Asian Kung-Fu Generation - Magic Disk - Cover
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Asian Kung-Fu Generation Magic Disk


  • Label: Gan Shin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Keine zwei Jahre sind seit dem letzten Album der Asian Kung-Fu Generation ins Land gezogen. „Surf Bungaku Kamakura“ war eine Rückkehr zu dreckigen Gitarren, die weniger poliert als as neongrelle „World World World“ war. Die Tracks wirkten im Gegensatz zu den sonst so peppigen Arrangements jedoch eher unausgetüftelt, wenn auch immer noch voller Herzblut. Gerade als man dachte, dass diese Band sich doch noch Schwächen erlaubt und in einfachem Geplärre versinkt kam die Vorab-Single zum neuen Album. „Shinseiki No Love Song“ („Liebeslied Des Neuen Jahrhunderts“) überrascht mit avantgardistischer Ader, die sich in Sprechgesang, stark verzerrten Gitarrenspuren und unangepasstem Rhythmus ausdrückt und eine Klangebene erschafft, die man von einer sonst so massenkompatiblen Band gar nicht gewohnt ist.

Es sei vorweg gesagt, dass „Shinseiki No Love Song“ eine Ausnahme bleibt und schließlich auch versöhnlich wie eine Stadionhymne ändert. Nichtsdestotrotz trifft das Lied gleichzeitig den Ton des Albums, denn die Japaner um Gotoh Masafumi haben sich Einiges vorgenommen. Dem wieder sehr farbenfrohen Cover nacheifernd, versuchen die vier J-Rocker ein abwechslungsreiches Potpourri zu garnieren, sodass kein Track dem nächsten gleicht. Angesichts dieser Erwartungen ist man vielleicht erst einmal vom Titeltrack enttäuscht, der eine echte J-Rock-Granate darstellt, jedoch ohne sich vom sonstigen Markt großartig abzuheben. Ob dieser Track eine Sicherheit für die Band darstellt oder ob diese Art von Song einfach vertreten sein soll, muss der Hörer für sich entscheiden. Auch mit „Soushiyou“ („Dikotylen“) scheint die versprochene Achterbahn noch nicht zu beginnen. Erinnerte „Magic Disk“ an den wohldurchdachten Rock von „World World World“, ist der anschließende Song wie eine Verbeugung vor „Surf Bungaku Kamakura“.

Alles schön und gut, aber man wünscht sich natürlich Entwicklung und Experimente, die AKG bisher immer einschleusen konnte und was sie so sympathisch machte, auch wenn ihr Weg nur selten aus Japan heraus hierher führte. Kenner wissen ihre Frische zu schätzen, aber nach sieben Jahren muss die Band zeigen, dass sie noch frische Ideen in Petto hat und wenn man schon denkt, dass auch „Sayonara Lost Generation“ nur eine typische ruhige Nummer der Gruppe ist, schlägt einem der zweite Teil des Tracks entgegen. Ein Zwischenteil, der dem Geist der Red Hot Chili Peppers in Nichts nachsteht und aus der erst einfachen Ballade ein Gesamtbild zaubert, das aufhorchen lässt. Als wären durch diesen so einfach scheinenden Griff alle Hemmungen abgelegt, fangen AKG nun an, die fernöstliche Sonne auch in unsere Wohnungen scheinen zu lassen. „Maigo Inu No Ame To Beat“ („Ein Streunender Welpe Und Die Schlagzahl Des Regens“) zeigt die Rocker das erste Mal in Verbindung mit einer Brass-Band, die nicht einfach nur Samples gespielt hat, sondern gerade in der so wichtigen Bridge für die nötige Klasse sorgt.

Dann übertreffen sich die Japaner selbst, indem sie zwei Balladen aus dem Hut ziehen, nachdem solche Lieder bei ihnen sonst vergebens gesucht wurden. „Aozora No Kuroi Neko“ („Der Blaue Himmel Und Eine Schwarze Katze“) überragt mit hervorragender Melodie, betörendem Gesang und einem Marsch als Auftakt, wogegen „Kaku Seibutsu No Blues“ („Fantasiegestalten-Blues“) das erste Mal die Hilfe von Streichern anfordert und sich auch eines Flügels nicht erwehrt. Klingt kitschig und in mancher Hinsicht mag das auch stimmen, doch wieder spielen Gotoh und seine Mitstreiter ihre große Stärke aus, dass die Melodie einfach so passt, wie die Faust auf das Auge.

Nicht allein die Liebe darf auftrumpfen, sondern auch das auf den ersten Hörer kindische „Last Dance Wa Knashimi Wo Nosete“ („Der Letzte Tanz Erträgt Die Trauer“) ist ein echter Hinhörer. Percussion, Schlagzeug und Konga sorgen dafür, dass der Drummer sich austoben darf und ein echter Höhepunkt der positiven Energie gebündelt und auf den Hörer abgeschossen werden kann. Viel entspannter, doch nicht minder optimistisch kommt „Rising Sun“ daher, das auf E-Gitarren beinahe durchgehend verzichtet und abermals zeigt, wie gekonnt Gotoh mit seinen Gesangsrhythmen die Tracks der Band steuert. Wer hier nicht mitwippt und die Sonne spürt, der hat die Sprachbarriere wohl immer noch nicht überwunden.

Auf diesem Album zeigen sich im Gegensatz zu „Fan Club“ und „World World World“ mehr Angriffspunkte, wie das retrobetuchte „Microphone“ (das dann aber doch so einen wunderschönen Refrain bereithält) und auch das schlichte „Yes“, die mehr Mittelmaß sind und bis auf wenige Details vom vielfältigen Rest abfallen. Wenn schon im typischen Klanggewand, dann besser wie in „Daidai“ („Bitteres Orange“) dem eigentlichen Ende des Albums. Man kann von niemandem erwarten, dass er sich extra mit den Texten der Band auseinandersetzt, aber was hier an Emotionen beschrieben und geboten wird ist eine wahre Wohltat zum üblichen „I Love You“-Geunke, das niemand mehr ernst nehmen kann. Der Bonustrack „Solanin“ bietet dann noch eine frische Rockhymne ohne große Kanten, die sich in ihrem Drive jedoch nahezu nahtlos einfügt und zum Wiederhören einlädt.

Anspieltipps:

  • Aozora No Kuroi Neko
  • Shinseiki No Love Song
  • Last Dance Wa Kanashimi Wo Nosete

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