Mother Tongue - Follow The Trail - Cover
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Mother Tongue Follow The Trail


  • Label: Signs Of Life
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Follow The Trail“ bietet alles, was man an Mother Tongue schätzt.

Die Musikwelt kann manchmal sehr ungerecht sein. Das ist nicht neu, doch im Falle von Mother Tongue besonders wahr und auch besonders bitter. Seit Ihrer Gründung im Jahr 1990 haben die Kalifornier bis dato drei hervorragende Alben und mehrere EPs herausgebracht und mit ihrer ganz eigenen von Blues, Soul und Funk angehauchten Interpretation von Rockmusik brilliert. Ihre Stärke war und ist dabei nicht die Neuerfindung des Gitarrenrocks, wohl aber eine Spielfreude und extreme Leidenschaft, wie sie nur äußerst selten zu finden ist. Einzig der kommerzielle Erfolg wollte sich nie wirklich einstellen. Zwar haben sich Mother Tongue vor allem hierzulande eine treue, aber letztlich doch überschaubare Fanbase erspielt, doch die Frustration, am Monatsende nicht wirklich von der Musik leben zu können und die aufrichtige, aber auch kräftezehrende Leidenschaft mit der sie am Werke sind, haben die Band auch nach dem Split in der Zeit von 1996 bis 2002 immer wieder am seidenen Faden taumeln lassen. Mehrmals meinte man, dass der hochverdiente Erfolg bevor steht, doch jedes Mal hat es aus verschiedensten Gründen nicht geklappt.

Es grenzt an ein kleines Wunder, dass mit dem vierten Album „Follow The Trail“ die Geschichte tatsächlich weiter geht. Denn auch die Entstehung dieses Kleinods war alles andere als unkompliziert. So gab es Stimmen, dass die Veröffentlichung eines Doppelalbums anstehe, dann konnte man vernehmen, dass ein guter Teil der bereits aufgenommen Tracks verworfen wurde und so weiter und so fort. Als Fan konnte man schier verzweifeln und hat regelrecht mit gezittert. Die Widrigkeiten merkt man „Follow The Trail“ durchaus an. Damit ist gar nicht die Qualität der einzelnen Songs gemeint, denn die stimmt überwiegend nach wie vor. Aber im Vergleich zu den Vorgängeralben wirkt „Follow The Trail“ doch spürbar fragmentierter.

Dabei wirkt mit „May Day“ der Start durchaus gelungen. In bewährter Manier gibt sich die Band hier nach einem halbminütigen Spannungsaufbau das volle Brett und Davo Gould (Gesang, Bass) singt als gäbe es kein Morgen. Mit dem bereits von der letzten Tour-EP bekannten „Silhouette“ wird es dann gleich etwas psychedelischer und Gitarrist Christian Leibfried übernimmt das Mikro. Das klingt gut und macht Appetit auf den Rest des Albums. Überhaupt ist es erfreulich, dass sich Davo Gould und die beiden hauptamtlichen Gitarristen Christian Leibfried und Bryan Tulao die Leadvocals bei den elf Stücken des Albums ziemlich gleichberechtigt teilen. Das war in der Vergangenheit zumindest in dem Umfang nicht immer so und ist ein echter Gewinn. Eine Band mit drei guten Sängern. Das kann auch nicht jede Rockkapelle von sich behaupten.

„Follow The Trail“ bietet alles, was man an Mother Tongue schätzt. Da wird gerockt, gejammt und das Wah-Wah Pedal bearbeitet, als würden wir uns in den siebziger Jahren befinden. Doch altbacken wirkt das alles dennoch nicht. Einzig kann man sich dem Eindruck nicht verwehren, dass das Album das Produkt verschiedenster Jam- und Aufnahmesessions ist. Die Band konnte in der Vergangenheit ein deutlich stärkeres Gesamtbild auf ihren Alben kreieren. Leider gibt es auch ein paar Stücke, die zwar in Ordnung gehen, aber nicht unverzichtbar wirken. Zu nennen sind etwa „Ha Ha“, „Monster To Feed“, „Nightbird Sing“. Doch diese kleinen Durststrecken sind zum Ende hin so gut wie vergessen, wenn sich das Album mit dem Leckerbissen „Always Forverer“, inkl. gekonntem Stimmungswechsel nach gut der Hälfte des Songs, dem Ende nähert. Der Ausklang erfolgt dann mit dem schräg-schönen „Wolf“.

Trotz widriger Umstände und einiger weniger nicht allzu starker Songs also immer noch ein gutes Album. Man mag sich gar nicht vorstellen, wozu Mother Tongue fähig wären, wenn die Musikwelt etwas weniger ungerecht wäre und die Band den Erfolg hätte, den sie ohne jeden Zweifel verdient. Doch vielleicht ist es ja das Schicksal der Band, als etwas besserer Geheimtipp in die Geschichte einzugehen und auf Kosten von Schmerzen authentische und extrem leidenschaftliche Musik hervorzubringen. Mal sehen, vielleicht siegt die Gerechtigkeit ja doch noch...

Anspieltipps:

  • May Day
  • Outside Looking In
  • Always Forever
  • Wolf

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