Esperanza Spalding - Chamber Music Society - Cover
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Esperanza Spalding Chamber Music Society


  • Label: Heads Up/in-akustik
  • Laufzeit: 56 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Am Berklee College Of Music in Boston gibt es eine Professorin, ihr Name ist Esperanza Spalding. Falls euch jetzt das Bild einer alternden Jazzdame vor dem geistigen Auge erscheint, dann liegt ihr gewaltig daneben. Sie ist vielmehr eine hübsche Afroamerikanerin, die mit 20 Jahren zur jüngsten Professorin dieser renommierten Musikschule geworden ist. Eine Hochbegabte am Bass, die bereits mit Jazzgrößen wie Pat Metheny, Stanley Clarke oder Joe Lovano gespielt hat und nun zum dritten Mal unter Beweis stellt, dass sie eigene Kompositionen schreiben kann.

„Chamber Music Society“ ist nicht nur ein Titel, es ist eine zentrale Idee für das Album. Die Kammermusik soll nicht ins Vergessen geraten und vor allem dem Publikum nahe gebracht werden, dass so begeistert auf ihr letztes Album „Esperanza“ reagiert hat, auf dem sie all ihre Stärken ausgespielt hat. Diesmal ist die Jazzmusik viel spezieller, eine Kombination aus Komposition und Improvisation, die im Gegensatz zum Vorgänger ein klassisches Gesicht zeigt. Bestückt mit Streichern, Schlagzeug, Esperanzas Bass und Gesang fordert dieses Kammermusik Ensemble all die Aufmerksamkeit vom Hörer, die es bekommen kann, denn auch nach mehrmaligem Genuss ist die Annäherung mit Schwierigkeiten verbunden.

Leider gibt es an jeder Ecke etwas zu kritisieren, sei es ein zu kurzes und dadurch nicht richtig zur Entfaltung kommendes („Really Very Small“), ein sinnfreies („As A Sprout“) oder ein zu sehr in die Länge gezogenes Musikstück („Knowledge Of Good And Evil“). Außerdem ein unharmonisches Duett in „Apple Blossom“ sowie ein monotones, brasilianisches „Inútil Paisagem“ und das sind nur einige Punkte. Genauso gibt es auch Momente in denen die Zutaten stimmen, in denen das Bassspiel hervorsprudelt („Winter Sun“), die Musik einfach locker ans Ohr dringt („What A Friend“) oder am besten beides („Short And Sweet“). „Winter Sun“ ist übrigens das einzige Stück, das die Brücke zum letzten Album schlägt.

Dem Konzept der Platte angepasst, sprich auf Spontanität, Improvisation und Konversation zwischen den Instrumenten ausgelegt, beruft sich die 25-jährige sehr oft auf die Scat-Gesangstechnik. Die Vokalese, für die sie berühmt ist, kommt kaum zum Einsatz. Überhaupt wird kaum richtig gesungen und um ehrlich zu sein, kann das Scatgedudel auf Dauer ganz schön nerven, besonders wenn es einem nicht gelingen sollte richtig abzuschalten und sich der Musik ganz hinzugeben. Esperanzas Bassspiel hingegen ist faszinierend ausdrucksstark, auch wenn es seltener in den Mittelpunkt rückt, und ihre Art den Scatgesang als Kontrapunkt zum Bassspiel aufzuziehen ist ebenso beeindruckend.

Sicherlich ist „Chamber Music Society“ kein Album für Jedermann und auch nicht für jede Gelegenheit. Die Musik verläuft sich zu oft in ziellosem Geplätscher. Jazz ist, kann und soll auch nicht immer leichte Kost der Marke „Easy Listening“ sein, aber Improvisationen sollten doch mit entsprechenden harmonischen Klängen ausgeglichen werden. Auf Ms. Spaldings drittem Album gelingt das leider nur selten wirklich überzeugend. Das Musizieren in solch einer Gesellschaft macht sicherlich mehr Spaß als solch einer zuzuhören.

Anspieltipps:

  • Short And Sweet
  • Winter Sun
  • What A Friend

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