B-ebene - Rückwärts Weltrekord - Cover
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B-ebene Rückwärts Weltrekord


  • Label: Zeitklub/Planet Roc
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der alljährliche Kampf um den Sommerhit ist bereits im vollen Gange, das Duo b-ebene lässt sich davon allerdings kaum beeindrucken. „Auf ihrem Debütalbum „Rückwärts Weltrekord“ nehmen sich Christian Bader und Boris Pillmann komplexe Bossa Nova-Harmonien vor und lassen sie unaufdringlich und poppig los plätschern“ weiß der Pressetext zu berichten und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Das weniger elektronische Äquivalent zu „Melancholisch schön“ (06/2005) der Berliner 2raumwohnung setzt auf direkten Kontakt mit den Sonnenstrahlen und transportiert diese mit lateinamerikanisch angehauchten Tanzschritten in das aufgeheizte Wohnzimmer.

Vorrangig wird dabei dem Bossa Nova Respekt gezollt, es finden sich aber auch Stücke, in denen der Tango regiert („Noch eine“), Cha Cha Cha den Takt angibt („Kaputt“) oder minimalistisch ausgekleidete Kompositionen ihre wohlig-warmen Fühler ausstrecken („Halbe Madame“, „Der König“, „Rückwärts Weltrekord“). Inhaltlich gehen b-ebene in ihren Songs um die Liebe, das Leben und was sie sonst noch beschäftigt äußerst authentisch vor, was sich einerseits in gelungenen, wenn auch bisweilen recht schwermütigen Momentaufnahmen widerspiegelt („Rüber zu dir“, „Rückwärts Weltrekord“), auf der anderen Seite jedoch eine explizite Haltung annimmt, die wie z.B. in „Wie geil ist das denn“ („Leg deinen Kopf in meinen Schoß und blas drauf los“) auf dem schmalen Grat zwischen pervers und zweckmäßig wandelt.

Wären diese gelegentlichen „Ausrutscher“ das Mindeste, das es an „Rückwärts Weltrekord“ zum Aussetzen gäbe, die Platte könnte bedenkenlos für jede längere Autofahrt oder einen entspannten Tag am Strand oder Freibad empfohlen werden. Leider würde das einschläfernde Tendenzen zur Folge haben, da der relaxte Charme des Albums überstrapaziert wurde und es neben Pillmanns tiefer Stimme und seinem Schlafzimmer-Vibrato etliche Endlosschleifen in den Songstrukturen gibt, die nur selten eine rettende Idee spendiert bekommen haben. Paradigmatisch hierfür wäre „Spazieren gehen“ zu nennen, das mit seiner einmaligen Sonnenuntergangsstimmung eine herrliche Atmosphäre generiert, allerdings unnötig auf fast sechs Minuten ausgedehnt wurde. Mit dezenten Straffungen wäre „Rückwärts Weltrekord“ ohne Frage ein heißer Tipp für schwüle Sommernächte geworden, in seiner vorliegenden Fassung reicht es immerhin für eine kurze Erfrischung.

Anspieltipps:

  • Noch eine
  • Der König
  • Rüber zu dir
  • Das letzte Lied über die Liebe

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