Santana - Guitar Heaven: The Greatest Guitar Classics Of All Time - Cover
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Santana Guitar Heaven: The Greatest Guitar Classics Of All Time


  • Label: Arista/Sony Music
  • Laufzeit: 64 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Carlos Santana bekommt einfach nicht genug: Der 63-Jährige verpflichtet für seine Alben weiterhin Gesangskolleginnen und -Kollegen im satten Dutzend.

Eigentlich hat sich die Masche, so gut sie auch ist, schon längst totgelaufen, doch Gitarrengott Carlos Santana bekommt einfach nicht genug davon: Der 63-Jährige verpflichtet für seine Alben weiterhin Gesangskolleginnen und -Kollegen im satten Dutzend, die dann seine eigenen, oder wie im vorliegenden Fall, fremde Songs einsingen dürfen. Mit „Supernatural“ (1999) ist das einmal so richtig gut gegangen, danach folgten nur noch laue Aufgüsse.

Aber, wie gesagt, der Altmeister kann es nicht lassen und präsentiert auf seinem aktuellen Werk „Guitar Heaven“ nicht nur Interpretationen der „Greatest Guitar Classics Of All Time“, womit sich der Mexikaner nicht wahllos irgendwelche Songs, sondern mal eben die ganz großen Zirkusnummern der Rockmusik vorgenommen hat, er hat sich auch noch eine unglaubliche Sängerschar eingeladen, die allein beim Studieren der Tracklist für offene Münder sorgt.

Unkaputtbare Klassiker der Marke „Whole lotta love“ (Led Zeppelin), „Riders on the storm“ (The Doors), „Back in black” (AC/DC), „Sunshine of your love” (Cream), „Photograph” (Def Leppard), „Under the bridge” (Red Hot Chili Peppers), „While my guitar gentley weeps” (The Beatles) und „Smoke on the water” (Deep Purple) – womit noch immer nicht alle Titel genannt sind – wurden eingesungen von Chris Cornell (Soundgarden), Scott Weiland (Stone Temple Pilots), Rob Thomas (Matchbox 20), Chris Daughtry, Nas, Chester Bennington (Linkin Park), Scott Stapp (Creed), Joe Cocker, Pat Monahan (Train), Jacoby Shaddix (Papa Roach) und Gavin Rossdale (Bush) – womit wiederum noch nicht alle Menschen mit einem Mikrophon in der Hand aufgezählt sind. Die reine Gigantomanie!

Doch wie klingt es, wenn sich Carlos Santana mit seinem ausgeprägten Gitarrensound an Songs heranwagt, die sich bei ausnahmslos jedem Musikfan unauslöschlich ins Gehirn eingefräst haben? Antwort: Befremdlich. Doch darauf muss sich der geneigte Hörer bei diesem Album nun mal einlassen – ob er will oder nicht. So zersägt Santana Klassiker wie „Sunshine of your love” mit markanten Gitarrenriffs und -Licks und füttert Stücke wie „Riders on the storm“ mit seinen typischen Latin-Rock-Grooves an. Damit zieht er selbst solchen Klassikern den letzten Zahn! Doch es geht noch weiter. Der Beatles-Evergreen „While my guitar gentley weeps” bekommt einen R&B-Soundteppich unterlegt (es singt India.Arie) und AC/DC werden Bauklötze staunen, was Nas und Santana aus „Back in black“ gemacht haben. Der Rezensent kann es jedenfalls nicht so ganz fassen, schließlich ist Rap-Rock schon so lange tot, dass er bereits stinkt. Mach mal bitte einer das Fenster auf!

„Smoke on the water“ besitzt das wohl bekannteste Gitarrenriff der Rockgeschichte. Da fehlt nichts. Doch Santana gibt auch hier seinen Gitarrensenf dazu und mogelt hier und da noch ein paar Noten dazu. Da ist dann auch die blasse Gesangsleistung von Jacoby Shaddix egal. Klar, Santana traut sich etwas und schraubt aktiv an einigen der größten Rockklassiker herum. Und auch die versammelte Sängerschar steht in Anbetracht der Originaldarbietungen heftig im Fokus. Gesangspannen kommen auf „Guitar Heaven“ im Prinzip zwar nicht vor, trotzdem wird der Eindruck durch die rundgeschliffenen Parts noch verstärkt, dass diese Rock’n’Roll-Jukebox überflüssig wie ein Kropf ist.

Ausgerechnet Joe Cocker (66) steht mit seiner „Little wings“-Auslegung (im Original von Jimi Hendrix) neben Chris Cornell, der den Led-Zeppelin-Song „Whole lotta love“ neues Leben einhaucht, am besten da. Der Rest ist Langeweile auf musikalisch hohem Niveau, mit dem man bei einem „Wetten dass...?“-Auftritt für etwas Aufsehen sorgen kann. Mehr nicht.

Es ist zwar noch nicht Weihnachten, aber „Guitar Heaven“ ist eines dieser potenziellen Geschenke, die unter den Baum gelegt, wenn einem partout nichts mehr einfällt – so wie Herrn Santana.

Anspieltipps:

  • Little wing
  • Fortunate son
  • Whole lotta love
  • Dance the night away
  • Sunshine of your love

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