Teenagersintokyo - Sacrifice - Cover
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Teenagersintokyo Sacrifice


  • Label: Ada Globa/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht aus Tokyo (was bei dem Bandnamen auch zu einfach wäre), nicht aus London (was beim stark von Wave infiziertem Indie-Pop des Quintetts zu offensichtlich erscheint), sondern aus Sydney kommt das von Samantha Lims Vocals geprägte Gespann. In der australischen Heimat erschien die Debüt-EP von Teenagersintokyo bereits 2005, während sie ihn Europa seit 2008 zu haben ist. Nun also der erste Langspieler „Sacrifice“: Ein Album, dass es sich vorerst im Wave-Pop mit starker Nähe zu wohlbekannten 80´er-Referenzen gemütlich macht, um im Laufe der Dreiviertelstunde auch Punk a la Siouxie & The Banshees ins Spiel zu bringen. Von Bat For Lashes-Produzent David Kosten in Form gebracht, auf Tour mit den nicht unähnlichen CSS und The Gossip erprobt, ist „Sacrifice“ reif sowie auf der Höhe der Zeit, wenn man sich beispielsweise den Erfolg von The XX anschaut. Denen haben Teenagersintokyo zumindest das erfrischendere Songwriting voraus.

Ob ein ähnlicher Erfolg hervorgerufen werden kann, ist fraglich, doch bei derzeitiger Lage inklusive Lobpreisungen im NME scheint alles möglich. Bei „3046“ wird noch vorzüglich in trüben Gedanken geschwelgt, wobei die melancholisch schwebenden Synthesizer samt E-Drums und hintergründig verzerrter Gitarre dafür sorgen, dass wir bereits jetzt den Soundtrack für herbstliche Wochen parat haben. Selbst wenn der Beat prägnanter wird, wie im Refrain, steht doch ganz klar die verdunkelte Träumerei im Vordergrund. Ein Unterfangen, das auch dank der zart gehauchten Stimme wunderbar funktioniert. Angriffslustiger, nicht nur von der Tonlage Samantha Lims, ertönt „Robocat“ in Club-Manier. Anhand perlender Bassläufe, gradliniger Beats und schonmal schräger ansetzenden Vocals eine mitreißende Gelegenheit, tanzend der Wehmut zu entfliehen. Doch besser können es Teenagersintokyo schleichend wie in „3046“ oder mit mehr Gitarrenwucht, wie im stimmig zwischen Synthesizer und dreckiger, organischer Instrumentierung ausbalancierten „Talk To The Fire”.

Man muss definitiv festhalten, dass bei nahezu jedem Song unweigerlich Acts wie Joy Division, New Order, Yazoo, The Cure und ähnlich gelagerte Formationen in die Erinnerung treten, wo besonders hart gesottene Fans dieser Klassiker keinen Spaß verstehen. Der tritt beim offenen Musikhörer durchaus ein, wenn das Album extrem kurzweilig zu schöngeistiger Schwelgerei einlädt und zum Beispiel “Long Walk Home” unglaublich bittersüß in sehnsuchtsvollem Synthie-Pop badet, so dass schließlich im Reigen der Keyboard-Fanfaren das Herz vollends aufgeht. Für den einen zu viel Pathos und 80 ´er-Bezug, für den anderen ein stilsicherer Ohrwurm nach dem anderen.

Anspieltipps:

  • 3046
  • Talk To The Fire
  • Long Walk Home
  • Peter Pan

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