Weltrekorder - Weltrekorder - Cover
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Weltrekorder Weltrekorder


  • Label: Handmade Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit 2007 ist die Kölner Band Weltrekorder auf der Landkarte des deutschsprachigen Indie-Pop eingetragen. Im vergangenen Jahr wurde sie in das Förderprogramm der „Initiative Musik“ der Bundesregierung aufgenommen und jetzt steht das selbstbetitelte Debütalbum in den Läden. Das klingt nach generalstabsmäßiger Planung von Bandleader Ingo Ruttke, der sich um den Gesang, die Tasteninstrumente und die Gitarre kümmert, zudem alle Songs und Texte schreibt und sich auch für die komplette Studioproduktion allein verantwortlich zeichnet. Ein echter Hans Dampf in allen Gassen, dieser Herr Ruttke. Trotzdem dürfen in seiner Band noch Jan Becker (Bass), Thomas Hesse (Gitarre) und Theo Weber (Drums) mitmachen. Das beruhigt.

Es ist zwar nicht so, dass der Kölner Karneval – wie z.B. bei Brings – auf die Musik und die Texte von Weltrekorder abgefärbt hat, allerdings lebt der locker-flockige Indie-Pop des Quartetts sehr von Ruttkes Lyrik aus der Wortwitz-Abteilung. Und das nicht immer gut. Denn durch seine abenteuerlichen Stilblüten, Wortkonstrukte sowie vermeintlich hintersinnigen Alltagsbeobachtungen vermittelt er dem Hörer das Gefühl, dass hier jemand auf besonders intellektuelle Weise den Spaßvogel geben will – nachzuhören in Songs wie „Die beginnende Vergangenheit“, „Sie will ein Kind“ oder „Küchenkosmos“. Dabei ist das Gehörte weder richtig witzig noch großartig intelligent.

Es ist wirklich eine Krux mit Weltrekorder: Immer wenn es musikalisch stimmt, wie z.B. in „Wiedersehen“, kommt lyrisch nur heiße Luft heraus und wenn umgekehrt der inhaltliche Ansatz vielversprechend ist, zieht die Musik keinen Hering vom Teller („Der Fernwehturm“). So kann man ganz sicher auf keinen grünen Zweig kommen, wobei es tatsächlich noch schlimmer geht, wie das musikalisch/textliche Katastrophendoppel „1939“ zeigt, über das bewusst der Mantel des Schweigens ausgebreitet werden muss. Lediglich das düstere „Mein Trieb“ fällt atmosphärisch aus dem Rahmen und klingt ein wenig nach den Doors („The End“) und einem ernstzunehmenden Versuch, deutschen Indie-Pop zu machen, der dem Publikum nicht die Spaßpistole auf die Brust setzt.

Anspieltipps:

  • Mein Trieb
  • Wiedersehen
  • Der Fernwehturm
  • Hintergrundrauschen

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