Disturbed - Asylum - Cover
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Disturbed Asylum


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

David Draiman, du verdammter Mistkerl! Die Leistungskurve von Disturbed kann noch so sehr in Schieflage geraten, irgendwie schaffst du es immer wieder Dan Donegan (Gitarre), John Moyer (Bass) und Mike Wengren (Schlagzeug) auf die richtige Art und Weise zu motivieren um weiterhin relevant für die heutige Metalszene zu bleiben und das obwohl du nicht der Gründer der Truppe bist und seit fünf Jahren künstlerischer Stillstand zum konsequenten Aushängeschild der Gestörten gehört. Aber seien wir mal ehrlich: Ohne Draiman wären Disturbed mittlerweile eine Band unter vielen. Der altbekannte Aufbau, das Tribal Drumming, die knackigen Riffs und die kritischen Texte wären nichts wenn nicht besagter Glatzkopf mit seinem einzigartigen Organ das Mikrophon bedienen und die andauernde Statusverwaltung wie einen umgefallenen Schubkarren aus dem Dreck ziehen würde.

Dieses Mal ist jedoch alles anders. Mit „Asylum“ wollen Disturbed aus dem starren Korsett ihrer eigenen Schöpfung ausbrechen, Neuland betreten und die Kritiker, die jahrelang behauptet haben, die Amis seien ein typisches Auslaufmodell, für das sich in zehn Jahren niemand mehr interessiert, Lügen strafen. Ach was, alles Quatsch! Draiman & Co. haben eine eingeschworene Fangemeinde, die großflächige Experimente verabscheut und stattdessen in unregelmäßigen Abständen vom typischen Bandsound vorzüglich die Fresse poliert bekommen möchte und für diese Dienstleistung Disturbed seit „Believe“ (09/2002) mit der Pole Position in den amerikanischen Charts belohnt. Nein, eine musikalische Offenbarung ist „Asylum“ ganz sicher nicht, obwohl der Vierer alles daran setzt den Hörer an der Nase herum zu führen, denn schon das eröffnende Instrumental „Remnants“ ist als solches eine episch angelegte und durch und durch willkommene Abwechslung zum restlichen Einheitsbrei, den die Herrschaften sonst als 0815-Trademark Opener angeboten haben.

Das einsetzende, wohlige Kribbeln in der Nackengegend kann der Titeltrack zudem gewinnbringend umsetzen, denn Disturbed ziehen eine pure Heavy Metal-Nummer aus dem Ärmel, die weit mehr ist als ein herzliches „Hallo“ nach zwei Jahren Sendepause. „The infection“, „Warrior“ und „Never again“ krachen anschließend mit ungebrochenem Fan Service aus den Boxen, wenn es darum geht das abgetragene Klangkleid abzustauben und in eine neue Dekade zu hieven, während die erste Singleauskoppelung „Another way to die“ lediglich durch ihren wuchtigen Beginn Bonuspunkte einheimsen kann und ansonsten die Identitätskrise des Chicagoer Acts einläuten darf, da „The animal“, „Crucified“ und „Serpentine“ trotz düsterem Inhalt und dunkler Atmosphäre auf der Stelle treten und der Vorhersehbarkeit frönen.

Gewagter wird es dann schon in „My child“, welches ohne wirklich erkennbaren Refrain die Lautsprecher bevölkert, was die Nummer neben dem grantigen und mit jedem weiteren Durchgang wachsenden „Sacrifice“ zu dem hervorstechendsten Track in der zweiten Hälfte von „Asylum“ macht. Zum Abschluss legen Disturbed, bevor eine halbgare Coverversion des U2-Klassikers „I still haven´t found what I´m looking for“ zum Besten gegeben wird, noch eine flotte Sohle aufs Parkett und wollen mit „Innocence“ einen ähnlich genialen Headbanger wie „Sons of plunder“ generieren, scheitern aber schlicht und ergreifend daran, dass sich kein Song von „Asylum“ in diesem starren Wachstum mit der grenzgenialen Fusion aus Härte und Melodie messen kann, die die Amis auf „Ten thousand fists“ perfektioniert hatten. Der fünfte Output der Chicagoer ist damit keineswegs eine vollkommene Enttäuschung, sondern viel mehr ein präzise auf die Anhängerschaft zugeschnittener Longplayer, der für jeden Disturbed-Fan auf der Welt eine authentische Angelegenheit verspricht. Nicht mehr und nicht weniger.

Anspieltipps:

  • Asylum
  • Warrior
  • My Child
  • Remnants
  • Never Again

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