Ben Folds - Lonely Avenue - Cover
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Ben Folds Lonely Avenue


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Klassische Ben-Folds-Ware, die niemals (!) schlecht, aber auch nur bedingt berauschend ist.

Der amerikanische Songschreiber Ben Folds (44) und der englische Buchautor Nick Hornby (53) stehen sinnbildlich für eine aktiv gelebte Männerfreundschaft, die sich weder durch berufliche und familiäre Verpflichtungen noch durch große Distanzen zwischen den Wohnorten auseinander bringen lässt. Wie schön, wenn man ab und zu sogar zusammen arbeiten kann, wie auf dem 2004er Album „Has Been“ von William Shatner (bekannt als „Captain Kirk“ in der Filmreihe „Raumschiff Enterprise“), das Ben Folds produzierte und Nick Hornby (u.a. „Fever Pitch“, „About a Boy“, „High Fidelity“) mit Texten versorgte.

Auf „Lonely Avenue“ machen Folds und Hornby erneut gemeinsame Sache. Der Plan entstand im Jahr 2009 während eines gemeinsamen Abendessens und mündete in einen ausschweifenden Email-Verkehr, in dem Hornby Folds mit Texten eindeckte, aus denen der 44-Jährigen ein Album aus 12 musikalischen Kurzgeschichten komponierte. Diese wurden mit opulenten Streicherparts unter der Verantwortung von Paul Buckmaster (Leonard Cohen, David Bowie, Elton John) aufgepeppt und ganz traditionell auf alten 2-Zoll-Bändern aufgezeichnet. Ganz klar: Hier waren ein paar ausgesprochene Nerds am Werk, die mit ganz genauen Vorstellungen unbeirrbar auf ihr Ziel zusteuern.

Aber lassen wir die Kirche im Dorf. „Lonely Avenue“ beweist zwar, dass Nick Hornby nicht nur Kultbücher schreiben, sondern auch kompakte Vier-Minuten-Popsongs mit Leben füllen kann Doch würde dies irgendjemand bemerken, wenn nicht sein Name auf dem Cover stünde? Nein! Denn „Lonely Avenue“ klingt so oder so wie ein gewöhnliches Ben-Folds-Album – und noch nicht einmal wie eines seiner besseren. Der Amerikaner turnt wie üblich auf seinem Piano herum, lässt nur sehr wenige Gitarrenparts zu, suhlt sich dafür aber ausgiebiger denn je in üppigen Streicherarrangements.

All das ist unterm Strich klassische Ben-Folds-Ware, die niemals (!) schlecht, aber auch nur bedingt berauschend ist. Man sucht sich als Folds-erfahrener Hörer eben seine persönlichen genialen Stellen heraus, wie die skurrile Beatles-Rhythmik in „A working day“, die schöne Pianomelodie in „Picture window“ oder die auf Anhieb zündende Hookline in „Levi Johnston’s blues“, dem neben „Practical Amanda“ wohl besten Track des Albums. Im Prinzip findet sich immer irgendein kleiner Ohrenschmeichler. Selbst im etwas nervigen „Doc Pomus“ stechen wunderbare Bläserparts heraus, während der Chorgesang in „Claire’s ninth“ über alles erhaben ist. Das reicht locker für eine Zwei minus und die Erkenntnis, dass diese Note wohl auch ohne die (fraglos gelungenen) Text-Bemühungen Nick Hornbys zustande gekommen wäre.

Anspieltipps:

  • Belinda
  • A working day
  • Picture window
  • Practical Amanda
  • Levi Johnston’s blues

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