Manic Street Preachers - Postcards From A Young Man - Cover
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Manic Street Preachers Postcards From A Young Man


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein herausragendes Werk in der Manic-Street-Preachers-Geschichte.

Eine Welle der Empörung schlägt den Manic Street Preachers von ihren Fans entgegen. Nicht etwa weil es vier verschiedene Konfigurationen ihres neuen Albums „Postcards From A Young Man“ gibt, sondern weil der Preis der limitierten Deluxe Edition in Anbetracht des Inhalts so unverschämt hoch ist, dass sich die potenziellen Käufer schlicht veräppelt vorkommen. Dabei passt diese Kommerzdenken gar nicht zu der Band aus Wales. Doch scheinbar können die Majorlabels nur noch auf diese Art und Weise richtig satte Erträge mit einer Albumveröffentlichung erzielen, wie zahlreiche Beispiele aus den vergangenen Monaten und bei bevorstehenden Releases zeigen (Bruce Springsteen, Robbie Williams, Pantera, David Bowie, Metallica, George Michael, Soundgarden). Kleiner Tipp: Einfach mal im Elektronik-Kaufhaus ihrer Wahl umsehen, aber bitte keinen Schreck beim Anblick der Preise bekommen!

Die Manic Street Preachers müssen als große Zugnummer in den UK-Charts wohl oder übel bei solchen Spielchen mitmachen. Deshalb konzentrieren wir uns besser auf das Wesentliche, die Musik! Diesbezüglich bieten die Manic Street Preachers auf ihrem zehnten Studioalbum eine stilistische Rückkehr in melodieselige BritPop-Zeiten ca. zur Mitte der 90er Jahre. Dementsprechend fallen die Arrangements herrlich opulent mit großen Chören („Some kind of nothingness“, „Golden platitudes“) und Orchesterparts („Hazelton avenue“) aus.

Dabei zitieren die Manic Street Preachers ohne Zurückhaltung ihre musikalischen Vorbilder The Beatles („The descent“) und David Bowie („Auto-Intoxication“, bei dem Ikone John Cale Keyboards spielt) und verheiraten damit auf wunderbare Weise den Geist von Eleanor Rigby und Ziggy Stardust. So befreit und locker von der Leber aufspielend hat man die Waliser schon lange nicht mehr gehört, selbst wenn sie mit den genannten Chor- und Orchester-Arrangements ziemlich schwere Geschütze auffahren.

Die Art der Umsetzung macht den Unterschied aus, ein Orchester nicht schwülstig und übermächtig klingen zu lassen. So gönnen sich die Herren eine Schweinerock-Einlage mit Westcoast-Flair („A billion balconies facing the sun”, bei dem Ex-Guns’N’Roses-Bassist Duff McKagan mitwirkt), sie lassen Gospel-Chöre mit dem Echo-&-The-Bunnymen-Sänger Ian McCulloch in „Some kind of nothingness“ um die Wette singen, deuten Queen-Bombast an („Postcards from a young man“) und schmuggeln Americana-Trompeten im Wilco-Stil in „The future has always been here 4 ever“ ein.

All das zeugt von ausgelassener Spielfreude, die „Postcards From A Young Man“ zu einem herausragenden Werk in der Manic-Street-Preachers-Geschichte macht. Und zwar ganz ohne Bonus- und Deluxe-Gedöns, den keiner ernsthaft braucht und der nur Platz wegnimmt.

Anspieltipps:

  • Don’t be evil
  • Hazelton avenue
  • Golden platitudes
  • The descent (pages 1&2)
  • Some kind of nothingness

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