Oceansize - Self Preserved While The Bodies Float Up - Cover
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Oceansize Self Preserved While The Bodies Float Up


  • Label: Superball/SPV
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Jede Platte von Oceansize spricht eine andere Zielgruppe an. Sagen wir lieber Interessengruppe, denn die Manchesteraner machen ganz bestimmt keine Musik für jemand bestimmten. Nicht umsonst nennen sie ihren Stil Progressive Death Indie. Zwar streuen sie immer wieder einige Scherze (und die Journalisten fallen auch noch oft genug darauf rein), aber in jener Stilbezeichnung steckt viel wahres. So ist die Musik auf den Hauptnenner Independent zu bringen, beinhaltet viele deutlich härtere Passagen (Death), verliert nie an Anspruch und ist ständig im Wandel (Progressive). Ist die neue Musik also wie erwartet unerwartet? Nicht ganz, denn das vierte Album von Oceansize klingt zwar wieder anders als seine Vorgänger, aber ist nicht so weit weg gedriftet wie üblich.

Verrückterweise täuscht uns „Self Preserved While The Bodies Float Up” zunächst ein falsches Gesicht vor. Mit den ersten drei Tracks schlagen Oceansize richtig hohe Wellen, ruppiger und härter als je zuvor. „Build Us A Rocket Then...“ zündet besonders gut. Hört ihr eigentlich in „Part Cardiac“ diesen Tinnitus-Sound, der von Ohr zu Ohr wandert? Die Überzeugung von der neuen Härte möchte gerade zur Gewissheit werden, da wechseln sie plötzlich in ruhigere Gewässer und Powerschübe sind nur noch sehr sporadisch im Programm vertreten. Es dominiert ein langsameres Tempo, die Taktarten sind komplex wie immer. Von wegen die „Home & Minor“ EP war nur ein Ausflug in die ruhigere Rockmusik, sie war eine Vorbereitung der Hörer auf das neue Oceansize. Das Problem ist nur, die leisen Stücke auf „Home & Minor“ waren liebevoll mit Details versetzt, hier sucht man diese Feinheiten vergebens, bis auf „Pine“.

Das letzte Album „Frames“ war voll mit aus dem Post-Rock Bereich bekannten Steigerungen der Spannung, die Songs dadurch sehr lang und sich langsam entwickelnd. Bei den neuen Songs ist es umgekehrt, sie sind deutlich kürzer, aber auch ärmer an markanten, wieder erkennbaren Momenten. Für die Progressive-Interessierten dürften die beiden langen Stücke ansprechend sein, nicht der Länge wegen, sie verkörpern als einzige Vertreter Entwicklung und Veränderung. „Silent/Transparent“ bietet ein Klimax orientiertes Musizieren, braucht aber zu Lange bis sich etwas regt und der Höhepunkt tritt übrigens nicht ein. „Oscar Acceptance Speech“ hingegen ist das emotionalste Lied und gibt wundervoll die Bandbreite der Stimmungen wieder die ein Schauspieler durchlebt, wenn er zum Podium schreitet, seinen Oscar abholt und seine Rede hält, froh und doch zu Tränen gerührt. Die ergriffene Seele wird dabei im letzten Teil von Piano und Streichern verkörpert.

Der hier angelegte Maßstab bezieht sich natürlich auf die Oceansize Alben, meckern auf hohem Niveau sozusagen, auch wenn die Musik deutlich mehr bietet als die vieler anderer Bands, so muss doch festgehalten werden, dass dieser Output noch verkopfter und sperriger ist als der Vorgänger. Wer geduldig war, wurde nach mehreren Durchläufen von „Frames“ mit subtilen Melodien und viel Post-Rock-Attitüde belohnt. Auf dem neuesten Werk tritt dieser Effekt leider nicht ein und da beginnt der entscheidende Zwiespalt: Ist der Zweck verfehlt, weil vieles am Hörer unbemerkt vorbeizieht, Kunst nur der Kunst wegen oder ist es lobenswert dank dieser Eigenständigkeit und Komplexität, auch wenn man es nicht geschafft hat das Werk zu verstehen? Das ist wie mit abstrakter Kunst, für die einen nur Gekritzel, für andere hingegen faszinierende Werke mit viel Interpretationsspielraum.

Anspieltipps:

  • Build Us A Rocket Then...
  • Oscar Acceptance Speech
  • Pine

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