M.I.A. - Maya - Cover
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M.I.A. Maya


  • Label: XL Recordings/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Künstlerin M.I.A. – mit bürgerlichem Namen Mathangi „Maya“ Arulpragasam – ist momentan in aller Munde. Das liegt nicht nur an dem Aufsehen erregendem Video zum Song „Born Free“, welches mit exzessiven Gewaltdarstellungen arbeitet, sondern auch an der Auseinandersetzung mit der „New York Times“, welche nach einem Bericht über ihre Person zugeben musste, fahrlässig zitiert zu haben und an dem insgesamt sehr prvokanten Auftreten von M.I.A., in Interviews zum Beispiel. Dabei ist sie doch eine der wenigen im Popbusiness, die mit ihrer Musik auch eine Message an das Publikum tragen will, wie man eben zum Beispiel auch an Romain Gavras Video zu „Born Free“ erkennen kann. Traurigerweise rückt durch das Interesse an ihrer Person ihr eigentliches Anliegen – nämlich die Musik – ein wenig in den Hintergrund. Es ist dennoch offenkundig, dass das dritte Album von M.I.A. in den USA weit weniger euphorisch wahrgenommen wurde als noch „Kala“ im Jahr 2007. Warum sie dabei z.B. In diversen Foren immer öfter mit der einen, medial alles überragenden, Künstlerin unserer Zeit verglichen wird, ist dabei vollkommen schleierhaft. Denn weder musikalisch noch inhaltlich hat „Maya“ viel mit der Musik von Lady Gaga gemein.

Auf ihren ersten beiden Alben verband M.I.A. auf kongeniale Weise traditionelle Klänge ihrer Heimat und anderen weltmusikalischen Elementen mit modernem Pop, Elektro und R'n'B zu einem rhythmischen Splitterbombe, welche in Ohren der Hörenden tiefe Löcher hinterließ. Von „Arular“ (2005) zu „Kala“ konnte sich die Künstlerin, deren Wurzeln in Sri Lanka liegen, noch steigern, indem sie sich von einer weitaus experimentelleren Seite zeigte und verschiedenste Klänge übereinander stapelte, sodass ein ungeahnt vielfältiges Album entstand. Genau dieses Aushängeschild der Weltoffenheit M.I.A.s rückt nun bedauerlicherweise etwas in den Hintergrund.

Natürlich werden auch auf „Maya“ wieder verschiedenste Sounds in zwölf Liedern zusammengezimmert, die einem nach dem ersten Hören erst einmal gestresst und verwirrt zurücklassen. Das muss man schließlich erstmal ordnen, wenn auf ohrenbetäubendes Kettensägenkreischen („Steppin Up“) und Reggaerhythmik („It Takes a Muscle“) aufgekratzte Electrobeats folgen („Born Free“), die einem in ihrer technoiden Radikalität auch schon mal den Atem rauben können („Meds and Feds“). Stilistische und klangliche Vielfalt ist also auch auf „Maya“ ein Kriterium, an das man sich erstmal gewöhnen muss, nur bleiben die Lieder durch die Bank in ihrem – insbesondere im Vergleich mit dem viel komplexeren „Kala“ – recht simplen Elektrogewand und liebäugeln hin und wieder auch schon mal mit gewöhnlichem R'n'B, wie bei dem melodiösem „XXXO“ oder dem mit hervorstechenden, elektrisch verfremdeten Chören unterlegtem „Tell Me Why“.

„Maya“ ist wie ein wildes, aggressives Raubtier, welches in alle Richtungen beisst und kratzt. Leider versucht M.I.A. manchmal etwas zu sehr, über Lautstärke ihre Ansichten in die Ohren der Hörenden zu hämmern, anstatt sich etwas mehr Gedanken über Songstruktur und -aufbau zu machen. Interessanterweise sind es dann gerade die ruhigeren Stücke wie das viel diskutierte „Lovalot”, in dem sie aus der Sicht einer Selbstmordattentäterin erzählt, oder „Space”, die das Niveau von Songs wie dem qietschigem „Teqkilla” oder „Born Free” nicht halten können. Insbesondere bei letztgenanntem Song machen sich jedoch kleine Produktionsärgernisse bemerkbar, wenn M.I.A.s Stimme stark knisternd aus den Boxen donnert. Mit ihrem dritten Album kann die englische Künstlerin somit das Niveau von „Kala” nicht halten, veröffentlicht aber ein gutes Album, welches für viele HörerInnen vielleicht einfach „zu viel“ sein dürfte.

Anspieltipps:

  • Teqkilla
  • Born Free
  • Meds and Feds
  • Tell Me Why

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