Arcade Fire - The Suburbs - Cover
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Arcade Fire The Suburbs


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Arcade Fire zeigen mit „The Suburbs“ gerade im Bereich der Stimmungen der Songs Entwicklungen und eine luftigere und musikalisch unbeschwertere Variation ihres Schaffens.

Für ihr drittes Album hat sich das kanadische Septett ein loses Konzept erdacht: Arcade Fires drittes Album soll auf den Kindheitserfahrungen der beiden Brüder und Bandmitglieder Win und William Butler in den Vororten von Houston, Texas fußen. Anlass soll ein Bild gewesen sein, welches Win von einem alten Freund zugeschickt bekommen hatte und selbigen samt jetziger Tochter vor einer Mall zeigte, in dessen Nähe auch Win aufgewachsen war. Andere Bandmitglieder hatten indes ihre Heimat in Kanada besucht und mussten erkennen, dass von den Orten ihrer Kindheit nicht viel übrig geblieben war. Von den aufgeweckten Erinnerungen beflügelt und inspiriert schrieb die Band das Titelstück des Albums. Die darauf entstandenen Songs handeln von Themen wie Verlust und Neuanfang, alten und neuen Generationen, Verantwortung und Reife. Den teilweise untypischen, aufgelockerten und rockigen Kompositionen auf „The Suburbs“ stehen häufig bittere Texte entgegen, wenn Win Butler beispielsweise „Took a drive into the sprawl / To find the places we used to play / It was the loneliest day of my life.“ singt („Sprawl I (Flatland)“).

Der Auftakt ist mit dem schunkelndem Classic Rock des Titeltracks gelungen, hier und in den nächsten Liedern zeigen sich Arcade Fire von einer ungewohnt rustikalen und nüchternen Seite, doch mit dem sich dynamisch erhebendem „Rococo“, dessen etwas verdrehter Refrain ungläubig blicken lässt, heben Arcade Fire zum echten Höhenflug ab, welcher schließlich zunächst im schwelgendem Song „Half Light II (No Celebration)“ gipfeln soll, dessen New Wave-Pop überraschend elektronische Elemente mit einbezieht. Lieder wie „Empty Room“ oder „Month Of May“ fallen überraschend rockig-mitreissend aus, „City With No Children“ eingängig und hymnisch. Dabei kommen ansonsten alle Arcade Fire-typischen Instrumente vor, die diesmal jedoch (größtenteils) andere Stimmungen als früher erzeugen, den bedrückenden Pomp von „Neon Bible“ und die ekstatische Hingabe von „Funeral“ geschickt außer Acht lassen. Mit „Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)“, welches von Régine Chassagne gesungen wird, erhebt sich gegen Ende noch einmal ein großes Highlight vom Format eines „Rebellion (Lies)“. Da gerade die sorgsam ausgearbeiteten Momente eines „Ocean Of Noise“ („Neon Bible“, 2007) ausgelassen werden, funktioniert “The Suburbs” als großes, langes Gesamtwerk und nicht wie „Neon Bible” oder „Funeral” (2004) über die sich einzeln hervorhenden Songs.

Arcade Fire zeigen mit „The Suburbs“ gerade im Bereich der Stimmungen der Songs Entwicklungen und eine luftigere und musikalisch unbeschwertere Variation ihres Schaffens. Ohne unnachvollziehbare Evolutionssprünge zu machen, bleiben Arcade Fire eine der interessantesten Bands ihre Art. Auf der anderen Seite fühlt man sich natürlich von dieser Fülle an Liedern und Klängen im ersten Moment etwas erschlagen. Doch der Teufel liegt im Detail und belohnt werden die, die sich Zeit nehmen für „The Suburbs“, dem Album die Chance geben sich zu entfalten und ihre Ohren immer wieder in den Genuss der etwas ungewohnten Arcade Fire-Klänge kommen lassen. Denn diese machen „The Suburbs“ doch zu etwas Eingenständigem jenseits des bisherigen Outputs.

Anspieltipps:

  • The Suburbs
  • Rococo
  • City With No Children
  • Half Light II (No Celebration)
  • Month Of May
  • Suburban War
  • The Suburbs (Continued)

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