Grasscut - 1 Inch / ½ Mile - Cover
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Grasscut 1 Inch / ½ Mile


  • Label: Ninja Tune/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Grasscut-Mastermind Andrew Phillips ist ein Soundtüftler der besonderen Art, wie nicht nur der kaum zu verordnende Sound wischen „gewöhnlichen“ Instrumenten, abstrakten Samples und Elektronik auf dem Debütalbum „1 Inch / 1/2 Mile“ klar macht. Die Liebe zum Detail drückt sich auch aus, wenn er mit dem Mobiltelefon Geräusche aus dem Hier und Jetzt mitschneidet, uralte Vinyl-Platten nach möglichen Soundquellen durchforstet oder wenn er Vögel beim Umkreisen eines Telefonmastes beobachtet, um schließlich die beiden Pole Natur/Technologie als zentrales Element des Longplayers auszumachen. Zusammen mit Marcus O´Dair, beide Multiinstrumentalisten, bildet Phillips das Duo Grasscut, wobei einige Gastmusiker am Debüt mitgewirkt haben.

So startet das Album mit „High Down“ schon überaus vielversprechend, indem psychedelische Keyboard-Klänge, Streicher, Piano und umhüllende Percussions zusammentreffen. In Verbindung mit Phillips´ die mannigfaltigen Soundlandschaften kommentierenden Vocals ergibt das eine Atmosphäre, die sehr dicht genau wie leichtfüßig im Pop beheimatet ihre Stärken zum Ausdruck bringt. Kraut-Rock meets Ambient/Electronica und noch dazu jede Menge Samples, die dem Ganzen einen sonderbaren Unterton geben. „Old Machines“ geht direkter zu Werke, ohne nicht auch verspielte Umwege gern in Kauf zu nehmen. Stockender Electro-Pop mit sehnsüchtigem Gesang und ausholenden Instrumental-Exkursen, die schon furios zu nennen sind, aber nicht zuletzt vom sphärischen Synthesizer auf den Boden zurück gebracht werden.

Lange will man da im Falle von Grasscut jedoch ohnehin nicht verweilen, lädt das Duo doch nachdrücklich zum Träumen und Abschweifen ein. Glockenspiel, Violine, schräge bis höchst harmonische Sounds aus dem Synthesizer und die prägende Rhythmus-Sektion üben eine Anziehungskraft aus, die von der perfekt umgesetzten Mischung aus organisch Historischem und moderner Sample-Technik in ein schimmerndes Licht gehievt werden, ohne zu blenden oder sich mit kopflastigem Schwermut zu belasten. Hier fließen die Pole aus Natur und Technologie zusammen, ganz wie es Andrew Phillips erdacht hat. Selbst Tanzbares wie das vergnügt holprige „Muppet“, welches in einer Noise-Orgie und als Pendant dazu mit einem Kirchenchor schließt, fallen nicht aus dem Rahmen einer erstaunlich kompletten Platte, die nicht nur für ein Debüt ihre Stärken erfrischend bündelt.

Anspieltipps:

  • Old Machines
  • Muppet
  • 1946
  • The Door In The Wall
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