Diego - Gold - Cover
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Diego Gold


  • Label: Unter Schafen/ALIVE
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht allzu oft kommt es vor, dass eine Band aus Karlsruhe internationales Format hat. Die Band Diego hat es. Warum dem so ist, ist gar nicht mal so einfach darzulegen, denn die Einflüsse von Diego sind allzu offensichtlich. Die Referenzlinie lässt sich von Joy Division über Interpol bis zu den Editors ziehen und die haben alleine ihrer Herkunft wegen den Authentizitätsbonus.

Ob der Bandname so glücklich gewählt ist, sei einmal dahingestellt. Der Titel „Gold“ jedenfalls verspricht einiges. Zunächst mal spielen Diego Indie-Rock, der noch an den Punkwurzeln hängt, jedoch längst mit Wave- und Popelementen unterfüttert wurde. Das machen viele, doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail und da gilt es bei Diego anzusetzen bzw. genau hinzuhören. Das dichte Zusammenspiel fällt bereits beim ersten Hören auf. Das Ineinanderlaufen von Melodie und Rhythmus, die verschachtelte und vertrackte Art und Weise wird dann nach weiteren Durchläufen wahrgenommen.

Dunkel und melancholisch klingt „Gold“, die E-Gitarren bauen Klangwände oder laufen wie Kreissägen, setzen Widerhaken, verzahnen mit dem rhythmischen Geflecht. Manchmal schrauben sie sich in gleißende Höhen, hallen nach oder alarmieren als schrille Sirenen. Hier und da irrlichtern goldene Keyboardsounds und mittendrin eine schwarzsamtene Stimme, die mit dem düsteren Bass korrespondiert, dazu klopft der Drummer wie eine Maschine, die Seele hat. Man spürt die Hingabe und Leidenschaft mit der die Karlsruher zu Werke gingen. Es wird fast zum Zwang „Gold“ immer wieder zu hören, weil die Melodien nicht wirklich zu greifen sind und das Album sein Geheimnis nicht preisgeben will.

„Gold“ ist eine finstere Schönheit, ein Fest für Kopf, Herz und Körper. Von diesen Songs geht eine geradezu besessene Spannung und peitschende Dynamik aus. Aber „Gold“ hat auch Drama, Eleganz und jenen Spirit, der mitten ins Herz trifft: Indie-Rock mit glühender Popmelancholie. Also Leute, lasst euch nicht einreden, dass nur Interpol das echte Ding sind. Hört verdammt noch mal diese Platte!

Anspieltipps:

  • Grizzly Bear
  • King Of Castle
  • Smokie Eyes
  • Metz
  • She Is

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