Grinderman - Grinderman 2 - Cover
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Grinderman Grinderman 2


  • Label: Mute/AIP
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Da rotzt er wieder. Zwischen all dem Drehbuch- und Romangeschreibe, sowie den Soundtrackentwürfen zusammen mit seinem musikalischen Komplement Warren Ellis, hat Nick Cave den heftigst herbeigesehnten Nachfolger seines Grinderman-Projekts fertiggestellt. Der Mann ist äußerst umtriebig. Warren Ellis, Martyn Casey und Jim Sclavunos von den Bad Seeds hauen wieder grobschlächtig ins Holz des Blues und Rock und Cave darf die Untergangsstimmung dazu beschwören und sybillinisch weissagen das, erstens, alles schlecht ist und das, zweitens, sich fast alles letzten Endes um den Koitus dreht.

„Is there anyone out there wasted their lives? / On booze drugs husbands wives and making money?” Kein gutes Haar wird gelassen an unserem schäbigen menschlichen Dasein. Für unschuldige Naivität lässt der grobschlächtige Grinderman-Rock auch hier wieder keinen Platz: „You think your husband will protect you/ You are wrong!“ Dasselbe noch mit der wife, mit den children und dem government. Wrong, wrong, wrong! Schlechte sexuelle Witze, wie aus seinem kontroversen Buch hat er auch noch reingemogelt: „Well my baby calls me the Loch Ness Monster/ Two great humps and then I’m gone“. Cave, auch ja keine Neuheit, ist eine versaute Spitzratte, die Maßanzüge und lyrischen Gewänder halt Teil einer ewig ambivalenten Medaille.

So sehr dem fulminanten Debüt anzumerken war, wie sehr es Ausflucht, Ventil und Verjüngungskur für die bei den Bad Seeds an strenge Glaubensmuster gebundenen Mucker war, so sehr durchschleicht „Grinderman 2“ eine gewisse Gesetztheit, ein angekommen-sein, dass sich nicht gänzlich vertragen will mit den drohenden Soundkaskaden von Ellis’ wütender und immer wieder großartiger Gitarrenarbeit. Der infernalische Jam, der Opener legt hierbei eine falsche Fährte, wird auf dem zweiten Album für ein Mehr an Ordnung zurückgeschraubt. Gut möglich, dass „Mickey Mouse And The Goodbye Man” der Älteste dieser neun neuen Songs ist, erinnert er in Manie, drohender Pose und Choreographie doch deutlich an den Erstling. Das Wolfsgeheul verstimmt im Folgenden jedoch, entlehnen „When My Baby Comes“, „What I Know“ und „Palaces Of Montezuma“ viel Struktur und Melodieliebe aus dem Bad-Seeds-Proberaum. Doch natürlich bleibt Grinderman eine dreckige Garagen-Blues-Rock-Band mit ganz viel Bart, „Evil“, „Worm Tamer“ und die klug ausgewählte, weil formidable Single „Heathen Child“ bezeugen dies nur allzu spielerisch. Aber als Album kann man eine gewisse Unausgegorenheit ausmachen, auf hohem Niveau freilich, jedenfalls gelang es dem Erstling besser Krach beeindruckend wirken zu lassen und damit Spuren in Gehörgänge zu „grinden“.

„Grinderman 2“, man durfte es erwarten, legt eine Art von aggressiver, bedrohlicher und intensiver Rockmusik vor, die jüngere Generationen so nicht mehr draufhaben. Beim letzten Mal half Grinderman Cave’s nächstes Bad Seeds-Werk wieder wunderbar werden zu lassen. Da darf man gespannt sein, was als nächstes folgt, beim umtriebigen Schwerenöter und seinen bärtigen musikalischen Freunden. Für Hier und Jetzt, weiter will dieser gerotzte Blues-Rock im Übrigen gar nicht wirken, zeigt Grinderman’s Zweitwerk den allermeisten Indie-Rockern die lange Nase, zeigt mehr Struktur und damit Planungswillen als der Vorgänger und ist nach wie vor das richtige legale Mittelchen, seinen eigenen Dämonen 41 Minuten lang freien Lauf zu lassen.

Anspieltipps:

  • Heathen Child
  • Mickey Mouse And The Goodbye Man
  • What I Know
  • Palaces Of Montezuma

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