Rooney - Eureka - Cover
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Rooney Eureka


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Rooney haben sich mit diesem Werk ganz bestimmt nicht übertroffen.

„When Did Your Heart Go Missing?“ ist das große Ausrufezeichen der Band Rooney gewesen. Spätestens nach Erscheinen dieses Tracks stieß man schneller auf die Band, als auf den Fußballspieler, wenn Suchmaschinen befragt wurden. Was hebt eine Band wie Rooney allerdings von der dichten Masse der aufkeimenden Indie-Rocker ab? Vergleicht man sie mit The Shins, sind sie viel mehr dem Pop zuzuordnen und genau da liegt ihr Geheimnis. Anstatt in einem künstlerisch anspruchsvollen Gefilde mit Ausnahmekünstlern mitzuhalten, begibt man sich in ein konventionelleres Gewässer, in welchem zwar Bands wie Coldplay die dicken Fische sind, der Kuchen allerdings oft groß genug ist, dass jeder mit einigermaßen guten Ideen sein Stück abbekommt. Tokio Hotel und Razorlight (ja, sie werden in einem Atemzug genannt) haben gerade mit ihren letzten Alben bewiesen, wie unwichtig Kreativität und Spielfreude sind. 08/15-Balladen mit Allerweltsmelodien sind der sichere Weg zum Erfolg.

Ist Rooney auch so eine Band? Bisher waren sie es nicht, aber Razorlight galten auch einmal als große Entdeckung, bis ihr Einkommen zu hoch wurde. Aber zurück zu Rooney, die mit ihren eingängigen Ohrwürmern quer durch die Charts jagten. Ihr Stilmix aus Sixties-Rock und frischem Pop und Anleihen in alle Richtungen brachte stets Spaß. Hier war Erfolg gerechtfertigt und basierte nicht auf dem Fakt, dass Robert Schwartzman Schauspieler in der Traumfabrik Hollywood ist. Das Cover kündigt schon an, dass es diesmal sommerlich wird. Tatsächlich lassen Rooney es von ihrem ersten neuen Song an nicht mehr zu, dass der Kopf wippt oder ein Lächeln auf dem Gesicht des Hörers entsteht. „Holdin' On“ versucht zwar noch etwas zu sehr, sich ernst zu nehmen und wie eine Sommerballade zu klingen, aber die warmen Gitarrenakkorde leiten das Sommerfest bereits ein.

Umgesetzt wird der Sonnenschein in Audioformat aber erst mit „I Can't Get Enough“, das mit Tangoklavier und berüchtigtem Ohrwurmrefrain ins Geschehen eingreift. "Only Friend" setzt dann endlich mal verschrobener an. Bedient sich Old-School-Keyboard-Klängen und ausgiebigen Gitarrensoli. Danach kommt mal wieder eine typische Kitsch-Schnulze mit „Into The Blue“, die sich wieder klar an den Sechzigern orientiert. Danach dann noch der obligatorische Radiorocker im „Killers“-Stil („All Or Nothing“), der niemandem wehtut und sich somit selbst für das gefühlte Nachmittagsprogramm der Popmusik vorschlägt. Warum es nicht öfter so abgedrehte Gute-Laune-Rocker wie „The Hunch“ gibt, die sich dank Bläsern im Stile einer Rock-Big-Band vor guter Laune überschlagen, bleibt ein Rätsel. Erst mal geht es im Sinne der Tu-Mir-Nicht-Weh-Musik-Politik weiter. „I Don't Wanna Lose You“ hat zwar einen guten Chorus vorzuweisen und mit der Harmonika entsteht Atmosphäre, doch insgesamt klingt das Country-betuchte Stück zu glatt. Da sieht man mal, dass auch viele gute Ideen nicht immer ein überragendes Ergebnis mit sich bringen. Auch sonst wird sich mit großen Schritten zurückgehalten. Die auf Dauer zu braven Optimisten-Klänge beherrschen das Album und die Angst vor Ecken und Kanten scheint geradezu panisch. Erst das vorletzte Lied „Not In My House“ schafft es wieder anders zu klingen und erinnert an Rockhymnen der alten Schule.

Rooney haben sich ganz bestimmt nicht übertroffen mit diesem Werk. Ob die Erwartungshaltung zu hoch angesetzt war, Schwartzman sich zu sehr auf die Schauspielerei konzentriert oder andere Gründe die Ursache für die Sicherheitsschiene sind, ist ziemlich egal. Tatsache ist einfach, dass viel zu viele Tracks auf diesem elf Lieder starken Album schlichtweg zu schwach sind. Zu nichtssagend bewegen sich die Nummern durch den Raum und überlassen den besseren Nummern (siehe Anspieltipps) kampflos das Parkett. Während die letzten beiden Album noch ein durchgehend interessantes Programm boten, fehlt es hier einfach an Substanz und zu sehr wird sich an die letzten genialen Einfälle festgehalten. Allein der Fakt, dass sie eben diese Lieder noch schreiben können, macht aber Hoffnung auf das Fortbestehen dieser Gruppe.

Anspieltipps:

  • I Can’t Get Enough
  • Only Friend
  • The Hunch
  • Not In My House
  • Don’t Look At Me

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