Estelle - All Of Me - Cover
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Estelle All Of Me


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Estelle macht auf „All Of Me“ eigentlich alles richtig, nur kommerziell scheint sich dies nicht auszuzahlen.

Im Jahr 2009 verkündete der britische R&B-Nachwuchsstar Estelle, dass ihr drittes Studioalbum den Titel „All Of Me” tragen würde. Zu dieser Zeit kostete die heute 32-Jährige zwar noch den Erfolg ihres für alle wichtigen Musikpreise nominierten Zweitwerks „Shine“ (05/2008 – mehr als zwei Millionen verkaufte Einheiten) aus, aber die Arbeit an dem so wichtigen Nachfolger hatte bereits begonnen. Seit April 2011 wurden aus dem bis dato noch immer nicht fertiggestellten Album bereits vier Singles ausgekoppelt, die sich kommerziell nicht mit Ruhm bekleckerten. In dem fehlenden Erfolg der Singles ist vermutlich auch die lange Hinhaltetaktik Estelles Plattenlabel begründet, was die Veröffentlichung von „All Of Me“ betrifft.

Im Februar (USA) bzw. März (UK) 2012 war es aber soweit und die Platte wurde in die Läden gestellt. In den USA erreichte das Album einen respektablen 28. Platz in den Billboard Charts, während „All Of Me“ in Estelles britischer Heimat mit fliegenden Fahnen unterging und sogar einen Chart-Entry verfehlte. In Deutschland erging es dem Album bis jetzt auch nicht besser, was nach gut drei Jahren Produktionszeit für jedes Majorlabel einen Super-GAU darstellt.

Dabei hat die Wahl-New-Yorkerin an ihrem musikalischen Erfolgsrezept auf den ersten Blick nicht viel verändert. Sie setzt auch weiterhin auf eine Mischung aus R&B, HipHop und Soul und vertraut auf die Unterstützung prominenter Kollegen, wie diesmal Nas, Chris Brown, Janelle Monáe, Rick Ross, Trey Songz, Wyclef Jean, John Legend und Ahmir „Questlove“ Thompson (The Roots). Augenscheinlich ist dabei die Orientierung am amerikanischen Markt und den Hörgewohnheiten des US-Publikums, was sich z.B. durch fünf komplett überflüssige Wordbeiträge (Skits) zwischen den Songs äußert. Dass dem Käufer auf diese Weise ein Drittel mehr Songs vorgegaukelt werden, ist sicher auch nicht die feine englische Art. Am Ende landet die Spielzeit von „All Of Me“ bei immer noch sehr bescheidenen 42 Minuten.

Fest steht: die Eingängigkeit der zehn Stücke ist diesmal nicht so überragend wie auf „Shine“, aber immer noch auf einem guten Niveau, auch wenn Wyclef Jean (The Fugees) als Produzent und Songschreiber von „Back to love“ verdächtig stark in die Kirmes-Pop-Regionen eines David Guetta eindringt und dem Album damit eine unangenehme Schlagseite verleiht. Dagegen stehen die feine Kollaboration mit Janelle Monáe („Do my thing“), die ansteckend und frisch wirkt sowie ein Track wie „Love the way we used to“, der sich im Vergleich zu den bisherigen Singleauskopplungen viel eher als Kandidat anbietet. Und um Rick Ross als Gast-Rapper („Break my heart“) kloppt sich zurzeit eh jeder!

Estelle macht auf „All Of Me“ scheinbar alles richtig. Und doch ist das Publikum nicht so euphorisch wie bei der „Shine“-Veröffentlichung vor vier Jahren. Das Musikgeschäft gibt eben immer wieder Rätsel auf, die offenbar niemand lösen kann. Deshalb bleibt wohl nur zu predigen, dass „All Of Me“ eine gute Platte ist, die zu Unrecht schon wenige Wochen nach der Veröffentlichung verramscht wird.

Anspieltipps:

  • Thank you
  • Speak ya mind
  • Wonderful life
  • Break my heart
  • Love the way we used to

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