Flight Of The Conchords - I Told You I Was Freaky - Cover
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Flight Of The Conchords I Told You I Was Freaky


  • Label: Sub Pop/CARGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Flight Of The Conchords beschreiben ihren Stil als „guitar-based digi-bongo a cappella-rap-funk-comedy folk”. Das hört sich zunächst albern an und ist natürlich mehr als augenzwinkernd gemeint, doch treffender kann man die Musik des neuseeländischen Duos letztlich gar nicht beschreiben. Mit „I Told You I Was Freaky“ liegt nun das zweite reguläre Album vor.

Bekannt geworden sind Jemaine Clement und Bret McKenzie durch die gleichnamige US-Serie „Flight Of The Conchords“ in denen Sie sich selbst als sympathisch-naive, leider jedoch völlig erfolglose Zwei-Mann-Combo mimen, wie sie versuchen in New York mit ihrer Musik Fuß zu fassen. Die Realität sieht zum Glück anders aus. So zeugen bereits diverse internationale Preise vom verdienten Erfolg. Unter anderem ein Grammy für die 2007er EP „The Distant Future“.

Wie schon das Vorgängeralbum, so ist auch „I Told You I Was Freaky“ zunächst der Soundtrack zur Serie. Beim Hören spielen sich unweigerlich die herrlich absurden Situationen vors geistige Auge, die die beiden Musiker in ihrer Serie durchzustehen haben. Wenngleich der Hörgenuss bei Kenntnis der leider in Deutschland nicht ausgestrahlten Serie sicherlich maximiert wird, so wäre es falsch zu behaupten, die Musik der Flight Of The Conchords funktioniert nicht für sich allein. Denn was die beiden Kiwis zu bieten haben, macht musikalisch und textlich einfach jede Menge Spaß. Völlig ungeniert wird sich an sämtlichen Schubladen der Pop- und Rockmusik bedient, ohne dabei niveaulos oder gar lächerlich zu werden. Man merkt den beiden an, dass sie nicht einfach nur Comedy machen, sondern dass sie tatsächlich Spaß an Musik haben. So wird mit dem großartigen Opener „Hurt Feelings“ ein Thema – eben „verletzte Gefühle“ – in einer Weise mit HipHop-Beats verarbeitet, wie es so sicher keinem Rapper gelingen würde.

Da wird der Finger gleich in die Wunde der ach so harten und männlichen Rapperwelt gelegt. Köstlich! Mit „Sugalumps“ meint man dann Justin Timberlake zu begegnen. Die Reise geht weiter über fiese 80er-Synthies (Fashion Is Danger), Lebensweisheiten im Reggae-Stil (You Don’t Have To Be A Prostitute) oder technolastige Nummern wie „Too Many Dicks“. Zwischendurch klingen dann hier und auch mal eher folkige Stücke an. Die Flight Of The Conchords schlagen den Fächer der Musikzitate mal wieder sehr weit auf. Das war auf dem selbstbetitelten Vorgängeralbum bereits so, doch dieses mal wird es auf die Spitze getrieben. Das macht zwar Spaß, wird hier jedoch auch zu einem leichten Nachteil. Denn soweit man das bei „guitar-based digi-bongo a cappella-rap-funk-comedy folk” sagen kann, war das Vorgängeralbum zumindest etwas homogener und hat es auch noch geschafft einem doch an mehreren Stellen sprichwörtlich die Lachtränen in die Augen zu treiben und gleichzeitig rhythmisches Kopfnicken zu verursachen.

Nun reicht es „nur“ noch dazu, ein Dauergrinsen zu hinterlassern, aber das muss man über Albumlänge erst mal schaffen. Wer offen ist für nahezu dreistes, aber stets gekonntes Zitieren von Musikgeschichte, der wird hier dennoch seine Freude haben. Bleibt zu hoffen, dass ein hoffentlich irgendwann erscheinendes weiteres Album den Fächer zumindest wieder ein wenig einklappt und dass die Serie auch hierzulande anläuft. Denn bisher gab es Auftritte der Band nur in Ländern, die auch die Serie ausstrahlen. Und die Konzerte der Flight Of The Conchords sollen großartig sein. Dann dürften auch bei den Nummern von „I Told You I Was Freaky“ Lachtränen und Kopfnicken garantiert sein.

Anspieltipps:

  • Hurt Feelings
  • We’re Both In Love With A Sexy Lady
  • You Don’t have To Be A Prostitute
  • Carol Brown

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