Taylor Swift - Speak Now - Cover
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Taylor Swift Speak Now


  • Label: Big Machine Records
  • Laufzeit: 67 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Taylor Swift hat es geschafft, den Spagat zwischen ernstzunehmender Sängerin und Songwriterin und einem vermarktungsfreudigen Gesicht hinzubekommen, ohne besondere Zugeständnisse machen zu müssen.

Als Taylor Swift vor fast exakt vier Jahren im Alter von 16 Jahren ihr selbstbetiteltes Debütalbum in den USA veröffentlichte, schlug es ein wie eine Bombe. Ihr frischer Country-Pop, den sie zusammen mit Liz Rose komponierte, ging auf Anhieb ins Ohr ohne aufdringlich zu wirken und hielt perfekt die Wage zwischen den beiden Stilen, was natürlich vor allem in den USA ein Erfolgsgarant ist. Der Lohn waren 3,5 Millionen verkaufte Alben und fünf Top-5-Singles allein in Amerika.

In Deutschland dauerte es dagegen noch 15 Monate, bis man das Album offiziell erwerben konnte. Da sendete der Nachfolger „Fearless“ bereits erste Single-Vorboten in den USA, wo „Fearless“ bis dato mehr als 7,5 Millionen Mal über die Ladentische gewandert ist. In Deutschland war man diesmal allerdings etwas schneller dran, wo „Fearless“ im Mai 2009 erschien und einen Achtungserfolg abgab, während es in Amerika Grammys, American Music und Billboard Awards auf den Teenager einhagelte. Damit hatte Taylor Swift endgültig einen Status als Topstar inne, auch wenn Kanye West dies bei den 2009er MTV Video Music Awards anders sah.

Wie bei Topstars üblich, erscheint ein neues Album weltweit zur gleichen Zeit. Damit wird verhindert, dass sich die Fans die CD im Ausland bestellen, was sich negativ auf die Chartplatzierung auswirken würde. Somit steht Album Nummer drei, „Speak Now“, nicht nur auch bei uns seit Ende Oktober in den Läden – es wird sogar mit einiger Spannung erwartet. Denn wann, wenn nicht jetzt hätte man einen negativen Einfluss der Plattenfirma erwartet, die bekannte Songwriter und Produzenten vorschlägt, um eine noch breitere Zielgruppe anzusprechen? Deshalb lautet die erste kleine Sensation, dass mit Nathan Chapman (Jewel, Point Of Grace, Jimmy Wayne) ein alter Bekannter hinter den Reglern saß und als zweites, dass Fräulein Swift ausnahmslos jeden Song allein geschrieben und komponiert hat. Selbst Liz Rose ist nicht mehr mit an Bord. Der einzige Eingriff des Labels zeigt sich darin, dass einige Songs für den europäischen Markt etwas weniger Country-lastig arrangiert wurden. Aber damit lässt sich leben und doch bitte einmal mit der Leistung der aktuellen weiblichen Popsternchen in Taylor Swifts Alterklasse verglichen werden!

Im Vorfeld hat Taylor Swift verraten, dass ihre neuen Songs sehr persönlich und wie kleine „offene Briefe“ angelegt sind. Das bedeutet, dass wir es auf „Speak Now“ 14 Mal mit ausgemachter Teeanger-Lyrik zu tun haben, doch diese ist weder peinlich noch dumm, sondern einfach nur charmant. Und wer geglaubt hat, dass Ms. Swift ohne Co-Songwriter baden gehen würde, dürfte den Mund bei „Speak Now“ nicht mehr zubekommen. Denn die Amerikanerin legt 14 erstklassige Country-Popsongs vor, die von der Ballade („Dear John“) bis zum rockigen Stampfer („Better than revenge“) keine Schwächen offenbaren. Sie serviert Singalongs zum verlieben („Mean“) und zeigt, wie man moderne Beats in Popsongs unterbekommt, ohne dass es ganz schlimm nach Miley Cyrus klingt („The story of us“). Das alles ist so stimmig und authentisch wie z.B. auf dem ersten Album von Avril Lavigne und sollte genossen werden, bevor sich vielleicht auch bei Taylor Swift andere Ambitionen einschleichen.

Eine Miley Cyrus spielt im Stile einer Schauspielerin den Popstar bei allem was sie tut, kopiert dabei sämtliche Klischees und wendet alle „Gesetze“ des Business an. Zum Glück gibt das Publikum zurzeit die richtige Antwort auf diese Posse. Taylor Swift hat es dagegen bis hierhin geschafft, den Spagat zwischen ernstzunehmender Sängerin und Songwriterin und einem hübschen (vermarktungsfreudigen) Gesicht hinzubekommen, ohne besondere Zugeständnisse machen zu müssen. Dem gebührt Respekt!

Anspieltipps:

  • Mine
  • Mean
  • Haunted
  • Innocent
  • Last kiss
  • Better than revenge

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