Kamelot - Poetry For The Poisoned - Cover
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Kamelot Poetry For The Poisoned


  • Label: earMUSIC/Edel
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Durch zu viele Selbstzitate überspannen die US-Amerikaner den Bogen allmählich.

Wie Kamelot es einst schafften die Mauern der Konventionen ihres Genres einzureißen, ist und bleibt ein Paradebeispiel dafür, dass eine Power Metal Kapelle entgegen allen Limitierungen ihren Stil eigenständig und kreativ weiterspinnen kann. „Ghost Opera“ und der inzwischen moderne Klassiker und Kritikerliebling „The Black Halo“ hievten die US-Amerikanische Band um Roy Khan und Thomas Youngblood in den Metal-Olymp. Bei „Poetry For The Poisoned“ hält man am Erfolgsrezept fest. Doch auch wenn die Ekstase aus Symphonic-, Power-, Prog- und Gothic Metal auf den Vorgängern noch für heruntergeklappte Kinnladen sorgte, so scheint es als, habe man sich allmählich von seinem Rausch ausgeschlafen. „Poetry For The Poisoned“ ist der Katermorgen danach: Leicht beschwipst, in Wehmut an die letzte Nacht und irgendwie ratlos. Das macht die ganze Sache schlicht und ergreifend langweilig und innovationsarm.

Erst mal zu den Glanzstücken: Das auf dem bislang ungelösten Fall des Zodiac-Killers basierende, schlicht betitelte „The Zodiac“ mit Jon Oliva als Gast hätte nicht nur auf einem x-beliebigen Album von Savatage eine gute Figur gemacht, sondern wäre dort sogar ein klarer Höhepunkt gewesen. Das kleine Fremdgehen mit dem Stil der legendären Power-Progger ist ein spannendes Abenteuer auf das sich Kamelot einlassen. Ebenfalls können „Seal Of Woven Years“ als progressives Bombast-Epos und „So Long“ als balladesker Teil des Titeltracks voll und ganz überzeugen.

Ansonsten weiß die Band, was sie tut und wie sie es zu tun hat. Musikalisch und vor allem gesanglich präsentiert man seine Musik wie auch schon bisher in absoluter Hochform. Allerdings ist das Vertrauen in seine Stärken definitiv überschätzt. „The Great Pandemonium“ als Mid-Tempo-Anheizer ist praktisch eine Eins zu Eins Kopie zu „March Of Mephisto“ oder „Rule The World“. Und wenn man glaubt, dass die Selbstzitate nicht noch frecher gehen, kommen „If Tomorrow Came“, „Once Upon A Time“ und „Hunter’s Season“, die altbekannte Melodien verwursten oder sogar komplett übernehmen. Bei „Once Upon A Time“ wird sogar so dreist vorgegangen, dass eine B-Seite herhalten muss. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass ein Gros der Fanschar diese nicht kennt. „Where The Wild Roses Grow“ von den großartigen Nick Cave And The Bad Seeds lässt das Album solide, doch immer noch überraschungsarm ausklingen. Als Duett zwischen Sänger Khan und Gastsängerin Chanty Wunder funktioniert prima. Aber hat der Australier nicht genug Material, welches sich besser als Cover angeboten hätte, als sein großer Radiohit?

Der Metaler, der bisher noch keine Berührungen mit den Kamelotschen Klängen hatte, wird an der ein oder anderen Nummer sicherlich Gefallen finden. Fairerweise ist das gesamte Material auch partout auch nicht schlecht. Das Problem ist einfach, dass man fast jeden Song des Albums schon deutlich besser auf die Ohren bekam. Letztendlich ist „Poetry For The Poisoned“ der Abschied des klassischen Line-Ups der Band geworden. Roy Khan trennte sich aufgrund musikalischer Differenzen von seinen Bandkollegen. Es ist fast schon traurig, dass er mit dem schwächsten Album seit seinem Beginn im Jahre 1997 das Handtuch wirft. Mit einem vakanten Platz hinter dem Mikro und einer großen Lücke wird die Zeit zeigen, wie oder ob Kamelot an ihre einstigen Glanztaten anknüpfen und einen Weg aus der Belanglosigkeit finden können.

Anspieltipps:

  • The Zodiac
  • Seal Of Woven Years
  • Poetry Of The Poisoned Part 2 - So Long

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