Bryan Ferry - Olympia - Cover
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Bryan Ferry Olympia


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist wieder Zeit für eine kleine Geschichtsstunde. Der 65-jährige Engländer wurde als Mitglied der Band Roxy Music bekannt und feierte mit eben diesen große Hits, die auch heute noch jedes Kind kennt („Let's Stick Together“, „Slave To Love“, u.A.). Kein Wunder also, dass sich Musiker, die damals schon Kinder waren sich nicht lange bitten lassen, wenn der Altmeister einlädt. Sein letztes Album „Dylanesque“ war wieder ein riesiger Erfolg und diesmal soll es mit Hilfe von so prominenten Namen wie Brian Eno, Flea (Red Hot Chili Peppers), Jonny Greenwood (Radiohead), David Gilmour (Deep Purple) und Topmodel Kate Moss (sie ziert das Cover des neuen Albums „Olympia“) für noch ein wenig mehr reichen. Ob der Popstar gealtert oder noch weiter gereift ist, gilt es nach rund drei Jahren Pause herauszufinden.

Die Rückkehr ins Showgeschäft geschieht mit einer rockigen Nummer, die sich nach einem exotischen Ausflug Depeche Modes anhört. Alle, die in den letzten Jahren nicht allzu sehr auf Bryan Ferry geachtet haben wird auffallen, dass seine Stimme doch gealtert ist. Wirklich schlecht ist das nicht, doch den ganz großen Charme wie in „Let's Stick Together“ erreicht der Star nicht mehr. Das ändert nichts an einer ambitionierten Eröffnung, die geheimnisvoll mit den Stimmen im Hintergrund wirkt und durch die orientalisch angehauchten Riffs ein stimmiges Bild abgibt. Das Alter des Musikers versteckt sich noch einigermaßen in einem frischen Bild. Dieses beginnt jedoch zu bröckeln, wenn „Alphaville“ mit seinen funkigen Gitarren so alt klingt, wie die in die Tage gekommene, deutsche Rockband. Auch hier geht es stimmig zur Sache, doch die Frage ist, ob Ferry sich mit altbackener Hausmannspopkost einen Gefallen tut.

Elektronischer und auch ein wenig moderner klingt dann wieder „Heartache By Numbers“. Alles wirkt ziemlich entspannt. Vom Chor im Chrous, bis zu den vereinzelt gesäten Melodien hört sich das nach einem Lounge tauglichen Chris Rea an. Eine gute ortion Simply Red ist ebenfalls herauszuhören und so wiegt sich Bryan Ferry die nächsten vier Lieder durch entspannte, aber auf Dauer uninspirierte Tracks, deren Aufgabe allein darin zu bestehen scheint, den Puls des Hörers niedrig zu halten. Als Abwechslung wird dann mit „No Face, No Name, No Number“ und „BF Bass (Ode To Olympia)“ wieder Funk geboten, der in letzterem Fall auch wirklich Leben in die Boxen der Anlage bringt. Alte Schule? Sicherlich! Wer nach hochmoderner Popmusik Ausschau hält, sollte aber auch nicht unbedingt bei einem 65-jährgien reinhören. Man fragt Großvater schließlich selten, was gerade in den Charts läuft. Dafür bringt die ältere Generationen ganz andere Qualitäten mit sich.

Den Großteil der charismatischen Lieder der vergangenen Jahrzehnte erreichen diese immer gleichen Klänge allerdings nicht. Auch die letzten beiden Songs des Albums sind wieder bloße Klangcollagen, die handwerklich gut sind, allerdings kaum Interesse beim Hörer erzeugen. Warum nicht noch ein paar ausgefallenere, lebendigere Lieder wie „You Can Dance“ im Aufgebot von „Olympia“ sind, ist die große Frage. Ein paar mehr Gitarren und Töne, die einen auch mal auf die Tanzfläche locken, wäre wünschenswert. So plätschern die im Grunde guten Lieder nur noch vor sich hin und auch diese LP teilt das Schicksal vieler anderer, indem die Abwechslung nur knapp über den tonalen Gefrierpunkt liegen.

Anspieltipps:

  • You Can Dance
  • Heartache By Numbers
  • BF Bass (Ode To Olympia)

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