Sheryl Crow - 100 Miles From Memphis - Cover
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Sheryl Crow 100 Miles From Memphis


  • Label: A&M/Universal
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zum nebenbei oder im Auto hören taugt „100 Miles From Memphis“ absolut nicht.

Fast 20 Jahre mussten ins Land gehen, ehe Sheryl Crow sich dazu durchringen konnte, ihre musikalischen Wurzeln auf einem Album wieder zu entdecken. Auch deshalb hat Sheryl Crow ihr siebtes Studiowerk nicht ohne Grund „100 Miles From Memphis“ genannt. Denn der Sängerin und Songschreiberin geht es nicht bloß um irgendeinen gut klingenden Ortsnamen im Titel, sondern um die Vermittlung von musikalischer Heimat und Erziehung. Schließlich ist die 48-Jährige besagte 100 Meilen entfernt von Memphis, in der Kleinstadt Kennett aufgewachsen, wo sie schon als Kind mit eben jenem Memphis-Soul-Sound infiziert wurde, den sie jetzt auf ihre Art und Weise in elf neuen Songs (darunter drei Coverversionen) umgesetzt hat.

Rund 30 Millionen Tonträger hat Sheryl Crow seit ihrem Debütalbum aus dem Jahr 1993 verkauft und darauf zwischen Folk-, Pop-, Rock- und Songwriter-Musik changiert. Nun darf es also Soul sein und man muss Sheryl Crow schon nach den ersten Klängen attestieren, dass sie den speziellen Memphis-Sound mit satten Bläsern, vielschichtigen Rhythmen und Chorgesang authentisch eingefangen und in ihr Songwriting integriert hat. Schließlich hätte sich die 48-Jährige auch voll und ganz auf Coverversionen stützen und sich das Leben damit leichter machen können. So geht sie künstlerisch ein größeres Risiko ein, was die Sache auf jeden Fall spannender macht, zumal reine Coveralben vom Publikum in der Regel eh nur als müder Zeitvertreib durchgewunken werden.

Zusammen mit den Produzenten Doyle Bramhall II (Derek Trucks Band, Eric Clapton, Susan Tedeschi) und Justin Stanley (Nikka Costa, Jamie Lidell, Beck) begibt sich Sheryl Crow auf die Spuren von Soulgrößen wie Al Green, Sly And The Family Stone und Stevie Wonder. Dabei bekommt sie kollegiale Hilfe von Rolling Stone Keith Richards als Background Sänger und Gitarrist in „Eye to eye“, Singer/Songwriter Citizen Cope tritt als Duettpartner in „Sideways“, dem wohl besten Songs des Albums, in Erscheinung und Pop-Beau Justin Timberlake peppt den Gesang der 1987er Terence-Trent-D’arby-Nummer „Sign your name“ auf.

Die Grundgerüste der Songs wurden größtenteils live im Studio eingespielt und später um die Texte sowie Bläser- und Streicher-Arrangements etc. ergänzt. Auf diese Weise gingen die Aufnahmen ungewohnt schnell und entspannt von der Hand, was man dem Album durchaus anhören kann. Trotzdem mag der Soul-Sound von Sheryl Crow auf den einen oder anderen Stammhörer der US-Amerikanerin ungewohnt und befremdend wirken. Das ist aber auch nur eine Frage der Gewohnheit. Zum nebenbei oder im Auto hören taugt „100 Miles From Memphis“ nämlich absolut nicht. Bei dieser Platte kommt auf die kleinen Details an, die sich in den Arrangements verstecken. Und um diese herauszufiltern, muss sich der Hörer auf die Musik konzentrieren und auf die Memphis-Soul-Stimmung einlassen.

Anspieltipps:

  • Sideways
  • Summer day
  • Peaceful feeling
  • Long road home
  • Our love is fading

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