „Witchkrieg“ ist rein auf dem Papier der wahrgewordene, feuchte Traum eines jeden Thrash-Liebhabers.

Und die Musik? „Wir machen Partymusik, ohne über Frauen und Whiskey zu singen“, wie Jensen erklärt, trifft es zwar nicht völlig, aber das mit der Party ist angesichts der Gästeliste auf jeden Fall zutreffend. Witcherys fünftes Langeisen deswegen als überladen (soll heißen: „Viele Köche verderben den Brei“) und nicht ernst zu nehmen zu bezeichnen wäre jedoch falsch, der wütende „Witchkrieg“ holt sich nämlich garantiert seine Beute und das mit allen erdenklichen Mitteln. Dies geschieht vor allem in Form von klar definierten Strukturen, lockerem Ambiente und der Abwesenheit von jeglichen Experimenten. Legion und seine Meute treffen damit zwar nicht immer ins Schwarze, aber wenn sie treffen, dann bleibt kein Stein auf dem anderen.

Thrash´n´Roll heißt es ungebremst im donnernden, titelgebenden Opener, „Wearer of wolf´s skin“ trampelt kurzerhand in Todesblei-Gebiet, schleppend und durch und durch groovy geht es in „The god who fell from earth“ mitsamt herrlichem Old School-Solo von Hank Sherman weiter, dämonisch grummelnd gibt sich „Conqueror´s return“ und „The reaver“ jagt mit Holt und Altus an den Äxten in bester Exodus-Manier als Planierraupe durch sämtliche Gemüsegärten, während „From dead to worse“ Anspruch auf DIE Live-Hymne von Witchery erhebt. Kein Wunder bei einem gnadenlos eingängigen Schlachtruf wie „There are things worst than death / Far more worst than death“, dem Legion mit seiner Raspelstimme den nötigen Durchschlag verleiht. Dummerweise sind „Devil rides out“, „One foot in the grave“ und „Hellhound“ unter „ferner liefen“ zu klassifizieren, da es hier lediglich nur noch einmal im Kreis geht und wuchtiger Thrash zelebriert wird. Mit dem Albumender „Witch Hunter“ fegen Witchery dafür wieder die Konkurrenz des stringenten-nach-vorne-rockenden Thrashs vom Tisch und zischen ungeniert simpel, aber effektiv am Hörer vorbei und über die Zielgerade.

Und das Urteil? „Witchkrieg“ ist eine sau-geile Platte für einen deftigen Männerabend, bei dem der Spaß an erster Stelle steht und hohe Ansprüche draußen bleiben müssen. Die kompakt gehaltenen 34 Minuten eignen sich nämlich vorzüglich als Vorschlaghammer für etwaige Abrissarbeiten, tiefgreifende Progressivität darf man sich aber eben nicht erwarten. Auf der Suche nach unkomplizierter Metalkost, die keine Gefangenen macht, ist dieses kurzweilige Höllenfeuer ohne Frage die erste Anlaufstelle.

Anspieltipps:

  • The Reaver
  • From Dead To Worse
  • The God Who Fell From Earth

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