Pantera - Cowboys From Hell (Deluxe Edition) - Cover
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Pantera Cowboys From Hell (Deluxe Edition)


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 180 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Für fast zehn Jahre und vier Studioalben, von Anfang bis Ende der 80er Jahre, eierten Pantera aus Fort Worth, Texas als Spandexhosen tragende Hair-Metal-Band durch die Gegend und eiferten Gruppen nach, denen keine Peinlichkeit schlimm genug war. Dass damit kein Staat zu machen war, wenn man als Band hoch hinaus will, merkten Pantera spät, aber gerade noch rechtzeitig. Es war das Jahr 1989, als Metal-Bands der ganz harten Sorte plötzlich immer größere kommerzielle Erfolge feierten und dem Poser-Metal den Stinkefinger zeigten. Die großen Vier des Thrash Metal, Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax, waren nicht nur als Aufnäher auf jeder Headbanger-Kutte zu finden, sie arbeiteten sich auch immer weiter in den Charts nach vorne.

Das war das Signal für einen stilistischen Umbruch im Hause Pantera. Die Band-Leader Darrell Lance „Dimebag Darrell“ Abbott (Gitarre) und Vinnie Paul Abbott (Drums) tüftelten im Studio an einem neuen Sound, der sich dem Härtegrad der „Big Four“ annähern sollte. Die Songs sollten fetter und lebhafter als der zumeist sehr trockene Old-School-Thrash, aber gleichzeitig genauso böse und auf den Punkt gespielt klingen. Mit dem jungen Produzenten und Toningenieur Terry Date (heute 54), der zuvor Bands u.a. wie Dream Theater, Overkill, Sanctuary, Metal Church und Mother Love Bone betreute, holten sich Pantera einen Mann ins Boot, der sehr viel von unterschiedlichen Sounds und den dafür benötigten Equipment verstand. Zudem kitzelte er auch aus dem charismatischen Sänger Phil Anselmo und Bassist Rex Brown das Maximum heraus. Am Ende stand im Juli des Jahres 1990 mit „Cowboys From Hell” ein Album in den Verkaufsregalen, das sich als Referenzwerk für den Heavy-Metal-Sound der gesamten Dekade erweisen sollte.

Zum zwanzigjährigen Jubiläum wurde „Cowboys From Hell” nun neu aufgelegt. Das Majordebüt der vier Texaner erscheint als Doppel-CD mit dem digital überarbeiteten Originalalbum plus einer Live-CD sowie als 3-CD-Set mit einer zusätzlichen Sammlung von elf bisher unveröffentlichten Demos. Wer es besonders edel mag, kann sich das 3-CD-Set auch als „Ultimate Deluxe Edition“ in einer kleinen Kiste zusammen mit Fotos, Tourpässen, Buch, Postern, alten Eintrittskarten und T-Shirt besorgen. Die Kiste soll rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft erhältlich sein.

Der „Cowboys From Hell”-Sound scheint tatsächlich direkt aus der Hölle zu kommen. Er besitzt noch den typischen 80er-Jahre-Hall („Domination“), doch Dimebags Gitarre sucht bereits ganz tief im Keller nach den Noten („Clash with reality“), während Sänger Phil Anselmo bei Metallica-Kollege James Hetfield genauer hingehört zu haben scheint („Heresy“). Fiese Hair-Metal-Kreischer mussten aber auch weiterhin sein („Shattered“). Dass die genialen Momente der Platte wie das knackige „Primal concrete sledge“ auf puren Zufällen beruhen, zeigt, dass Pantera Ende der 80er Jahre von einer ganz neuen Kreativität erfasst wurden. So gilt nicht nur das Gitarrenspiel in „Cemetery gates“ noch immer als Referenz.

Die fast perfekte Einheit aus Rhythmus und Gitarrensound ergibt gewissermaßen eine kompakte Variante von Metallicas „And Justice For All“, das zwei Jahre vor „Cowboys From Hell” erschien und vielen Thrash-Fans zu sperrig und progressiv war. Pantera hingegen zeigen, wie man das Ganze auf den Punkt bringen kann – nachzuhören im Original (CD 1), in Live-Versionen (CD 2) und als Demos (CD 3).

Anspieltipps:

  • Shattered
  • Psycho holiday
  • Cemetery gates
  • Message in blood
  • Primal concrete sledge

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