Kids In Glass Houses - Dirt - Cover
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Kids In Glass Houses Dirt


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie? Kein BritPop-Indie-Beach-Sound mehr? Nein, definitiv nicht. Kids In Glass Houses sind gereift, wollen nach dem Grammy greifen, inkorporieren mehr elektronische Elemente, Streicher und Blechbläser als Prince in ihr zweites Longplayer-Konstrukt und fallen damit trotzdem nicht erheblich weiter weg vom Stamm ihres Debüts „Smart casual“ (09/2008) als Aled Philips (Gesang), Joel Fisher (Gitarre), Iain Mahany (Gitarre), Andrew Shay (Bass) und Phil Jenkins (Schlagzeug) es wohl gerne gehabt hätten. Stattdessen lassen sie sich für den nächsten American Pie-Soundtrack vormerken und laden alle zu einer heiteren Poolparty mit fetzigen Riffs und Emo-Gejammer ein.

Nein, „Dirt“ ist nicht die Evolution der Kids In Glass Houses und schmutzig ist an der zweiten Platte der Waliser höchstens das „fuck“ in „The best is yet to come“. Philips dürfte zwar Gesangsunterricht genommen haben und geht einem nun nicht mehr komplett auf die Nerven, aber musikalisch wandelt der Fünfer auf vorgefertigten Pfaden abseits von Innovation oder Souveränität, die ihre ähnlich gelagerten Tourkollegen Lostprophets, New Found Glory oder Paramore nie oder zumindest nicht ausschließlich in dieser Oberflächlichkeit begangen haben. Ein bisschen Geschrei von Funeral For A Friend, etwas popigen Punkrock von The Ataris und liebliche, eingängige Melodien von Jimmy Eat World geklaut und fertig ist der bunte Einwegcocktail, der schnell bei einer Seite hinein und genauso schnell bei der anderen wieder hinaushuscht.

Herausragende Kompositionen sind Mangelware und die Skala bewegt sich lediglich zwischen „hörbarer Durchschnitt“ und „spätpubertärer Mist“, sodass man fast glücklich ist, wenn wie in „For better or hearse“ Ska-Trompeten das Geschehen dominieren oder „Matters at all“ das Prinzip des Power Pop/Rock verstanden hat und mit massenhaft Energie aus den Boxen rauscht. Die beiden Gastauftritte von Frankie Sandford der Girlgroup The Saturdays („Undercover lover“) und New Found Glory („Maybe tomorrow“) lassen hingegen eine Trendwende vermissen, mögliches Potential ungenutzt verstreichen und reihen sich in die Liste der gähnend langweiligen Songs auf „Dirt“ ein. Kurz vor Schluss kredenzen Kids In Glass Houses mit „The morning afterlife“ noch den amüsanten Versuch, My Chemical Romance mit High School Musical zu paaren und liefern eine mit Pathos gespickte Powerballade, bei der man sich nur eines wünscht: Wann ist diese Platte endlich zu Ende?

Anspieltipps:

  • Matters At All
  • For Better Or Hearse

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