Kid Rock - Born Free - Cover
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Kid Rock Born Free


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Keine Frage, das Songmaterial auf „Born Free“ ist durchaus stimmig und von diversen Top-Musikern hervorragend eingespielt worden.

Ruhiger ist er geworden, der Herr Rock, bzw. Robert James Ritchie (39), wie der ehemals als Rüpel und Großkotz verschriene Musiker aus der Arbeiterstadt Detroit in den USA bürgerlich heißt. Kein Proletentum, keine Frauengeschichten und keine Prügeleien mehr. Gebt ihm ein Bier und eine Gitarre und der Mann ist glücklich.

Mit Rock’n’Roll hat dieses Lebensstil natürlich nicht mehr viel zu tun, was sich auf den Alben des 39-Jährigen immer deutlicher auswirkte und auf dem mittlerweile achten Studiowerk „Born Free“ seinen Höhepunkt erlebt. Dieses muss sowohl ohne den sonst üblichen Warnhinweis vor anzüglichen Texten als auch ohne Rap-Einlagen und ohne Heavy-Metal-Gitarren auskommen. Na, wenn das mal nicht in die Hose geht.

Auch wenn Kid Rocks Wurzeln als Musiker im HipHop/Rap liegen, war eine gewisse Vorliebe für ur-amerikanische (Rock-)Musik immer spürbar und nahm von Album zu Album zu. Auf „Born Free“ geht Kid Rock diesen Weg nun am kompromisslosesten weiter und holte sich mit Produzenten-Guru Rick Rubin (Slayer, Beastie Boys, Red Hot Chili Peppers, Johnny Cash, Limp Bizkit, Jay-Z) den besten und vielseitigsten Mann ins Studio, wenn es um die konsequente Umsetzung musikalischer Visionen geht. Und diese lauten bei Kid Rock auf inzwischen sehr deutlich Country, Blues und Südstaaten-Rock. Dazu kommt eine große Portion Entspannung und ein unverkrampftes Songwriting, das auf gar keinen Fall irgendwo anecken will und für Fans härterer Rockmusik durchaus den Verdachtsmoment der Langeweile erfüllen mag.

Kid Rock hat seinen Frieden darin gefunden, wenn der Hörer zu seinen Songs fröhlich schunkeln („When it rains“) oder am Lagerfeuer mitsingen kann („Slow my roll“). Und auch inhaltlich sind die Rollen klar verteilt. Ein Bluesrocker wie „God bless saturday“ muss gar nicht groß erklärt werden, denn ohne den Samstag wäre die ganze Woche bekanntlich für die Tonne. Countryballaden wie „Collide“ (von denen es auf „Born Free“ eine ganze Lastwagenladung gibt) benötigen selbstredend einen weiblichen Duettpartner (in diesem Fall Sheryl Crow, unterstützt von Bob Seger am Piano) und Gute-Laune-Singalongs wie „Rock bottom blues“ sind mit einem Gospelchor gleich das Doppelte wert.

Keine Frage, das Songmaterial auf „Born Free“ ist durchaus stimmig und von diversen Top-Musikern wie Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) an den Drums und Benmont Tench (Tom Petty & The Heartbreakers) am Piano und der Orgel hervorragend eingespielt worden. Auf Albumlänge fehlt dennoch ein wenig der Biss und der diebische Spaß an der Provokation früherer Tage. Dadurch wirkt die grenzenlose Relaxtheit fast schon wieder bierernst, was unterm Strich so gar nicht zu Kid Rock passt.

Anspieltipps:

  • Rock on
  • Born free
  • Flyin’ high
  • Rock bottom blues

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