Jimmy Eat World - Invented - Cover
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Jimmy Eat World Invented


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Was Jimmy Eat World hier mit „Invented“ abliefern, ist nach wie vor auf einem sehr hohen Standard.

Der erste Eindruck des neuen Albums der Rocker aus Arizona hat zwar nicht unmittelbar mit der Musik zu tun, gehört aber zum Gesamtkunstwerk und darf daher auch angesprochen werden. Die Rede ist vom Coverartwork. Nach dem gruseligen Ausrutscher des Vorgängerwerks hält man nun zum Glück ein um Längen besseres Artwork in den Händen. Das Cover von „Chase This Light“ gehörte auf jeden Fall zu einem der schlimmsten Blickfänge des Rockjahres 2007. Gut, dass man diesen Wettbewerb nicht noch einmal angetreten ist. Während sich der visuelle Aspekt also deutlich von dem letzten Silberling abhebt, so wird musikalisch der mit „Chase This Light“ eingeschlagene Weg fortgeführt. Unterstützung kommt dabei erneut vom Produzenten Mark Trombino, der bereits bei den Meilensteinen „Clarity“ und „Bleed American“ seine Finger im Spiel hatte.

Ein Markenzeichen von Jimmy Eat World sind Rocksongs mit extrem eingängigen Melodien, die auch keine Scheu vor großen Gesten und Popelementen haben. Allerdings hat das Quartett es bisher immer hervorragend verstanden, nicht in Kitsch und Pathos zu versanden. Kräftig flirten ja, aber mehr nicht. Ein schmaler Grat, der sich mit „Chase This Light“ bereits stärker als je zuvor abzeichnete und nun endgültig auf die Spitze getrieben wird. Damit kein Missverständnis aufkommt: Jimmy Eat World sind nach wie vor ein Rockband, aber der Popanteil fällt auf „Invented“ inzwischen doch ziemlich hoch aus. Wenn das so weiter geht, dann sind sie in zwei Alben vielleicht eher eine Popband mit Rockelementen, als umgekehrt.

Das wäre ja prinzipiell nicht unbedingt schlimm, stellt den einen oder anderen langjährigen Fan aber vielleicht doch auf eine recht harte Probe, wenn sich ungeniert an Streicherarrangements bedient wird, in die Hände geklatscht wird, sich Glockenspiele heimlich einmischen und es mehrstimmige „Uuuhs“, „Ooohs“ und „Aaahs“ in Hülle und Fülle gibt. Belege dafür sind etwa „Heart Is Hard To Find“, „Movielike“, das schmachtende „Littlething“ oder das doch etwas zu überladene „Cut“. Aber es gibt sie nach wie vor auch noch, die unverkannbaren Rockmomente wie man sie mit der ersten Singleauskopplung „My Best Theory”, dem stampfenden „Evidence“ oder dem aggressivsten Stück „Action Needs An Audience“ mit Gitarrist Tom Linton als Leadsänger ganz offensichtlich erlebt. Etwas weniger offensichtlich, aber dafür umso wirkungsvoller gibt es sie aber auch, wenn sich in dem gut siebenminütigen Titelstück nach ca. fünf zauberhaften Minuten – inkl. sehr gelungenen mehrstimmigen Gesangs – der Rockaugenblick an genau der richtigen Stelle entlädt. Allerdings ist der Spuk dann nach ca. dreißig Sekunden auch schnell wieder vorbei.

Was Jimmy Eat World hier mit „Invented“ abliefern, ist nach wie vor auf einem sehr hohen Standard, wenngleich es aber nicht das beste Album des bisherigen Schaffens ist. Jim Adkins und Co. verteidigen jedoch ihre Nische, die ihnen nach wie vor so schnell keiner ernsthaft streitig machen wird. Allerdings ist der Grat zwischen Rock und Pop nun wirklich schmal genug. Man darf sich künftig auch gerne mal wieder etwas häufiger an die alten Rocktugenden erinnern. Sonst wird aus dem Flirt mit Pop und Pathos doch noch etwas Ernstes und das würde man sich dann doch nicht unbedingt wünschen. Flirten ist ja manchmal auch ganz nett.

Anspieltipps:

  • Heart Is Hard To Find
  • Evidence
  • Action Needs An Audience
  • Invented

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