The Divine Comedy - Bang Goes The Knighthood - Cover
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The Divine Comedy Bang Goes The Knighthood


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die treibende, musikalische wie lyrische, Kraft hinter der nordirischen Band The Divine Comedy ist seit über 20 Jahren Neil Hannon, zeitweilig alleiniges Mitglied der Indie-Pop-Institution. Vorerst noch stark von R.E.M. und Ride beeinflusst, formte sich im Laufe der Neunziger Jahre mit den Alben „Liberation“ und „Promenade“ ein ganz eigener Entwurf von britischer Pop-Musik mit ironisch gebrochener theatralischer Note, die nicht zuletzt viel Melancholie atmete. Jahre und großartige Alben vergingen, bis nach dem 2006´er Album „Victory For The Comic Muse“ zumindest für The Divine Comedy Ruhe einkehrte. Neil Hannon ließ es sich aber nicht nehmen, für TV-Serien (u.a. „Dr Who“) seine musikalischen Künste beizusteuern und auf dem Air-Album „Pocket Symphony“ Vocals zu übernehmen. Nun jedoch wieder zurück zu den Wurzeln, in Form des Albums „Bang Goes The Knighthood“ und leichtfüßigem Pop mit orchestraler Note.

Sofort fällt auf, dass die Lockerheit in den Songstrukturen und der unverkrampfte Umgang mit zuckersüßen Pop-Perlen im Vordergrund steht. Neil Hannon hadert nicht mehr mit der Existenz, er dichtet mit Lebensfreude, wenn auch immer noch mit bissigen Details. „Down In The Street Below“ eröffnet feierlich mit zarten Piano- und Akustikgitarren-Beigaben sowie Glockenspiel ein osteuropäisch angehauchtes Stück Musik, welches gekonnt mit Ruhe und Aufbruch spielt. Als Opener wäre jedoch das folgende „The Complete Banker“ schlüssiger gewesen, steht es doch viel mehr für das gesamte Album. Allein die Zeilen „Well that's just me, the complete banker in a black Bentley, Margaret Thatcher riding next to me, oh how I hanker for the good old days, when I was free“ lassen ausreichend schmunzeln, während musikalisch das Piano triumphiert und das Schlagzeug beschwingt die unverkennbare Stimme Hannons ins Licht rückt.

„At The Indie Disco“ verbeugt sich sinnbildlich neben einigen anderen vor Morrissey, New Order, Soft Cell und lässt jeden, der die Liebe zur Stamm-Diskothek mit großen musikalischen wie persönlichen Momenten verbindet, nostalgisch werden. Wie so oft, sind es auch auf „Bang Goes The Knighthood“ die Texte, die fesseln und erst dadurch die manchmal zu leicht und nebensächlich erscheinende Musik einen nachdrücklich anspricht. So erinnern die Streicher bei „Have You Ever Been In Love“ doch stark ans fragwürdige Gefühlskino des Vorabend-Programmes in Serienform und werden fantastisch von Zeilen wie „Have you ever felt the ecstasy of pain, have you ever been in love“ abgefedert, ja vielleicht auch mit dem Gefühlshammer eingemeißelt, aber dafür stehen The Divine Comedy: Für Theatralik, Herzschmerz, Ironie und Arrangements, die auf der Bühne wie daheim manchmal einfach unabdingbar sind.

Anspieltipps:

  • The Complete Banker
  • At The Indie Disco
  • Assume The Perpendicular
  • The Lost Art Of Conversation

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