Mihalis - Mihalis - Cover
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Mihalis Mihalis


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

One-Hit-Wonder. Bei diesem Ausdruck fletschen Musiker die Zähne und fauchen wie Furien. Nicht immer bewahrheitet
sich die Befürchtung, dass ein Musiker wieder in der Versenkung verschwindet, nachdem er den großen Hit gelandet hat. Oft kann man aber mit Gewissheit davon ausgehen. Ab und an kann man die Karriere auch noch auf ein zweites Album ausweiten, was aber meistens allein am Erfolg des Erstwerks und der Hit-Single lag. Der eine Hit. Auf Anhieb fallen dem Rezensenten da die Namen Tarkan, Las Ketchup und Loona ein. Liest man jetzt „Mihalis - der erfolgreichste griechische Künstler des Jahrzehnts!“ erscheint vorm geistigen Auge ein Neonschild, dessen Lichter beinahe durchbrennen, so grell scheint das Böse Wort „One-Hit-Wonder“ auf. Das hat nichts mit Animositäten oder Vorurteilen zu tun, als viel mehr mit dem Fakt, dass Künstler aus Griechenland einfach noch nie auf Dauer den internationalen Markt geprägt haben. Natürlich wollen wir diesen Fakt nicht als pauschal gelten lassen und hören uns das Album in aller Ruhe an, wenngleich ein mulmiges Gefühl im Hinterkopf sitzt und einfach nicht fort will.

Und so sicher wie Herkules ein Halbgott ist, trifft Mihalis ins Schwarze des Fettnäpfchens. Von der ersten Nummer an, macht der griechische Popstar aus seinem Erfolgsrezept kein Geheimnis und der Hörer des Hier und Jetzt schlägt die Hände bei so viel Wiederverwertung der 90er Jahre über dem Kopf zusammen. Die 90er gelten nicht unbedingt als das anspruchvollste und mitreißendste Jahrzehnt für wirklich gute Popmusik. Eher denkt man hierbei an schleppende Synthie-Orgien, die statt der gewollten Lebensfreude nach Supermarkt-Endzeitstimmung klingen und genau dahin führt uns die ansonsten unspektakuläre Einleitung „You're More Tha Beautiful“. Eine gute Stimme allein kann unter Umständen ganze Tracks von der Mittelklasse ins Obergeschoss retten, aber hier muss Mihalis mit seiner angenehmen Stimme dafür sorgen, dass die Musik nicht völlig unerträglich wird. Fraglos ist der Mann mit einer wirklich angenehmen Stimme gesegnet, doch mit unliebsamen Synthie-Tiraden und Klischee betuchten Griechenland-Akkorden aus der Akustikgitarre wird ein Klangbild gezeichnet, welches unerträglich pappig und alles andere als authentisch wirkt.

Die Ansätze sind da, wenn ein „Favourite Mistake“ kurzzeitig wirklich emotional klingt, doch vorhersehbare Songkonstrukte und die genannten Stilunsicherheiten machen ein einfallsloses Projekt aus, welches für den modernen Pop-Fan unverständlicherweise so einen großen Erfolg mit sich bringt. Eventuell ist Mihalis genau der Typ Mann, den Griechenland gerade sucht, sowie wir Deutschen anscheinend nur auf einen androgynen Bill Kaulitz gewartet haben. Die ach so gebeutelte Musikindustrie dankt solchen Interpreten auf jeden Fall und wenn diese Mehreinnahmen dazu führen, dass einige wirklich innovative Künstler einen Vertrag bekommen, ist die unerträglich simple Ader solcher Musik schon wieder erträglich.

Anspieltipps:

  • Everyone Dance
  • Favourite Mistake
  • Eyes Of A Sinner

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