Tokyo Police Club - Champ - Cover
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Tokyo Police Club Champ


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Tokyo Police Club ist wohl eine jener Indie-Rock Bands, die niemals über den Stand des netten Indie-Disco-Acts herauskommen werden. Dazu fehlt es ihnen einfach in vielerlei Hinsicht an Güte: Die Melodien sind catchy, aber irgendwie kriegen die Jungs von Phoenix das doch viel frischer und zwingender auf die Reihe. Klar, die Drums hüpfen durch den Raum und springen dich an, aber eine Band wie Vampire Weekend stehlen dem Trio aus Toronto mal eben im Vorbeigehen die Sonne. Nun heißt das zweite Album von Dave Monks (Gesang, Bass), Josh Hook (Gitarre), Graham Wright (Keyboard) und Greg Alsop (Schlagzeug) „Champ“, was in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen ist. Doch mit einem Album wie „Barbara“ – vor kurzem von We Are Scientists veröffentlicht – können es die vier Kanadier sicherlich spielend aufnehmen, da sie nicht versuchen, so penetrant aufdringlich zu sein.

„Champ“ soll, laut Aussage von Drummer Alsop, der Unbeschwertheit freien Lauf lassen: „I think we've always wanted to make a summer record, something more breezy – the tracks on this record gave us an opportunity to explore that a little more.“ Sänger Dave Monks spricht im Zusammenhang mit dem neuen Album sogar von einem „Disney character“. Na, wenn das mal keine klare Aussage im Sinne von lebensbejahender Musik ist. Die elf neuen Songs entstanden auch nicht, so wie das letzte Album „A Lesson In Crime“ im eher milden Klima Kanadas, sondern unter Los Angeles brennender Sonne, damit der gewünschte Vibe auch authentisch rüberkommt. So eröffnet „Favourite Food” mit eben jenen Keyboard-Sounds, die stark an die eingangs erwähnten Phoenix erinnern und anschließend verwebt die Band dies mit hell strahlenden Gitarren, ohne dabei die Cleverness von besagten Mitstreitern zu erreichen.

Und im Prinzip bleibt der Tokyo Police Club diese Linie die 35 Minuten gänzlich treu, variieren dabei jedoch Tempo und Dynamik, sodass „Champ“ jedenfalls durchgängig Spaß macht. So erfreut sich „Favourite Food“ an einer gezielt aufgebauten, sich im letzten Songdrittel entladenen Freuden-Explosion aus locker-leichten Gitarren und neckisch-nölendem Gesang. „Hands Reversed“ hingegen fühlt sich hörbar wohl in seinem gemütlichen Tempo und bleibt am Boden. „Breakneck Speed“ schafft ein besonderes Zusammenspiel von sirenenden Keyboards, trocken knatterndem Bass und legerem Gitarrenspiel. „Champ“ schafft es so, für etwas über eine halbe Stunde wunderbar zu unterhalten, aber es fehlt der besonders hell strahlende Funke, wodurch dem Album auch noch viel Luft nach oben bleibt.

Anspieltipps:

  • Favourite Food
  • Breakneck Speed
  • Hands Reversed
  • Frankenstein

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Niente
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