Lost In Trees - All Alone In An Empty House - Cover
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Lost In Trees All Alone In An Empty House


  • Label: Anti Records/INDIGO
  • Laufzeit: 37 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt sie noch, die Alben, die zum Ohrenreiben anregen. Die Oma und Opa zeigen, dass früher nicht unbedingt alles besser war, Mama und Papa zeigen, dass die Jugend doch nicht weniger ambitioniert ist und ganz besonders der jungen Generation zeigt, dass es verdammt noch mal richtig ist, Mozart und Beethoven als frühe Rockstars zu feiern. „All Alone In Am Empty House“ von Lost In The Trees aus North Carolina ist ein Album, das fesselt, treibt und garantiert keine Chance gegen den vorherrschenden Stadion- und R&B-Klänge der Radiostationen hat. Eine Mischung aus Singer/Songwriter, Folk mit amerikanischen Wurzeln und eben bezaubernder Klassik, die mehr als nur Mittel zum Zweck ist.

Das geht mitten ins Herz, das berührt und ist trotzdem nicht platt oder kitschig, wenn Der Titeltrack den Reigen der instrumentalen Schönheit eröffnet. Ein Schauer läuft unweigerlich über den Rücken, wenn es da heißt „How I Hate Your Soul“. Wieder und wieder beschwörende Streicher, Backgroundgewimmer und kravtvolle Bläser. Klez.E werden anerkennend Beifall nicken, wenn sie dieses Album hören. Zwar ist der Folk unüberhörbar, doch die experimentelle Ader blitzt mehr als nur durch. Es geht zwar auch konventioneller wie im umschmeichelnden „Walk Around The Lake“. Hier wird sich den Wurzeln der Heimat verschrieben und das ohne Qualitätsverlust. Feine Melodien und starker Chorus ergeben einen natürlichen Singer/Songwriter-Mix, der berührt, ohne Taschentücher zu erzwingen.

Gerade diese ruhigen Balladen im uramerikanischen Stil machen leise Hoffnungen, dass vielleicht doch die eine oder andere Nummer dieses Musikers über TV-Serien oder sonstige Werbeträger bekannt wird. Allerdings finden sich auch in den Balladen, namentlich „Song For The Painter“, „We Burn The Leaves“ und „For Leah And Chloe“ genug Elemente, die verstörend, verzerrend und unkonventionell klingen. Dieser Effekt ist allerdings gewollt, denn zu beschwingten Tönen beweisen Lost In The Trees, dass man keine Angst vor Unkaputtbar-Musik der Marke Neutral Milk Hotel haben muss. Hier wird mit letzter und voller Kraft geschrieen – man möchte es nicht mehr singen nennen – und hier und da sind seltsame Klangexperimente eingestreut, sowie eine herrlich raue E-Gitarre. Ob es nun das psychedelische „Fireplace“ oder das verhaltene „Love On My Side“ im Delta-Spirit-Stil ist, dieser unwiderstehliche Indie-Klang durchströmt den Raum und tunkt ihn in warme Holzfarben, die einen gleichzeitig in einer gemütlichen Blockhütte und der weiten Prärie wiegen.

„A Room Where Your Paintings Hang“ zeigt dann wieder deutlich, dass Neutral Milk Hotel als Vorbild gedient haben müssen. So verschroben kann man Gitarren, Streicher und Bläser sonst doch gar nicht zusammenführen. Beinahe möchte man sich in einer sanften Fortsetzung von „Holland, 1945“ meinen. So macht Musik Spaß. Das ist seltene, viel zu oft übersehene Magie, die Musik erzeugen kann. Zwischen all diesen geschliffenen und unbearbeiteten, aber immer wunderschönen Edelsteinen befinden sich noch die zwei „Movement Sketches“. Diese sind eine Darbietung klassisch angehauchter Kammermusik, die so einfühlsam und emotional gespielt und arrangiert ist, dass man staunen möchte. Sie ergänzen das Album und lassen den Interpreten in einem besseren Licht dastehen, als er sich sowieso schon platziert hatte. Diese Stücke machen das Sternchen hinter der ausgezeichneten Note aus. Neben Jazz gibt sich der Folk auch weiterhin als absoluter Geheimtipp. Hier sind zumeist noch Menschen am Werk, die ihre Musik aus Leidenschaft und Liebe spielen und wie sagte nicht unlängst selbst die deutsche Rock Band Madsen? „Lass Die Liebe Regieren“. Da muss doch was dran sein.

Anspieltipps:

  • All Alone In An Empty House
  • Mvt. Sketch II
  • A Room Where Your Paintings Hang
  • We Burn The Leaves

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