Erdmöbel - Krokus - Cover
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Erdmöbel Krokus


  • Label: Content Records/EDEL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem 2007er Coveralbum „No. 1 Hits“ melden sich Erdmöbel nun wieder mit eigenem Material zurück. Auf dreizehn Stücken zelebrieren die Mannen um Markus Berges hier ihre Pop-Nische mit Wiedererkennungswert. Die Gitarre tritt stärker als je zuvor in den Hintergrund und überlässt dabei den Tasten einen guten Teil des Feldes. Doch nicht nur der Auftritt von Klavier, Orgel und Akkordeon zeichnet die Erdmöbel-Mannschaft einmal mehr als Multiinstrumentalisten aus. Es ist vor allem auch das Erdmöbel-typische vielseitige Aufgebot diverser Blasinstrumente. Von Posaune, über Flügelhorn, Tenorhorn, Waldhorn und Querflöte ist hier alles vertreten. Dabei zeigen sich die Bläsersätze zwar unaufdringlich, aber doch omnipräsent. Doch keine Angst. Auch Schlagzeug und Bass haben immer noch ihren Platz. Das alles ist nach wie vor Popmusik, aber eben im Erdmöbel-Stil, der sich in einer melancholischen Grundstimmung gerne auch mal durch die Musikgeschichte zitiert. Elektronische Ausflüge, die man aus früheren Veröffentlichungen durchaus kannte, sucht man vergeblich, was zu einem klareren Sound führt und durchaus ein Gewinn ist.

Doch Erdmöbel wären nicht Erdmöbel, wenn es hier „nur“ um die Musik gehen würde. Kommt man bei deutschsprachiger Musik zwangsläufig nicht daran vorbei, den Texten eine größere Beachtung zu schenken, so gilt das bei dem bunten Strauß an Sprachspielen und Wortwitz auf „Krokus“ erst recht. So begegnen einem unter anderem „evangelische Kakteen“ im Opener „77ste Liebe“, „feine Schweineleberwurst im goldenen Darm“, im Titel Nr. 3 („Fremdes“) und im weiteren Verlauf des Albums noch viele weitere Vokabeln und Zeilen, die einen unweigerlich aufhorchen lassen. Ist das nun große Kunst, oder führt Berges den Hörer grinsend an der Nase herum? Lohnt sich die Suche nach Sinn und Botschaft der Texte überhaupt, oder soll man sich den Versen einfach hingeben und genießen?

Wie auch immer die Antwort lautet: Erdmöbel erzeugen mehr Aufmerksamkeit mit ihren Texten, als ein dutzend anderer Bands zusammen. Das macht Spaß und das soll ihnen erst mal jemand nachmachen. Andere Musiker beißen sich daran regelrecht die Zähne aus und scheitern mit einer gewollten Textlastigkeit. Hier wirkt das alles angenehm aus dem Ärmel geschüttelt und doch äußerst clever. Wenn die Texte aber so viel Beachtung einfordern, dann droht die Musik gelegentlich unterzugehen. Und so kommt es dann auch. Man erwischt sich dabei, dass eher Textzeilen als Melodiebögen hängen bleiben. Möglicherweise wissen die Herren das ganz genau und verabschieden sich gerade deshalb mit dem schönen Instrumental „September Nowak“, das von einer reizenden kleinen Gitarrenmelodie getragen wird und abschließend noch mal daran erinnert, dass hier auch Musik sprechen soll.

„Krokus“ ist ein homogenes Werk und funktioniert als Album. Das ist Vor- und Nachteil zugleich. Ein echtes Zugpferd oder gar einen kleinen Hit sucht man vergeblich. Stattdessen handelt es sich hier um einen potenziellen „Grower“, der mit der Zeit immer weiter ans Herz wächst.

Anspieltipps:

  • 77ste Liebe
  • Erster erster
  • September Nowak

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