Jan Garbarek - Officium Novum - Cover
Große Ansicht

Jan Garbarek Officium Novum


  • Label: ECM Records
  • Laufzeit: 61 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Officium novum“ ist nach „Officium“ und „Mnemosyne“ die dritte Zusammenarbeit von Jazz-Saxofonist Jan Garbarek und dem der klassischen Musik zuzuordnenden Hilliard Ensemble. Produziert wurde sie im Juni 2009 von ECM-Gründer Hans Eicher in der Propstei St. Gerold, Österreich. Schon die ersten beiden Veröffentlichungen machten es dem Hörer nicht ganz leicht, denn die Kombination aus Chorgesang und Jazz-Saxofon ist nicht unbedingt der U-Musik zuzuordnen und Puristen mögen sich dem einen Stil zugetan fühlen, dem anderen aber nicht. Gerade aber „Officium“ (1994) wurde von der Kritik hoch gelobt und verkaufte sich auch erstaunlich gut. „Mnemosyne“ war dagegen ein Rückschritt, denn das Doppelalbum war zwar ambitioniert, aber oftmals wirkte das Saxofon als ob es den klaren Chorgesang durchschneiden wolle und nicht wie auf dem Vorgänger als fünfte Stimme in den Chor integriert sei.

„Officium Novum“ ist von beidem etwas. „Ov zarmanali“ beginnt als Saxofonsolo in das sich mehr und mehr der Chor integriert bis dieser die Oberhand gewinnt. Interessant und dabei ideal auf den Silberling einstimmend ist bei dem Titel die Klangfarbe. Bei dem Stück handelt es sich ursprünglich um ein Werk von Komitas (1869-1935), einem Musikwissenschaftler, Komponisten und dem Begründer der armenischen Kirchenmusik, die neben westlichen Kirchenklängen auch einige Elemente der armenischen Folklore integriert. Ein starker Anfang für ein Album. „Svetje tihij“ hingegen ist der durchaus als mutig zu bezeichnende Versuch, eine byzantinische Kirchenhymne aus dem dritten Jahrhundert umzusetzen. Während der Chor hier eine begeisternde Leistung darbietet, integriert sich Jan Garbarek nicht sonderlich gut. Bis zur Mitte des Titels scheint es noch zu funktionieren, dann aber kriegt man das Gefühl, als ob sich das Saxophon immer wieder in den Vordergrund drängeln und den Chor übertönen will.

Das 13-minütige „Litany“, das sich aus „Litany“, „Otche nash“ und „Dostoino est“ zusammensetzt, ist das Herzstück der CD. Während „Litany“ von Nikolai Kedrov für orthodoxe Chöre komponiert wurde, sind die Komponisten der anderen zwei Teile unbekannt. Die zu befürchtende Inhomogenität der einzelnen Teile ist deutlich spürbar. Irgendwie passen die Teile nicht ineinander. Während bei „Litany“ das Saxophone sehr weich in das Klangbild eingefügt ist, wirkt es bei „Otche nash“ aufdringlich und aufgesetzt. „Dostoino est“ ist schließlich der Part, der fast ausschließlich vom Chor lebt und die wenigen dezenten Sax-Sprenksel fallen nicht weiter ins Gewicht.

So wechselt die CD zwischen brillant, annehmbar und schwach hin und her. Der hohe Anspruch, den der Silberling in sich trägt, wird allerdings durch ein hervorragendes Booklet, das zu fast jedem Lied ausführliche Beschreibungen enthält, abgerundet. Schade, dass die Veröffentlichung zeitweise weniger nach Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble als nach „Jan Garbarek vs. The Hilliard Ensemble“ klingt. Fazit: Gemessen am Anspruch, den die Interpreten an sich selbst haben dürften, ist das Werk nicht mehr als gehobener Durchschnitt.

Anspieltipps:

  • Ov zarmanali
  • Litany
  • We are the stars

Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Jan Garbarek“
comments powered by Disqus