36 Crazyfists - Collisions And Castaways - Cover
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36 Crazyfists Collisions And Castaways


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Emo ist ein Auslaufmodell des letzten Jahrzehnts und Pseudogejammer alles andere als ansprechend? Dann treffen 36 Crazyfists mit ihrer neuen Scheibe „Collisions and castaways“ genau ins Schwarze. Vorbei die Zeiten der elegischen Wundenleckerei, der emotionalen Berg- und Talfahrten und des ausufernden Stimmenvibratos. „The tide and its takers” (05/2008) hat es vorgemacht: Die Kids von heute wünschen einen erwachseneren Zugang, in progressive Bausteine getunkte Schreipassagen, heftiges Gitarrengeschrammel und eine dunkle Stimmung, die nicht einmal auf ihrem Höhepunkt das Licht am Ende des Tunnels erblickt. Der Beweis? Platz 155 in den amerikanischen Billboard Charts (wohl gemerkt der erste Charteinstieg eines 36CF-Albums überhaupt) und ein reumütiges Angebot von Roadrunner, Brock Lindow (Gesang), Steve Holt (Gitarre) Brett Makowski (Bass, stieg 2008 für Mick Whitney ein, der mehr Zeit mit seiner Familie verbringen wollte) und Thomas Noonan (Schlagzeug) wieder für Europa unter Vertrag zu nehmen, nachdem die Alaska-Truppe nach der Veröffentlichung von „Rest inside the flames“ (06/2006) zu Ferret Music gewechselt war.

„Being back with our Roadrunner Records Family is very special to everyone in the 36 Crazyfists camp” verkündet die Band stolz und trägt zu Beginn von „In the midnights” musikalisch in herbstliche Farben getaucht ihren alten Stil zu Grabe und schwingt sich zu einer wahrhaft unglaublichen Metalcore-Breitseite auf. Unglaublich vor allem deswegen, weil man diese konsequente Entwicklung nicht für möglich gehalten hätte. Es dominieren Killswitch Engage-Harmonien, As I Lay Dying-Gekeife und verspielte Trivium-Gitarren und im Kern ist es doch klar erkennbar 36 Crazyfists, was da aus den Boxen gedroschen wird. Nur eben viel, viel härter und aggressiver als früher. Zweifler, die eine Kehrtwende zur früheren Melancholie nach dem Opener vorhersehen wollen, werden genauso zerschmettert wie der kurz angedeutete Ruhepol im hinteren Drittel von „Whitewater“. Atmosphärisch anklagender Emocore ist Schnee von gestern, der derzeit nicht eindeutig besetzte Thron des Metalcore wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in Angriff genommen.

Zwar legen sich Lindow & Co. noch einige größere Steine in den Weg und beharren etwas zu sehr auf tempogetriebene Kapazunder wie „Mercy and grace“ oder „Trenches“, aber alles in allem haben die vier Herrschaften ihren Härtegrad schon sehr gut unter Kontrolle, was nicht nur im rhythmusbetonten „Death renames the light“ angenehm zu Buche schlägt, sondern auch in der 1A Metalcore-Keule „Anchors“ mit 12 Tribes-Sänger Adam Jackson, der schon auf dem Vorgänger bei „Clear the coast“ ins Mikro husten durfte, gewaltige Wellen schlägt. „Collisions and castaways“ als einen Nachfolger zu „The tide and its takers“ zu sehen wäre deswegen nicht richtig. Der Longplayer von 2008 wusste nicht so recht, wo er denn eigentlich hin will und jene Unschlüssigkeit machte sich sowohl in den Kompositionen als auch in einem schlussendlich bestenfalls durchschnittlichen Album bemerkbar. Der neueste Wurf der Alaska-Boys macht hingegen fast alles richtig. Kompromisslosigkeit wird groß geschrieben, es gibt Anknüpfungspunkte an die erste Zeit bei Roadrunner („Caving in spirals“, „Waterhaul II“) und der harte Umgangston („The deserter“) passt bestens in eine Zeit, die von Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Gehaltskürzungen bestimmt ist. Welcome back, 36 Crazyfists!

Anspieltipps:

  • Anchors
  • Whitewater
  • Caving In Spirals
  • Death Renames The Light

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