Lis Er Stille - The Collibro - Cover
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Lis Er Stille The Collibro


  • Label: Voices Music & Entertainment
  • Laufzeit: 66 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Haus mitten im nirgendwo. Innen ist es dunkel, außen schon lange Nacht, nur einige Kerzen erhellen einen großen Raum, in dem einige Menschen im Kreis versammelt sitzen. Ihre Lippen bewegen sich synchron, ist es Gesang oder doch eher ein Gebet. Beängstigend und düster wirkt diese Sekten-Versammlung mitten in der Einöde Dänemarks...

Das ist ein mögliches Szenario, das beim Hören von „All The Blood“ vor dem geistigen Auge erscheint. Im Hintergrund baut sich musikalisch immer mehr Spannung auf, die auch auf die folgenden Songs übertragen wird. Der Hörer wird fortgerissen in einen Sog aus konzeptionell wirkender Musik ohne jegliche Standards, ohne Gesetzte, ohne Grenzen. Die Musiker schöpfen mit großen Löffeln aus vielen Suppen, ohne dass man auch nur eine genau benennen könnte, so geschickt verrühren sie alles miteinander. Serviert bekommen wir das Suppenmahl namens „The Collibro“ von der Band Lis Er Stille.

Das dritte Album der Dänen besticht durch seine unberechenbare Art und Weise, ständig wechselt der Charakter der Musik, das Tempo, die Tonlage, die Taktart, einfach alles bis auf den einen Grundnenner, der alles zusammenhält, die geheimnisvoll düstere Atmosphäre. Das alles zu erkennen erfordert Geduld und Aufmerksamkeit weil „The Collibro“ durch seine Vielseitigkeit beim ersten Hördurchgang den einen oder anderen Hörer regelrecht erschlagen kann. Es schwingen sehr viele Stile in der Musik mit, aber am ehesten ist es eine mit Progressive und Post-Rock gepaarte Independent Musik, nennen wir es Post-Independent. Das Wort Post wird doch mittlerweile eh überall vorgeknallt, besonders wenn es schwer fällt die Musik zu beschreiben, also eben Post-Independent.

„The Collibro“ ist ein Album, das am Stück gehört werden muss, weil viele Stücke miteinander verknüpft sind beziehungsweise einige allein als Bindungsglied Sinn ergeben, da sie extrem kurz und simpel sind, anders gesagt völlig überflüssig. Zum Glück gibt es nur drei Stück davon. Der große Rest ist überwiegend lang und durchläuft immer wieder Phasen der Ruhe und des Sturm und Drangs, wobei die seichten Passagen oft vom Piano dominiert werden. Von den ständig wechselnden Motiven kann man sich in „Recalling The Color“ und „Shards Of The Ending“ überzeugen, vom Independent Charakter hingegen in „Through The Quest Of Your Designs“. Richtig im Ohr hängen bleibt dagegen nur der Gesang von „The Real Children“.

Zum Abschluss einer Platte eignet sich ein Longtrack, einer wie „The Painted“, der zwar erst nach 9 seiner 12 Minuten richtig Fahrt aufnimmt, dafür aber gekonnt. Von solchen Momenten hätte das Album ruhig mehr vertragen können, denn trotz vieler ausgeklügelter Ideen kommt die Eingängigkeit meist zu kurz. Das Album endet aber nicht nach „The Painted“, obwohl an dieser Stelle die Luft raus ist, die restlichen Tracks nicht überzeugen und auch die Aufmerksamkeit aufgebraucht ist. Trotz dieser kleinen Schwächen ist „The Collibro“ ein sehr interessantes und innovatives Werk, ein Fingerzeig in die richtige Richtung, durchaus ausbaufähig. Lis Er Stille sollte man im Auge behalten.

Anspieltipps:

  • Recalling The Color
  • Shards Of The Ending
  • The Painted
  • The Real Children

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