Marc Cohn - Listening Booth: 1970 - Cover
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Marc Cohn Listening Booth: 1970


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es dürfte weder falsch noch unfair sein, den amerikanischen Singer/Songwriter Marc Cohn (51) als klassisches One-Hit-Wonder zu bezeichnen. Cohn schuf 1991 den zeitlosen Welthit „Walking in Memphis“, kassierte einen Grammy – und dann war es aus mit der Herrlichkeit. In der allgemeinen Wahrnehmung spielte der Amerikaner nie wieder eine große Rolle und vergleichbare Erfolge wie „Walking in Memphis“ konnte Cohn nicht einmal ansatzweise wiederholen. Studioalben erschienen nur noch in ganz unregelmäßigen Abständen und wäre da nicht dieses erschreckende Ereignis aus dem Jahr 2005 gewesen, als Marc Cohen von einem Kriminellen angeschossen und am Kopf getroffen wurde (was er wie durch ein Wunder ohne nennenswerte Verletzungen überlebt hat) – der Songwriter wäre vermutlich komplett in Vergessenheit geraten.

Vermutlich hat Marc Cohn allein durch die Verkäufe seines Debütalbums und besagter Hitsingle so viel Geld verdient, dass er seine beruflichen bzw. künstlerischen Prioritäten ganz klar seiner Familie untergeordnet hat. Trotzdem ist der 51-Jährige in all den Jahren musikalisch nicht gänzlich inaktiv gewesen und ist zumindest in den USA von Zeit zu Zeit auf Tournee gegangen. Und mit „Listening Booth: 1970“ gibt es nach drei Jahren Pause auch mal wieder ein neues Studioalbum, für das sich Marc Cohn ein besonderes Konzept überlegt hat.

„Listening Booth: 1970“ ist ein Hommage an die Lieblingssongs des 51-Jährigen aus dem Jahr 1970. Warum es ausgerechnet dieses Jahr sein musste, erfährt der Hörer aus dem Album-Booklet, in dem der in New York lebende Musiker seine Beweggründe für die vorliegende Songsammlung darlegt. Diese wurde produziert von John Leventhal (u.a. Joan Osborne, Johnny Cash, Shawn Colvin), der auch das kommende Album von Michelle Branch betreute, das seit Monaten im Giftschrank der Plattenfirma liegt.

Zusammen mit Gastmusikern wie India.Arie, Aimee Mann und Jim Lauderdale hat sich Marc Cohn Songs u.a. von Creedence Clearwater Revival, Van Morrison, Paul Simon, Cat Stevens und den Beatles vorgeknöpft – und damit weder namenlose Songwriter noch unbekannte Songs ausgesucht, wobei sich Marc Cohn bei weitem nicht an alle seine Favoriten herangetraut hat. Es gibt eben genügend Originale, an denen man weder etwas verbessern noch sonst wie herumdoktern sollte.

Marc Cohns Umsetzung der 12 Coverversionen geschieht auf äußerst bedächtige und gediegene Art und Weise. Er überführt die Songs in gefühlvoll-soulige Gewänder, die mit einer auf das Wesentliche beschränkten Instrumentierung und geschmackvollen Arrangements für angenehme Stimmung sorgen, womit dieses Konzeptalbum nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch einen festen Plan verfolgt. Okay, wenn man ehrlich ist, bringt uns auch dieser Longplayer mit Coverversionen nicht wirklich weiter, da die Songs den meisten Hörern hinlänglich bekannt sein sollten und Cohns Versionen musikalisch zwar ausgereift, aber unspektakulär rüberkommen. Damit ist „Listening Booth: 1970“ natürlich noch lange kein schwaches Werk – Gott bewahre! – aber auch keines, weshalb man aufgeregt in den Plattenladen rennen muss.

Anspieltipps:

  • No matter what
  • Into the mystic
  • Maybe I’m amazed
  • Long as I can the light
  • The only living boy in New York

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