The Coral - Butterfly House - Cover
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The Coral Butterfly House


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

The Coral haben es geschafft: Altherrenmusikmagazine befinden ihre Musik endlich für genialisch. Die Indie-Band die 2002 hoch gehandelt in die Szene eingestiegen und stetig vom Prominenzkuchen weniger und weniger abbekam, bis zum heutigen Status einer vergessenen Band von Zweitrang, hat sich das aber auch stoisch verdient.

Waren die ersten, sagen wir, drei Alben Indie-Rock mit regelmäßig liebesverzweifeltem Verve, der auch und dankens- wie erfrischenswerterweise oft beim Blues vorbeischaute, und daher The Coral eine Indie-Band mit viel Seele und viel schönem Schmerz, ist seit „Roots & Echoes“ endgültig alles auf Antiquiertheit gebürstet. Aus der Indie-Disko mit erhobenen Folk-Fahnen herausmarschiert; so könnte man die Entwicklung zusammenfassen. Eigentlich beste Vorraussetzungen für Kritikerlobelei, doch ist The Corals Klang seit einigen Jahren derart auf 1967er Liverpooler Schlaghosenzeit getrimmt, dass die Reaktionen ziemlich eindeutig zweigleisig verlaufen. Das alte Ohr frohlockt ob der Beatles-Attitüde, das junge gähnt und schläft gelangweilt ein. Nicht dass beatlesquer Sound per se langweilig wäre, The Coral nur, die von 6 auf 5 Mitglieder im Vorfeld von „Butterfly House“ schrumpften, geben dem alten Acker einfach kein neues Futter. „Butterfly House“ ist pure Antiquiertheit und eine Verweigerung vor der Moderne, die aber nichts Neues, besser: Belebendes, zu bieten hat. Geradezu grotesk bieder und belanglos präsentiert sich die erste Hälfte des Albums, zaghaft, schüchtern und absolut nichts riskierend, „Sandhills“, „Two Faces“ oder „Rowing Jewel“ sind kleine Verbrechen an der Gegenwart, die selbstverständlich eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verlangt, aber eben keine müde und akribische Kopie. Hört auf im Gestern zu leben, ihr habt mal sehr gute Songs geschrieben und zwar nicht die, die in der Indie-Disko liefen, möchte man ihnen zurufen. Aber ach, sie hören nicht mehr, stehen sie doch jetzt einer minoritären Fraktion zugewandt, die Angst vor Hip Hop hat, mp3’s hasst, Strickpullover auf Konzerten trägt und beim Klatschen aufpasst, dass es nicht hallt in den Ohren.

Dem 60’s-Pop von „Butterfly House“ wohnt kein Zauber inne (Vergleichsmaterial könnten hier zum Beispiel Caribous frühere Alben sein). Gegenteilige Einschätzungen, behaupte ich, verschanzen sich in einer Idee aus purer Romantik. Und wo Romantik und Nostalgie bisweilen hingeführt haben, hat der ein oder andere Philosoph schon deutlich genug aufgezeigt. Unsere Gegenwart mag vielleicht nicht schön sein, aber es ist die einzige, die wir haben. Also reingeguckt in den Spiegel!

Da The Coral aber selbstredend gestandene Musiker sind, die früher erkleckliche Songs zustande brachten, wagt die zweite Hälfte ihres sechsten Studioalbums songstrukturelle Eigenständigkeit, die am Ende zaghaft versöhnlich stimmt. Ohne „She’s Coming Around“, „1000 Years“ und „North Parade“ wäre „Butterfly House“ ein veritabler Schock. So ist es bloß eine dicke Enttäuschung.

Anspieltipps:

  • She’s Coming Around
  • 1000 Years
  • North Parade

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