Soundtrack - Inception - Cover
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Soundtrack Inception


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn wieder einmal eine amerikanische Großstadt dem Erdboden gleich gemacht wird, Außerirdische über unseren Planeten stampfen oder zwei, von Grund auf verschiedene Charaktere inmitten einer testosterongesteuerten Filmsequenz ihren ersten Kuss zelebrieren, liegt es zu einem großen Prozentsatz an der subtilen Wirkung von Musik, ob uns dieser Moment bzw. das Geschehen auf der Leinwand berührt, fesselt oder gänzlich kalt lässt. Wenn allerdings wie in Christopher Nolans Independent-Story mit Blockbuster-Budget „Inception“ ganze Häuserblöcke wie ein dreidimensionales Scherenschnitt-Modell zusammengefaltet werden, Verfolgungsjagden keine Grenzen aufweisen und überhaupt alles passieren kann, was man sich erträumen kann, dann ist es nicht einfach damit getan auf altbekannte Soundtrack-Muster zurückzugreifen und die Streicher seufzen zu lassen, wenn die Dramatik ihren Höhepunkt erreicht, sondern dann ist feinsinnige Maßarbeit gefragt, die beliebig einsetzbar ist, aber nie austauschbar wirkt.

Mit dieser ehrenvollen wie auch trickreichen Aufgabe wurde der 52jährige Routinier Hans Zimmer betraut, der, mal abgesehen von seinem Oscar-Gewinn für „Der König der Löwen“, schon verschiedenste Filmprojekte mit seiner innovativen Mischung (klassisches Orchester mit elektronischen Elementen) verzieren durfte („Fluch der Karibik“, „Sherlock Holmes“, „Gladiator“, „The last samurai“, „Der schmale Grat“) und nach den gemeinsam mit James Newton Howard verfassten, düsteren Tönen für „Batman begins“ und „The dark night“, die ebenfalls von Nolan inszeniert wurden, ohnehin der heißeste Anwärter auf diesen Posten gewesen sein dürfte. Da aber gerade ein undurchsichtiger Thriller wie „Inception“ etwas ganz Besonderes abverlangt, verwundert es nicht, dass Zimmer die Musik greifbar, plastisch, etwas unruhig und stets bedrohlich konzipiert hat, wohl aber, dass die verwendeten Mittel ein wenig zu oft einfach ungehalten aus den Lautsprechern dröhnen und den Hörer regelrecht erschlagen.

Dabei lässt der geborene Frankfurter den Soundtrack packend beginnen, streift im Eröffnungstitel „Half remembered dream“ eine wehmütige Pianomelodie, die von aufbegehrenden Blechbläsern übermannt wird, spannt den Bogen weiter zu „We built our own world“, das von einer oszillierenden Bassschleife und sanften Streicher- und Bläsersätzen profitiert, während der nahtlose Übergang zu „Dream is collapsing“ die Daumenschrauben anzieht und nach anfänglich ruhig platzierten Gitarrenakkorden an Fahrt aufnimmt und einer Wall Of Sound gleich ins Rollen kommt. „Radical notion“ schaltet anschließend ein paar Gänge zurück, bedient sich bei ruhigen Synthesizerklängen und paart diese mit rastlosen Saiteninstrumenten um kurz vor Ende des Tracks wütenden Bläsern die Oberhand zu gewähren, die das gesamte Spektakel und den wild gewordenen Charakter des Soundtracks beenden, da „Old souls“ 7 ½ Minuten lang wie in Trance eine ermüdende Endlosschleife aus Synthies, Soundeffekten und wabernden Klangflächen praktiziert.

Das kryptisch betitelte „528491“ bewegt sich dafür zwischen Spannungsaufbau und kathartischer Entladung, wenn es nach ca. 2 Minuten in einem, an die Tripods aus „Krieg der Welten“ erinnernden Schlachtruf Gänsehaut über den gesamten Körper regnen lässt. Hektisch geht es dann im perkussiven „Mombasa“ zur Sache, dem es aufgrund seines Gemüts am nötigen Feingefühl mangelt, bis „One simple idea“ und „Dream within a dream“ einen offenen Schlagabtausch zwischen wuchtigen Blechbläsern und dezenter Vorgehensweise führen, der zwar bombastischer Natur ist, aber durch eine schwermütige Ader besticht. „Waiting for a train“ greift als längstes Stück mit 9 ½ Minuten die Motive von „Old souls“ und „Dream within a dream” erneut auf und mischt sie, lässt den Subwoofer grummeln und die Inszenierung zwischen aufgekratzt und besinnlich wechseln, kann aber gerade im Schlussdrittel mit einer überladenen Flucht nach vorne, die die Musik mit Blechbläsern und Pauken im Gepäck als alles vernichtender Bulldozer aus den Boxen knallt, nicht völlig überzeugen.

Als Entschädigung liefert Zimmer den ruhigen Gegenpol „Paradox“ und die bereits in „Half remembered dream“ angeschnittene, sehnsuchtsvolle Pianomelodie, die in „Time“ in Kollaboration mit Synthesizerelementen, sowie Bläser- und Streicherorchestration für einen grandiosen Abschluss sorgt, aber zugleich aufzeigt, was aus dem Soundtrack zu „Inception“ an eindringlichen Momenten herauszuholen gewesen wäre. Von einer vergebenen Chance zu reden wäre sicherlich vermessen, jedoch ist die Filmmusik zu Nolans neuester Errungenschaft kein musikalisches Kleinod geworden, das man sich vielleicht erhofft hätte, sondern viel mehr ein brodelnder Lavafluss, der jeden Moment auszubrechen droht und keine Skrupel hat gelegentlich über die Ufer zu treten.

Anspieltipps:

  • Time
  • 528491
  • Dream Within A Dream

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