Buckcherry - All Night Long - Cover
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Buckcherry All Night Long


  • Label: Eleven Seven Music/EMI
  • Laufzeit: 71 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Songs sind solide und beanstandungsfrei eingespielt, aber weder durch große Höhepunkte noch durch Innovationen gesegnet.

Obwohl die Wahl-Kalifornische Hardrockband Buckcherry in ihrer wechselvollen Karriere weltweit schon mehr als drei Millionen Alben verkauft, mehrere Wochen die Top 10 der US-Billboard Charts belegte und eine Grammy-Nominierung einsackte, ist sie in Europa und speziell in Deutschland immer noch ein relativ unbeschriebenes Blatt. Man kennt die Band aus kleinen Berichten in der Fachpresse, kauft aber nicht wirklich ihre Alben. Dabei versucht man es dem europäischen Publikum mit (fast) allen Mitteln recht zu machen.

Erst im letzten Jahr kredenzte die Plattenfirma eine kostengünstige Zusammenfassung der Alben „15“ (2006), „Black Butterfly“ (2008) sowie einer Bonus-EP als 3-CD-Box zum Entdeckerpreis, gefolgt von einem Live-Album („Live & Loud 2009“), was alles irgendwie nichts brachte. Der nächste Versuch, die US-Band auch hierzulande größer rauszubringen, steht nun mit dem fünften Studioalbum „All Night Long“ an. Und wieder hat man sich einen Appetitanreger für den hiesigen Markt ausgedacht. Vielleicht dachte man ja, dass „All Night Long“ mit elf neuen Tracks und einer Spielzeit von 43 Minuten ein bisschen dürftig für den deutschen Markt sei. Deshalb gibt es das Werk zusammen mit einer zusätzlichen 28-minütigen Akustik-Live-EP namens „Reckless Sons“.

Warum es mit Buckcherry außerhalb der USA bisher nicht so richtig geklappt hat, ist schwer zu erklären. Die Jungs spielen simplen Rock’n’Roll der härteren Sorte mit einer guten Portion Sleaze und Glam, allerdings ohne en rauen Charme des Punkrock. Aber das ist eben die L.A.-Version des skandinavischen Rotzrock der 90er Jahre, der ja in dieser Epoche mit Bands wie z.B. Poison, Ratt, Mötley Crüe und Guns ‘N‘ Roses ganz hervorragend funktioniert hat. Buckcherry scheinen aber mehr auf Aerosmith und Kiss zu stehen und eifern ihren Vorbildern entsprechend nach. Von Aerosmith holt sich das Quintett die bluesige Grundlage für ihren Hardrock ab („It’s a party“), von Kiss kommen die einträchtig mitgrölbaren Refrains („All night long“), die einfältiger nicht sein könnten („Oh my lord“).

Dass dabei in Songs wie „It’s a party“ gleich ganze Riffpakete von Aerosmiths „Back in the saddle“ sowie das rhythmische Grundgerüst von Queens „We will rock you“ (!!) zusammengewürfelt werden, scheint die Jungs nicht weiter zu stören. Überhaupt fahren Buckcherry auf „All Night Long“ heuer ziemlich beliebiges Liedgut auf („These things“, „I want you“, „Never say never“), das hauptsächlich zum Party machen dient, aber darüber hinaus keinen Tiefgang besitzt. Das macht in einigen Momenten ganz gut Laune („Recovery“), kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Buckcherry in Sachen Songwriting eher in der zweiten Liga spielen. Klar, die Songs sind äußerst solide und beanstandungsfrei eingespielt, aber weder durch große Höhepunkte noch durch Innovationen gesegnet und somit nichts weiter als gehobener Durchschnitt. Somit ist das Erfreulichste an diesem Album das nackte Mädchen im ausklappbaren CD-Booklet. Das muss man(n) gesehen haben.

Anspieltipps:

  • Dead
  • Liberty
  • Recovery
  • All night long

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