Paul Gilbert - Fuzz Universe - Cover
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Paul Gilbert Fuzz Universe


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Paul Gilbert ist trotz seiner Erfolge mit Mr. Big, der seit 1999 bereits zweiten Lebzeit von und mit Racer X und vor allem seiner sehr regelmäßigen Solo-Outputs, die starken Gitarrenrock propagieren, ein immer noch nicht so angesehener Gitarrist wie Joe Satriani, Steve Vai, Yngwie Malmsteen oder auch John Petrucci. Mit den ersten beiden war er 2007 auf G3-Tour, was sicherlich seinen Bekanntheitsgrad gesteigert hat. Er ist ganz klar ein Songschreiber und kein reiner Shredder-Gitarrist, der seine Hörer allein durch wilde Skalen, Arpeggien und sonstige Fingerkunststückchen bei Laune hält oder auch quält. Die technischen Fähigkeiten beherrscht er allemal und diese brauchen auch ab und zu ein Ventil.

Die Musik scheint aus dem US-Amerikaner nur so heraus zu sprudeln aber trotzdem ist es erst sein drittes rein instrumentales Werk. Anders betrachtet ist es aber das dritte innerhalb der letzten fünf Jahre. Was mit „Get Out Of My Yard“ (2006) angefangen hat, wurde mit „Silence Followed By A Deafening Roar“ (2008) und nun mit „Fuzz Universe“ fortgeführt. Die zunächst nicht rein instrumentalen Alben mögen darin begründet liegen, dass Paul kein schlechter Sänger ist und vor allem sehr witzige, teils alberne, Texte verfassen kann. Außerdem brauchen Lieder ohne Gesang ein wenig mehr Aufmerksamkeit, sprich mehr Noten, um zu funktionieren. Die Gitarre muss quasi den Gesangspart übernehmen und daran scheint Herr Gilbert in den letzten Jahren Spaß gefunden zu haben.

Auf „Fuzz Universe“ bleibt uns sein Humor verwehrt. Wer diesen nachholen möchte greife zum pop-rockigen „Alligator Farm“ oder hardrockigen „Burning Organ“. Dafür bekommen wir das Universum der verzerrten Gitarre geboten, für die jede Generation einen anderen Begriff verwendet, wie der Gitarrist selbst bemerkt. Der eine nennt es Distortion oder Overdrive, Paul hingegen kennt es als Fuzz. Seine persönliche Gitarrenwelt beinhaltet viele Inspirationen und Facetten welche sich in einigen Liedern deutlich manifestieren. Im Titelsong scheint der Stil von Yngwie Malmsteen durch, in einigen ist Joe Satrianis Sound zu vernehmen und „Will My Screen Door Stop Neptune“ ist ein eindeutiger Fingerzeig in Richtung Eddie Van Halen. Eine etwas ältere Quelle der Inspiration ist Johann Sebastian Bach, der gerne von Gitarristen dieses Kalibers zitiert wird. Die eigentlich unnötigen Vergleiche sollen nur zeigen über welch breites Können Paul Gilbert disponiert.

Der 43-jährige verleiht jedem Song etwas markantes, ob einprägsame Melodien, charakteristisch rotzige Riffs oder plötzliche Themenwechsel. Auffallend ist die Lockerheit, mit der er unterschiedliche Ideen miteinander vereint. Dabei basiert die Musik nie allein auf seiner Leadgitarre, vielmehr ist es ein Wechselspiel zwischen rhythmischen Powerakkorden und melodischen Soloeinlagen. Mit dieser Methodik der Vielseitigkeit stellt er möglichst viele Aspekte dieses Fuzz Universums dar und für ein rein instrumentales Album lässt es sich hervorragend an einem Stück durchhören. Zwei Fliegen mit einer Klappe, auch wenn die Frische nach hinten hin ein wenig flöten geht.

Anspieltipps:

  • Will My Screen Door Stop Neptune
  • Olympic
  • Blue Orpheus
  • Mantra The Lawn

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