Revolving Door - Break The Line - Cover
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Revolving Door Break The Line


  • Label: Supermusic/ALIVE
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock mit Power-Pop-Einlagen? Die eingefleischten Skater und Punks nennen es immer noch Emo und wenn dann noch Bands wie Paramore als Aushängeschild für die Twilight-Saga herhalten, kann man das böse Gerede zumindest verstehen. Eingestehen muss man der amerikanischen Rocktruppe jedoch, dass sie mit „Ignorance“, „Born For This“ und ihrem Twilight-Song „Decode“ für Aufsehen unter jungen Rockfans gesorgt haben. Endlich mal wieder eine Frau mit Kraft im Kehlkopf und dazu Rockhymnen, die mehr durch Spielfreude und Härte auffallen, als durch weiche Emotionen. Natürlich sind Bands mit Frontfrauen eher emotional und klingen noch viel mehr danach, selbst wenn es textlich schonungsloser zur Sache geht. Hayley Williams schafft es zur Genüge, den Rock in ihren Liedern zum Leben zu erwecken. Dieses Vorhaben unternehmen nun auch Revolving Door aus Thüringen.

Das wichtigste Puzzleteil dieser jungen Band aus Deutschland ist natürlich die Sängerin. Die noch so heftigen und einprägsamen Riffs und Strukturen sind nichts wert, wenn eine brave Durchsagenstimme keinen Druck hinter die Tracks bekommt. Bei Liesa muss man sich keine Sorgen machen, dass ihr die Puste ausgehen könnte. Vom ersten Lied - „Goodbye“ - an überzeugt die Sängerin mit ihrer starken und tiefen Stimme. Natürlich reduziert sich die Frau nicht auf ihre kratzige Stimme, sondern zaubert auch weiche Töne im Chrous hervor. Ganz so wie das vielzitierte Vorbild Paramore, auch wenn es keiner so wirklich beim Namen nennen will. Als Support von Revolverheld und Silbermond kann man sich Revolving Door gut als Highlight des Abends vorstellen. Wo die beiden deutschen Szengrößen längst den Willen zu krachendem Rock verloren zu haben scheinen, hauen Revolving Door eine Power-Nummer nach der anderen heraus. So unbeschwert geht es meist nur als Debütant.

Wir wollen nicht von den musikalischen Thomas Müllern der neuen deutschen Rockszene sprechen, aber wer mit „Goodbye“, „Perish“, „Break The Line“ und „Belongs To You“ gleich vier von fünf Liedern zu Beginn des Albums so verarbeitet, dass es unmöglich ist still zu halten, der muss etwas richtig gemacht haben. Die Umsetzung auf den Silberling ist gut gelungen, da die Musik intensiv daherkommt und zu Luftgitarrensoli im Wohnzimmer einlädt. Da wird schnell vergeben, dass die Lieder das Rad nicht gerade neu erfinden. Es fehlen auch noch die großen Melodien, die sich hervortun und so schafft es nur eine kleine Hand voll der Lieder, sich wirklich ins Gedächtnis der Hörer zu schmuggeln, wie eben der Opener oder der Titeltrack, sowie die laute Ballade „Pretend To Be Somebody“. Einzeln für sich gesehen kann man über die Qualität der Songs sowieso nur staunen. Bis auf „Funky Cry Baby“, dass zuweilen monoton wirkt und die Gesangsübung mit Akustikgitarre „Sleepless“, die irgendwie nirgendwo hinführt, machen alle Tracks auf Anhieb Spaß und im Falle des letzteren Songs muss man zumindest eingestehen, dass diese Balladen und Interluden manchmal nötig sind, um die doch recht ähnlichen Arrangements zu unterbrechen.

Besser gefallen die Thüringer aber in „Move On“, wo sie richtig auf den angestaubten Putz der rockigen Musikszene made in Germany hauen dürfen. Dass das Potenzial zu größerer Bandbreite noch nicht aufgebraucht ist, beweisen die letzten beiden Lieder des Albums „I Don't Even Know You“ und „Die For You“. Ersteres ist eine typische (Achtung!) Paramore-Nummer, die sich auch mal in den Charts tummelt. Von starken Riffs getragener Chorus, emotionale und beinahe vorsichtige Strophen und Gesang, der anmutig, aber nicht kitschig wirkt. Dazu werden dann auch noch einmal düsterere Gitarren im letzten Stück kredenzt, die allerdings nicht auf negative, sondern auf kampflustige und vorangehende Gefühle abzielen. Dieses Debüt von Revolving Door ist furchtlos und probiert einfach mal, wobei sich eine Menge guter Ansätze offenbaren. Zwar werden die Songs noch niemanden restlos vom Hocker reißen, aber wer so frischen Rocksound in Deutschland sucht, muss Revolving Door als ernste Alternative betrachten. Wenn die Thüringer ihren Stil nicht aus den Augen verlieren und es schaffen, noch die ein oder andere besondere Struktur und Melodie herauszukitzeln, dann darf man sich noch auf viel gute, laute Rockmusik für die Massen freuen.

Anspieltipps:

  • Goodbye
  • Pretend To Be Somebody
  • I Don't Even Know

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